Eine Reinigungskraft im IKEA in Magdeburg: Viele „Helden des Alltags“ müssen mit Hartz IV aufstocken.
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Eine Reinigungskraft im IKEA in Magdeburg: Viele „Helden des Alltags“ müssen mit Hartz IV aufstocken.

Corona-Krise und Hartz IV

Die Helden in Hartz-IV: Systemrelevante Beschäftigte müssen aufstocken - Linke stellt Forderung

  • Nico Scheck
    vonNico Scheck
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Viele systemrelevante Beschäftigte müssen mit Hartz IV aufstocken. Dabei sind ausgerechnet diejenigen betroffen, die in der Corona-Krise als Helden gefeiert werden. Die Linken stellen eine klare Forderung.

  • Reinigungskräfte und Beschäftigte im Einzelhandel werden in Zuge der Corona-Krise als Helden gefeiert
  • Doch trotz ihres Jobs müssen einige von ihnen mit Hartz IV aufstocken
  • Von Linken-Politikern Sabine Zimmermann hagelt es Kritik - und Forderungen

Berlin - In der Corona-Krise die Helden, im Job aber heillos unterbezahlt. Eine Sonderauswertung der Bundesarbeitsagentur hat ergeben, was eigentlich längst bekannt war. In einigen Berufen müssen besonders viele Beschäftigte ihren Lohn mit Hartz-IV-Leistungen aufstocken. Von „Ergänzern“ oder „erwerbstätigen erwerbsfähigen Leistungsberechtigten“ spricht die Arbeitsagentur, von „Helden“ Linken-Politikern Sabine Zimmermann.

Die Arbeitsmarktexpertin von den Linken hatte die Sonderauswertung angefordert. Das Ergebnis erschüttert sie: „Betroffen sind auch ausgerechnet diejenigen, die eben noch als Helden des Alltags gefeiert wurden.“ Was Zimmermann meint: Insbesondere Beschäftigte im Einzelhandel oder Reinigungskräfte sind davon betroffen. Helden der Corona-Krise. Aber auch heillos unterbezahlt.

Sabine Zimmermann von den Linken fordert bessere Bedingungen für systemrelevante Beschäftigte.

Auswertung ergibt: Eine Million Menschen muss trotz Job mit Hartz IV aufstocken

Insgesamt eine Million Menschen in Deutschland müssen ihr zu niedriges Einkommen mit Hartz IV aufstocken. Das ist nicht hinnehmbar, findet Zimmermann. Die Auswertung der Bundesarbeitsagentur hat ergeben, dass unter 656.000 Reinigungskräften der unteren Qualifikationsstufe „Helfer“ 10,1 Prozent zu den Aufstockern gehören. Unter Helfern aller Berufe waren es fünf Prozent. Demnach bezogen von 176.000 Reinigungsfachkräften 7,8 Prozent ergänzend Hartz IV. Zum Vergleich: Bei Fachkräften aller Berufe sind es lediglich 1,6 Prozent.

Bei Reinigungskräften mit Minijob haben laut der Auswertung 14,3 Prozent der Helfer und 16,1 Prozent der Fachkräfte ergänzende Unterstützung bekommen. Die Angaben beziehen sich auf sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Jahresschnitt 2018.

Helden der Corona-Krise müssen mit Hartz IV aufstocken - Linke fordert höheren Mindestlohn

Auch bei Helfern im Lebensmittelverkauf (13,5 Prozent) und in der Speisenzubereitung (9,9 Prozent) gab es auffällig hohe Anteile mit zusätzlichen Hartz-IV-Zahlungen. 22,7 Prozent der Helfer im Bereich Körperpflege und 7,9 Prozent der Fachkräfte mussten aufstocken, im Gastronomiebereich 7,6 Prozent der Helfer und sechs Prozent der Fachkräfte. Das Prinzip ist immer das gleiche. Der Lohn reicht nicht, also muss mit Hartz IV aufgestockt werden.

Betroffen sind laut Zimmermann Menschen in allen Lebenslagen und -formen. Ihre Forderung: „Gute tarifliche Bezahlung muss endlich zum Standard werden.“ So seien etwa ein höherer Mindestlohn von zwölf Euro pro Stunde und ein Rechtsanspruch auf eine Mindest-Wochenarbeitszeit, verbunden mit strikten Zeitkontrollen, notwendig.

NameGeborenAmtPartei
Sabine Zimmermann30. Dezember 1960 (Alter 59 Jahre), PasewalkMitglied des Deutschen Bundestages seit 2005Die Linke

Schon zu Beginn der Corona-Pandemie hatte Zimmermann einen Zuschlag von 200 Euro auf Hartz IV pro Person gefordert.

Eben noch Corona-Helden, noch immer Hartz-IV-Aufstocker: Linken-Politikern Zimmermann empört

Der Grund liegt auf der Hand. „Zu viele Beschäftigte werden unfreiwillig mit Teilzeitverträgen abgespeist, um sie flexibler einsetzen zu können, arbeiten aber faktisch dann doch unbezahlt länger“, hagelt es von Zimmermann Kritik. Vor allem in Zeiten von Corona werde deutlich, dass Minijobs nicht die Existenz sichern können. Daher müssten sie „in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung umgewandelt werden“. Damit Helden irgendwann nicht mehr Hartz IV beziehen müssen. (Von Nico Scheck)

In Zuge der Corona-Krise mussten viele Beschäftigte in Kurzarbeit. Wer in Kurzarbeit ist, könnte Anspruch auf Hartz IV bekommen. Zudem verhalf die Corona-Krise einem portugiesischen Obdachlosen zu Hartz IV.

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