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Porsche-Chef äußert sich zu Lobbyvorwürfen

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Von: Jan-Frederik Wendt, Andreas Apetz

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Die ZDF-Show „Die Anstalt“ behauptet, Finanzminister Linder habe während der Koalitionsverhandlungen im Austausch mit dem Porsche-Konzern gestanden.

Update vom Sonntag, 24. Juli, 7.11 Uhr: Porsche-Chef Oliver Blume bestreitet, mit FDP-Chef Christian Lindner während der Koalitionsverhandlung in engem Austausch zum Thema E-Fuels gestanden zu haben. Mit Blick auf die Enthüllungen der ZDF-Sendung „Die Anstalt“ sagte ein Sprecher der Porsche AG der Welt am Sonntag: „Im Rahmen einer internen Veranstaltung im Juni ist überspitzt formuliert worden“. Blumes Wortwahl habe nicht den Tatsachen entsprochen. Der Austausch habe so nicht stattgefunden und es habe keine Einflussnahme gegeben.

Blume selbst erklärte, dass er „falsche Worte gewählt“ habe. Dadurch sei ein „falscher Eindruck“ entstanden. „Das tut mir leid“, so Blume.

Linder und Porsche: ZDF-Sendung „Die Anstalt“ erhebt schwere Vorwürfe

Erstmeldung vom Samstag, 23. Juli, 22.17 Uhr: Berlin – Dass Vertreter:innen der Wirtschaft eng mit der Politik im Austausch stehen, ist hinlänglich bekannt. Besonders die Autobranche hat dabei hervorragende Verbindungen in das Geflecht der deutschen Parteien: So ist die SPD bestens mit VW vernetzt und die CSU hat einen guten Draht zu BMW.

Und die FDP? Die soll sich wohl ganz gerne mit Porsche unterhalten. Zumindest behaupten das die User auf Twitter unter dem Hashtag #PorscheGate. Dort heißt es, Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender von Porsche und zukünftiger VW-Konzernchef, habe mit Finanzminister Christian Lindner während der Koalitionsverhandlungen in regem Austausch gestanden. Der Grund: E-Fuels.

Finanzminister Christian Lindner soll Porsche-Chef Oliver Blume während der Koalitionsverhandlungen „fast stündlich auf dem Laufenden“ gehalten haben
Finanzminister Christian Lindner soll Porsche-Chef Oliver Blume während der Koalitionsverhandlungen „fast stündlich auf dem Laufenden“ gehalten haben. (Symbolfoto) © Bernd von Jutrczenka/dpa

Christian Lindner: Porsche-Chef will FDP-Vorsitzenden beeinflusst haben

Doch noch mal ganz von vorne: Dass Christian Lindner gerne Porsche fährt, ist längst bekannt. Erst vor kurzem fuhr der Finanzminister bei seiner Hochzeit auf Sylt in einem offenen Cabrio jenes Herstellers mit seiner Geliebten vor. Auslöser für die Debatte um Lindner und Blume war eine Folge der ZDF-Satiresendung „Die Anstalt“ vom 19. Juli. Dort behaupteten die Macher der Show, der Porsche-Chef hätte vor seinen Mitarbeitenden mit seinem Einfluss auf Lindner währende den Koalitionsverhandlungen der Ampel geprahlt.

Laut Kabarettist Max Uthoff wäre es dabei um die Entscheidung bei den E-Fuels gegangen. Dabei handelt es sich um synthetische Kraftstoffe, die es ermöglichen, Verbrennungsmotoren unter bestimmten Bedingungen klimaneutral zu betreiben. Wegen ihrer energieaufwendigen Produktion sind die Kraftstoffe jedoch umstritten. Zuletzt hatten Lindner und die FDP mit Unterstützung von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) durchgesetzt, dass mit E-Fuels angetriebene Autos auch nach dem Jahr 2035 noch zugelassen werden können – zum Ärger der Grünen.

 „Wir haben sehr großen Anteil, dass die E-Fuels in den Koalitionsvertrag miteingeflossen sind. Da sind wir ein Haupttreiber gewesen, mit ganz engem Kontakt an die Koalitionsparteien. Der Christian Lindner hat mich in den letzten Tagen fast stündlich auf dem Laufenden gehalten“, soll Blume laut Satiriker Uthoff gesagt haben. Das ist interessant, denn: In der Automobilindustrie ist Porsche der Hersteller, der sich am deutlichsten für E-Fuels ausspricht.

#PorscheGate: Lindner und Blume äußern sich zu Vorwürfen

Aber das war doch alles nur Satire – oder etwa nicht? Die, um die Kabarett-Sendung ausgebrochene weitreichende Debatte, hat sowohl Christian Lindner als auch Oliver Blume reagieren lassen. Beide dementieren die Vorwürfe aus der ZDF-Show. „[Christian Lindners] Position zu E-Fuels ist seit Jahren bekannt. Entsprechend hat er sich im Juni zum von der EU geplanten Verbrenner-Aus geäußert und innerhalb der [Bundesregierung] gehandelt. Es gab zuvor keinerlei Kontakt mit Herrn Blume und auch keinerlei anderweitige Einflussnahme“, teilte Lindners Presseteam auf Twitter mit.

Einen wie in der Show dargestellten Austausch habe es „so nicht gegeben“, wird ein Porsche-Sprecher mehrfach zitiert. Das Wörtchen „so“ legt jedoch nahe, dass durchaus zwischen den beiden Männern kommuniziert wurde. „Richtig ist, dass das Unternehmen grundsätzlich mit allen relevanten Stakeholdern einen konstruktiven Austausch pflegt“, heißt es weiter.

Die Nachfrage des Spiegels, ob das Zitat aus „Der Anstalt“ korrekt ist oder nicht, wollte Porsche nicht kommentieren. Anders taten es die Showrunner selbst: Im hauseigenen Faktencheck zur Sendung heißt es: „Die [...] Aussage von Oliver Blume stammt aus der Porsche-Betriebsversammlung vom 29. Juni 2022. Belege, die diese Aussage verifizieren, liegen der Redaktion vor.“ (aa)

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