+
Der aktuelle Elefant der FDP heißt „Europa“.

FDP

Lindners Elefant

  • schließen

Die Wahlkampfstrategie des FDP-Chefs ist in der Partei umstritten – eine Analyse.

Das Sprachbild vom „Elefanten im Raum“ beschreibt ein großes Problem, das von den meisten Anwesenden lieber ignoriert wird. Der aktuelle Elefant der FDP heißt „Europa“.

Die FDP hat bei den EU-Wahlen mäßig abgeschnitten. Auf die katastrophalen 3,4 Prozent von vor fünf Jahren hat sie nur zwei Prozentpunkte drauflegen können. Parteichef Christian Lindner hatte als Ziel ausgegeben, das Ergebnis zu verdreifachen. Die FDP kam nie richtig aus den Startlöchern, während ihr Lieblingsgegner – die Grünen – durchstartete.

Haben Fehler des Vorsitzenden dabei eine Rolle gespielt? Neben Verweisen auf FDP-Teamgeist durch dick und dünn blieb Lindner auch am Tag nach der Wahl bei der Geschichte, seine Partei sei doch „ein kleiner Gewinner“, da sie ja zugelegt hat.

Der frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum sieht dagegen sehr wohl Fehler des Vorsitzenden. Und er warnt eindringlich davor, dass die FDP in eine falsche Richtung driften könnte: „Christian Lindner läuft Gefahr, die FDP wieder inhaltlich und strategisch zu verengen. Er muss sich den Menschen zuwenden, ihre Ängste und Unsicherheiten ernst nehmen.“ Und Baum fügt noch einen speziellen Aspekt hinzu, der im europäischen Wahlkampf eine größere Rolle gespielt hat: „In der Klimadebatte hat sich gezeigt: Die jungen Menschen fühlten sich durch Christian Lindner nicht ernst genommen.“

Der 86-Jährige – ein Sozialliberaler, der findet, Globalisierung brauche einen sozialen und ökologischen Ordnungsrahmen – ist schon lange Außenseiter in der FDP. Doch nun spricht er etwas aus, was viele in der Partei denken – und einige unter der Hand auch sagen: Lindners Äußerung gegenüber Schülern, die bei „Fridays for Future“ gegen die Klimapolitik demonstrieren, haben der FDP geschadet: „Von Kindern und Jugendlichen kann man nicht erwarten, dass sie bereits alle globalen Zusammenhänge, das technisch Sinnvolle und das ökonomisch Machbare sehen. Das ist eine Sache für Profis.“ Das empfanden viele als unsympathisch, sogar als arrogant.

Lindner beharrte auf dem im April per Parteitag verabschiedeten Klimakonzept, das insbesondere auf technischen Fortschritt setzt. Viele in der Partei halten das für durchaus konkurrenzfähig. Aber Lindners „Profis“ haben so viel Ablehnung auf sich gezogen, dass sich niemand mehr mit diesem Konzept auseinandersetzt.

Lukas Köhler, klimapolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, sagte nach der Europawahl: „Wir müssen in der Kommunikation unseres sehr ambitionierten Klimakonzepts besser werden.“ Gerhart Baum wiederum sieht nicht nur ein kommunikatives, sondern auch ein inhaltliches Problem: Die FDP müsse „weg von einer Position, die staatliche Regeln allzu oft nur ablehnt“. Sozialliberales Denken ist für manche in der FDP ein viel größerer Elefant.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion