Der große Krieg

Literaturempfehlungen

Der Erste Weltkrieg hat das 20. Jahrhundert entscheidend geprägt. Diese Einsicht steht am Anfang der von Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich und Irina Renz im

Der Erste Weltkrieg hat das 20. Jahrhundert entscheidend geprägt. Diese Einsicht steht am Anfang der von Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich und Irina Renz im vorigen Jahr vorgelegten Enzyklopädie Erster Weltkrieg (Verlag Ferdinand Schöningh). Ein umfangreiches Kompendium, in dem der Verlauf des Krieges rekonstruiert, aus unterschiedlichen Perspektiven auf die Gesellschaften im Krieg geblickt und schließlich die Geschichtsschreibung über die Auseinandersetzungen in verschiedenen Phasen der Nachkriegszeit untersucht wird. Wichtige Hilfestellungen liefert schließlich das Lexikon, das Stichworte zu Personen, Orten und Begriffen sammelt.

Auf Sieger und Besiegte hebt die knapp gehaltene Darstellung Der Erste Weltkrieg von Volker Berghahn an. Die zügig Orientierung verschaffende Übersicht erschien ebenfalls im vorigen Jahr (Beck Verlag).

Vor allem die deutsche Geschichte im Ersten Weltkrieg nehmen sich Roger Chickering und Thomas Nipperdey vor. Während sich Chickering in seinem 2002 vorgelegten Band Das Deutsche Reich und der Erste Weltkrieg (Beck Verlag) vor allem auf eine Darstellung der Schlussphase des Wilhelminischen Reiches kapriziert, entwirft Nipperdey im zweiten Band seiner 1992 veröffentlichten Deutschen Geschichte 1866-1918 unter dem Titel Machtstaat vor der Demokratie (Beck Verlag) einen nach wie vor gut zu lesenden größeren Zusammenhang. Das gilt auch für Wolfgang J. Mommsens ebenfalls bereits betagtere Arbeit über das Zeitalter des Imperialismus (Fischer Verlag). Dan Diner legt seine 1999 erschienene Studie Das Jahrhundert verstehen (Luchterhand Verlag) von den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs ausgehend an.

Interessante Zugänge zum Krieg bietet der von Hirschfeld 1996 herausgegebene Sammelband "Keiner fühlt sich hier mehr als Mensch" (Fischer Verlag), denn die dargebotenen Innenansichten widmen sich etwa der Frage, wie sich in kurzer Zeit Selbstbilder der Menschen veränderten.

Zu den - auch mentalen - Nachwirkungen des für die Deutschen verloren gegangenen Kriegs in der postheroischen Gesellschaft macht Wolfgang Schivelbusch in Die Kultur der Niederlage (Fischer Verlag, 2001) überaus interessante Beobachtungen. Mit der Dolchstoß-Legende, der nach 1918 bemühten "Im-Felde-unbesiegt"-Legende und der Politik mit einem deutschen Mythos befassen sich Herfried Münkler und Wolfgang Storch in ihrer lesenswerten, bereits 1988 vorgelegten Studie Siegfrieden (Rotbuch Verlag).

Eine andere Interpretation des Ersten Weltkriegs wagte 1998 der britische Historiker Niall Ferguson. In Der Falsche Krieg (Deutsche Verlags-Anstalt) geht es darum, Rivalitäten zu rekonstruieren. Am Beispiel der Konkurrenz zwischen Deutschen und Briten weist Ferguson dabei über den allein ökonomischen Aspekt, gebündelt im Begriff Imperialismus, weit hinaus. ing

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