Vorwürfe (IV)

Lidl: "Unicef-Chef hat uns getäuscht"

Der ehemalige Deutschlandchef des Discounters Lidl, Rohrer, sieht sich von Unicef hintergangen. Für eine Großspende sei keine Provision vereinbart gewesen, die aber an einen Unicef-Mitarbeiter gezahlt worden sei. Bericht vom 16. Januar.

Von MATTHIAS THIEME

Trotz der Vorlage eines Berichts von Wirtschaftsprüfern reißen die Vorwürfe gegen Unicef nicht ab. Der ehemalige Lidl-Chef Deutschland, Stefan Rohrer, sagte der Frankfurter Rundschau, er habe mit Unicef-Geschäftsführer Dietrich Garlichs niemals vereinbart, dass die Lidl-Großspende von 500.000 Euro über das Projekt "Unicef-Kinderstadt Heilbronn" verbucht werden sollte, bei dem der Berater Viktor L. eine Provision erhielt.

Bei einer Spendengala in Berlin habe er zufällig neben Garlichs gesessen und ihm die Spende angeboten. Dies sei per Handschlag besiegelt und das Geld direkt nach Köln und nicht nach Heilbronn überwiesen worden. "Wenn wir gewusst hätten, dass ein Berater davon etwa 30.000 Euro Provision bekommt, hätten wir nicht gespendet", sagte Rohrer. "Garlichs hat uns getäuscht, indem er das verheimlicht hat."

Die Kölner Staatsanwaltschaft setzt auch nach dem Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG ihre Ermittlungen gegen den Unicef-Geschäftsführer fort. Es bestehe weiter der vage Anfangsverdacht der Untreue.

Die Unicef-Vorsitzende Heide Simonis bekräftigte im FR-Interview, sie werde im Amt bleiben. Zudem kündigte sie eine Verbesserung des internen Managements an. Bei der Vergabe von Aufträgen werde künftig "eine noch größere Sensibilität an den Tag gelegt". Die Prüfer hatten zwölf Regelverstöße festgestellt. Hinweise auf persönliche Bereicherungen gebe es aber nicht.

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