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Caren Lay (46) wird zum pragmatischen Flügel der Linken gerechnet.

Linken-Fraktionsvorsitz

Linke: Caren Lay will Sahra Wagenknecht nachfolgen

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Die Linken-Fraktion braucht eine neue Frau an der Spitze. Nun wagt sich Caren Lay aus der Deckung. Doch ihre Bewerbung ist kein Selbstläufer.

Am Mittwoch lud Caren Lay auf die Fraktionsebene des Reichstages. Vor ihr standen einige Kameras und vielleicht ein Dutzend Journalisten. Die 46-Jährige erklärte ihre Kandidatur für den Fraktionsvorsitz der Linken. Sie möchte am 12. November zur Nachfolgerin von Sahra Wagenknecht gewählt werden. Lay sprach davon, dass sie die Fraktion „aus der Mitte heraus führen“ wolle und auf dieses Vorhaben bisher eine positive Resonanz erfahren habe. Dabei will die derzeit stellvertretende Fraktionsvorsitzende ihr Fachthema Mieten und Wohnen stärker in den Vordergrund rücken. Ob sie Erfolg hat, wird man sehen.

Wagenknecht hatte im März ihren Verzicht auf eine erneute Bewerbung erklärt und dies mit einem Burnout begründet – auch resultierend aus den fortgesetzten Auseinandersetzungen in Partei und Fraktion. Die Neuwahl wurde dann auf die Zeit nach der thüringischen Landtagswahl verschoben. Die Linksfraktion wollte die Parteifreunde dort nicht mit zu erwartenden Spannungen belasten. Überdies ist bekannt, dass Wagenknechts Co-Vorsitzender Dietmar Bartsch gern solo weiter gemacht hätte. Allein: Die Frauen in der Fraktion wollten das nicht.

Nun steht außer Frage, dass Lay für die Nachfolge in Betracht kommt. Sie war mal Bundesgeschäftsführerin der Partei, sitzt seit 2009 im Bundestag, und ist unter anderem medial hinreichend erfahren. Hinzu kommt, dass die Soziologin aus Rheinland-Pfalz stammt, aber seit langem in Sachsen zu Hause ist. Ost-West-Kompetenz ist in der Linken auf jeden Fall von Vorteil. Gleichwohl ist die Kandidatur kein Selbstläufer.

Denn Lay gilt als Vertraute der Parteivorsitzenden Katja Kipping; die beiden sind befreundet. Kipping wiederum war Hauptwidersacherin Wagenknechts und ist auf dem linken Flügel von Partei und Fraktion nicht wohl gelitten. Ihre Beziehungen zu den Reformern um Bartsch sind allenfalls mittelprächtig, so dass Lay zuletzt eine gewisse Distanz zu Kipping erkennen ließ. Würden der Reformer Bartsch und die Zentristin Lay gewählt, wäre das linke Lager jedenfalls außen vor.

Die linken Linken suchen deshalb in den eigenen Reihen nach einer Gegenkandidatin und haben sie offenbar in Gestalt der Abgeordneten Amira Mohamed Ali gefunden. Sie wurde 1980 in Hamburg geboren, lebt nach eigenen Angaben seit vielen Jahren in Oldenburg, ist Rechtsanwältin und Sprecherin der Fraktion für Verbraucher- und Tierschutz. Das Problem: Ali sitzt erst seit 2017 im Bundestag – so wie Kirsten Kappert-Gonther, die sich kürzlich um den Fraktionsvorsitz der Grünen bewarb und nicht zuletzt an mangelnder Erfahrung scheiterte. Ali sei eine „sehr umgängliche Frau“, sagt ein Fraktionskollege. Doch sie wäre als Newcomerin wohl chancenlos. Bei ihrer Konkurrentin stünden die Chancen fifty-fifty.

Bis zur Entscheidung wird Caren Lay mithin noch etwas Geduld aufbringen müssen. Mit Überraschungen, so viel steht fest, ist in der Linken immer zu rechnen.

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