1. Startseite
  2. Politik

Großbritannien: Queen ernennt Liz Truss zur neuen Premierministerin

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Stefan Krieger, Nail Akkoyun

Kommentare

Es ist offiziell: Die bisherige Außenministerin Liz Truss ist die neue Premierministerin vom Vereinigten Königreich.

Update vom Dienstag, 6. September, 14.30 Uhr: Liz Truss ist neue Premierministerin des Vereinigten Königreichs. Die bisherige Außenministerin wurde am Dienstag von Queen Elizabeth II. auf Schloss Balmoral in Schottland zur Nachfolgerin von Boris Johnson ernannt. Der Palast veröffentlichte ein Foto des Treffens. Anschließend machte sich Truss gemeinsam mit ihrem Ehemann Hugh O‘Leary auf den Weg in ihren Regierungssitz in der Londoner Downing Street. Dort sollte sie am Nachmittag ihre erste Rede als Premierministerin halten.

Erwartet wird, dass sie anschließend die wichtigsten Mitglieder ihres Kabinetts bekanntgibt. Johnson war zuvor ebenfalls auf Schloss Balmoral von der Queen formell aus dem Amt entlassen worden.

Queen Elizabeth II. begrüßt die neue Premierministerin Liz Truss.
Queen Elizabeth II. begrüßt die neue Premierministerin Liz Truss. © Jane Barlow/AFP

Johnson nahm am Morgen mit einer Rede Abschied von der Nation. Seiner Nachfolgerin sagte er dabei „nichts als energische Unterstützung“ zu. Zugleich ließ der 58-Jährige durchblicken, dass er unzufrieden mit seinem erzwungenen Aus ist. Politische Beobachter:innen schließen nicht aus, dass Johnson bereits seine Rückkehr an die Regierungsspitze plant. Johnsons Ehefrau Carrie sowie Hunderte Mitarbeitende, Abgeordnete, Fotograf:innen und Reporter:innen hatten sich für die Ansprache in der abgesperrten Downing Street versammelt.

Großbritannien: Liz Truss tritt Nachfolge von Boris Johnson an

Update vom Montag, 5. September, 13.40 Uhr: Die bisherige Außenministerin Liz Truss wird Nachfolgerin des britischen Premierministers Boris Johnson. Die Konservative Partei wählte die 47-Jährige zu ihrer neuen Vorsitzenden und damit auch zur nächsten Regierungschefin, wie die Partei am Montag in London mitteilte.  Die 47-jährige Truss erhielt demnach 57 Prozent der Stimmen, der ehemalige Finanzminister Rishi Sunak kam auf 43 Prozent.

Liz Truss präsentierte sich in den vergangenen Wochen als Kandidatin der Kontinuität, versprach Steuersenkungen und einen schlanken Staat - alles gern gehörte Botschaften an der konservativen Basis. Und Truss sagte den Linken den Kampf an, besonders denjenigen, die Kritik an der Kolonialvergangenheit und dem Umgang mit Minderheiten äußern.

Eines der Charaktermerkmale Truss‘ ist eine Sprunghaftigkeit, die ihr teils als Anpassungsfähigkeit, teils als Opportunismus ausgelegt wird. So trommelte sie vor dem Brexit-Referendum trommelte für den Verbleib in der EU - um hinterher eine Befürworterin des Austritts zu werden. Inzwischen gilt sie als Bekehrte („born again Brexiteer“). Erwartet wird, dass sie innerhalb von Tagen nach ihrem Amtsantritt den Streit mit der EU um den Brexit-Status für Nordirland eskalieren lässt.

Als ihr großes Vorbild gilt Ex-Premierministerin Margaret Thatcher (1979-1990). Das soll so weit gehen, dass sie versucht haben soll, berühmte Fotos der „Eisernen Lady“ nachzustellen. Truss bestreitet das. Doch die Bilder, die von der britischen Presse gerne als Gegenbeweis gezeigt werden, sprechen eine andere Sprache: Liz Truss auf dem Panzer, Liz Truss mit Pelzmütze in Moskau, Liz Truss mit niedlichem Kälbchen im Stall oder Liz Truss auf dem Motorrad - jedes der Bilder sieht aus wie die sorgsam arrangierte Reinszenierung einer ikonischen Thatcher-Aufnahme.

Großbritannien: Wer folgt auf Boris Johnson? Liz Truss gilt als klare Favoritin

Erstmeldung vom Montag, 5. September: London – In Großbritannien wird am heutigen Montag (5. September, 13.30 Uhr) verkündet, wer das Rennen um die Nachfolge von Regierungschef Boris Johnson gewonnen hat. Die parteiinterne Abstimmung unter den 200.000 Mitgliedern der konservativen Tories über ihren nächsten Parteichef und damit automatisch über den nächsten Regierungschef war am vergangenen Freitag zu Ende gegangen. Als klare Favoritin gilt Außenministerin Liz Truss, die in allen Umfragen deutlich vor Ex-Finanzminister Rishi Sunak liegt.

Die Parteimitglieder konnten in den vergangenen Wochen per Brief oder online abstimmen, wer die neue Regierung anführen und in die Downing Street einziehen wird. Sunak und Truss hatten sich zuvor in mehreren Abstimmungsrunden der konservativen Abgeordneten durchgesetzt – unter diesen war allerdings Sunak noch der klare Favorit.

Liz Truss gilt als Hardlinerin

Die voraussichtliche nächste Regierungschefin Truss wird dem rechten Flügel der Partei zugeordnet. Die 47-Jährige konnte im innerparteilichen Wahlkampf vor allem mit dem Vorhaben überzeugen, trotz enorm hoher Inflation sofort die Steuern senken zu wollen. Außerdem sammelte sie bei der Parteibasis - die deutlich älter, männlicher und wohlhabender ist als der Durchschnitt der britischen Bevölkerung - Punkte mit einer konfrontativen Linie gegenüber der EU und populistischen Äußerungen zu Flüchtlingen, Linken, Umweltaktivisten sowie gesellschaftlichen Minderheiten.

Kritiker:innen warfen ihr vor, die geplanten Steuersenkungen nützten nicht den Ärmsten in der Bevölkerung. Am Sonntag verteidigte Truss ihre Pläne, und bezeichnete sie als fair und wachstumsfördernd. „Alles durch die Brille der Umverteilung (von Reichtum) zu sehen, ist meiner Ansicht nach falsch“, sagte sie.

Wechsel an der Spitze Großbritanniens bereits am Dienstag

Nach der Verkündung der Siegerin oder des Siegers findet bereits am Dienstag der Wechsel an der Spitze der britischen Regierung statt. Johnson wird sich ein letztes Mal als Premier an die Bevölkerung wenden und danach sein Amt abgeben.

Sowohl er als auch seine wahrscheinliche Nachfolgerin reisen danach nach Schottland und werden nacheinander von Queen Elizabeth II. empfangen, die auf ihrem Landsitz Schloss Balmoral ihren Sommerurlaub verbringt. Dass die Audienzen dort stattfinden werden und nicht im Londoner Buckingham-Palast, ist äußerst ungewöhnlich und hat mit den Mobilitätsproblemen der mittlerweile 96 Jahre alten Monarchin zu tun.

Boris Johnson: Rückkehr nicht ausgeschlossen

Johnson scheidet nach zahlreichen Skandalen auf Druck seines Kabinetts aus dem Amt aus. Die Partygate-Affäre um verbotene Lockdown-Feiern in Johnsons Amtssitz hatten ihn ins Wanken gebracht. Mehrere weitere Skandale und sein Umgang damit brachten ihn letztlich zu Fall. Als prominente Mitglieder seines Kabinetts zurücktraten und damit einen Massenexodus aus den Reihen der Regierung auslösten, sah der 58-Jährige sich zum Rücktritt gezwungen.

Ein mögliches Comeback gilt jedoch nicht als ausgeschlossen. Johnson selbst machte mit den Worten „Hasta la vista, baby“ im Londoner Unterhaus bereits Andeutungen. Noch immer hat der Politiker, der zunächst einfacher Abgeordneter bleiben wird, eine starke Unterstützerbasis in der Partei. Berichten zufolge sollen einige davon bereits ein Misstrauensvotum gegen seine Nachfolgerin oder seinen Nachfolger vorbereiten, um Johnson möglichst schnell zurück ins Amt zu holen. Ein Comeback des umstrittenen Boris Johnson ist also alles andere als unmöglich. (skr/nak/afp/dpa)
 

Auch interessant

Kommentare