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Parteitag der Linken: Sexistische Wetten und brutale Gewalt

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Von: Pitt v. Bebenburg

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In einer hoch emotionalen Debatte berät die Linke über interne Sexismus-Vorwürfe.

Erfurt – Die Beispiele waren krass. Es war der bewegendste Moment des Linken-Parteitags in Erfurt, als Mitglieder der Linksjugend Solid schilderten, welche sexuellen Anmachen und Übergriffe ihnen aus der Partei berichtet worden seien.

„Eine Person sagt grinsend: ‚Na, du Luder, auch da?‘, und klatscht mir auf den Po. Alle lachen.“ Eine andere junge Frau wird auf einer Parteiveranstaltung begrüßt mit dem Satz: „Na, du geiles Stück“. Bei einer weiteren Veranstaltung wetten die Männer: „Wer der da hinten zuerst an die Brüste fasst, kriegt einen Schnaps.“ Dann folgte ein Beispiel für brutale Gewalt eines „Genossen, der mich vergewaltigt hat“, das sei „ein Alptraum, von dem man glaubt, dass er nicht mehr aufhört“.

Parteitag der Linken: Berichte der Betroffenen

Mit 20 Beteiligten war die Linksjugend auf die Bühne gekommen. Sie hielten ein Transparent mit der Aufschrift „Täterschutz zerschlagen, die feministische Linke aufbauen“. Jakob Hammes, einer der Solid-Bundessprecher:innen, und die Delegierte Lena Bär trugen die Betroffenenberichte vor.

Bundesparteitag
Die Linke debattiert über die Sexismus-Vorwürfe. © Martin Schutt/dpa

Klar ist, dass die Linkspartei Konsequenzen ziehen will. Auf Bundesebene wurde eine Expert:innenkommission eingesetzt und externe Fachfrauen als Ansprechpartnerinnen für Betroffene eingesetzt. Die hessische Landespartei denkt daran, Schulungen für Parteifunktionärinnen und -funktionäre „ab einer gewissen Ebene verpflichtend“ zu machen. Das kündigte der hessische Linken-Vize Michael Erhardt in Erfurt an.

Seit Ostern hatten Vorwürfe über sexistischen Umgang und sexuelle Übergriffen durch Parteifunktionäre die Linke erschüttert. Dabei waren viele Fälle aus Hessen bekannt geworden.

In Erfurt sprachen sich Mitglieder wie der Kasseler Simon Aulepp dafür aus, „Machtstrukturen“ abzubauen, die zu Machtmissbrauch führten. Es müsse möglich werden, Funktionsträger:innen jederzeit abzuwählen.

Die Linke hat zu spät reagiert

Die Co-Vorsitzende der hessischen Landtagsfraktion, Elisabeth Kula, berichtete über Gesprächsangebote an Betroffene in Zusammenarbeit mit externen Beratungsstellen und über „Workshops für kritische Männlichkeit“. Sie gestand ein, an manchen Stellen zu spät reagiert zu haben. Zugleich zeigte sie sich zuversichtlich, dass sich die Partei gut aufstellen werde. „Lasst uns diese Partei ändern und feministische Strukturen aufbauen“, rief Kula unter Beifall aus.

Die Bundesvorsitzende Janine Wissler bat um Entschuldigung „bei allen Frauen, denen wir bisher nichts oder wenig anbieten konnten, wenn ihnen Unrecht widerfahren ist“. Wissler stand im Fokus, weil die ersten öffentlichen Vorwürfe gegen ihren Ex-Freund erhoben worden waren.

Unmittelbar nach Wisslers Wiederwahl zeigten sich Mitglieder des Jugendverbands empört. Zwei Frauen, die sich als Betroffene vorstellten, traten ans Mikrofon und beklagten, dass mit Wissler nun eine Person an der Spitze bleibe, von der „Täterschutz“ zu befürchten sei. Wisslers Wahl sei „ein klares ‚Fick dich‘ an alle, die wirklich schlimme Dinge erlebt haben“, sagte eine weinende junge Frau, die sich als Lea vorstellte.

Daraufhin sprang die nordrhein-westfälische Delegierte Katharina Grudin der Parteichefin zur Seite. „Es ist falsch, wenn man Frauen dafür beschuldigt, was Männer getan haben.“ Das traf die Stimmung, es gab tosenden Beifall für Grudin. (Pitt von Bebenburg)

Der Leitartikel zum Parteitag der Linken: Eine Chance für die Linke

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