+
Huch, plötzlich an vorderster Front: Amira Mohamed Ali im Bundestag.

Linkspartei

Linke Spitze aus Oldenburg: Amira Mohamed Ali tritt Nachfolge von Sahra Wagenknecht an

  • schließen

Die Norddeutsche Amira Mohamed Ali wird künftig zusammen mit dem wiedergewählten Veteranen Dietmar Bartsch die Linksfraktion im Bundestag führen.

Wann hätten es sich die deutschen Linken schon mal leichtgemacht. 69 Abgeordnete des Bundestags – die Fraktion der Linkspartei – mussten an diesem Dienstag eine Entscheidung treffen: Wer wird der scheidenden Co-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht nachfolgen? Caren Lay aus Neuwied, 41 Jahre, Arbeiterkind, Akademikerin, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag und nach eigenem Bekunden eine Frau aus der Mitte der Partei? Oder Amira Mohamed Ali, gebürtig in Hamburg, 39, Kind zweier Kulturen, Anwältin und Managerin. 2015 engagierte sie sich erstmals an ihrem Wohnort Oldenburg für die Linkspartei. Zwei Jahre später zog sie ein Ticket nach Berlin.

Und um es jetzt kurz zu machen: Ali wird sich fortan im Tandem mit Dietmar Bartsch um linke Belange im Berliner Reichstag zu kümmern haben.

Linkspartei: Dietmar Bartsch macht weiter

Ja, die männliche Hälfte der Fraktionsspitze, Ex-Fallschirmjäger, Ex-SEDler, Ex-PDSler, Ex-Journalist und gewiefter Strippenzieher durch alle Daseinsformen der modernen deutschen Linken, Dietmar Bartsch macht weiter. Zwar nur mit dem Votum von 44 Abgeordneten, also 63,7 Prozent – aber es stand eh niemand ernsthaft gegen ihn zur Wahl. Und aller Augen hatten sich zudem auf die vakante weibliche Spitzenhälfte gerichtet.

Lay oder Ali? In ihren Bewerbungen hatten beide betont, als neue Vorsitzende die Fraktion einen zu wollen. An unterschiedlichen Positionen hat jede für sich miterlebt, wie die Einzelkämpferin Sahra Wagenknecht einiges Porzellan zerschlug, wie die Partei in links und nicht so ganz links, in Noch-Ost und Nicht-wirklich-West auseinanderdriftete. Mit dem klaren Feindbild AfD und dem mindestens ebenso klaren – und wegweisenden – Wahlerfolg jüngst in Thüringen ergeben sich aber andere Perspektiven als die links-traditionellen Flügelkämpfe: auf der Bundesbühne unzweifelhaft antifaschistisch, lokal und regional so bürgernah engagiert wie die Grünen. Parteichef Bernd Riexinger jedenfalls sprach sich vor der Wahl im „Tagesspiegel“ noch für Lay aus. Eine aus der Mitte, die also Flügelstreitereien per se ablehnt? Es wäre ein deutlicher Wandel nach der Ära Wagenknecht gewesen.

Lesen Sie auch den Kommentar zur Wagenknecht-Nachfolge: Bei der Linkspartei ist Brückenbau angesagt

Linkspartei: Amira Mohamed Ali wird vielleicht bald einiges ändern können

So sollte es aber dann doch nicht sein. Die wissenschaftlich versierte und in Fraktionsverwaltung zweifellos erfahrene Lay konnte am Ende nicht genug Stimmen auf sich vereinigen. Im ersten Wahlgang reichte es weder für die eine noch für die andere. Im zweiten Wahlgang schaffte dann die Norddeutsche Ali, 36 Stimmen für sich zu gewinnen. Nicht gerade überragend, aber diese 52,2 Prozent der Bundestagsfraktion reichten gegenüber den 29 Unterstützerinnen und Unterstützern für die Rheinland-Pfälzerin Lay – 42 Prozent – dann doch aus.

Ali hat sich in ihrer bisherigen Zeit im Bundestag vor allem um Verbraucher- und Tierschutz gekümmert sowie um Recht und Ernährung. Solche eminent wichtigen Themen gelten in der überkommenen Harten-Männer-Politik (für die auch Riexinger und Bartsch stehen) nicht viel. Ali wird da vielleicht bald einiges ändern können.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion