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Libyen: den Krieg verstehen, die Hintergründe kennen

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Von: Nina Dudek

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Libyen ist reich an Erdöl und weckt darum Begehrlichkeiten. Nach dem Tod von Machthaber Muammar al-Gaddafi tobten Bürgerkriege und Libyen ist bis heute instabil.

München/Tripolis – Schon in der Antike und im Römischen Reich siedelten Menschen in Libyen, das wegen seiner Mittelmeerlage von großer strategischer Bedeutung war. Es folgten Spanier und Osmanen, die den mit 1.795.541 Quadratkilometern flächenmäßig viertgrößten Staat Afrikas besiedelten. Im Jahr 1912 allerdings eroberte Italien das Gebiet und machte es zu einer Kolonie. Im Jahr 1951 erreichte Libyen seine Unabhängigkeit.

Hauptstadt:Tripolis
Amtssprache:Arabisch
Fläche:1.795.541 km²
Einwohnerzahl:6,871 Millionen (2020)
Währung:Libyscher Dinar (LYD)
Religion:Islam

Libyen: Krieg und Bürgerkrieg – Ursachen und Hintergründe zum Libyen-Konflikt

Einen wirtschaftlichen Aufschwung bekam Libyen allerdings erst in den 1950er Jahren, als nennenswerte Mengen Erdöl gefördert wurden. Im Jahr 1969 ernannte sich der Führer der Armee, Muammar al-Gaddafi, zum „Revolutionsführer“ und herrschte als Diktator bis zum Jahr 2011. Sein autoritäres Regime führte im 21. Jahrhundert zu schrecklichen Bürgerkriegen und bis heute ist die Lage in Libyen instabil. Doch der Staat beginnt langsam, sich politisch neu zu orientieren und zu stabilisieren.

Eigentlich geht es beim Kampf um die Macht in Libyen im großen Stil auch um die Reichtümer des Landes. Dazu gehören vor allem die großen Erdölvorkommen und deren Möglichkeiten, sie zu Reichtum zu machen. Im Laufe der Jahre zeichnete sich ab, dass niemand Interesse daran zeigte, den Konflikt zu lösen. Auch unterschiedlichste bewaffnete Gruppierungen und Splittergruppen profitierten landesweit von den instabilen Verhältnissen in Libyen, da kriminelle Aktivitäten nicht verfolgt wurden. Gerade der Handel und das Schleusen von Migranten, die via Libyen versuchten, aus Afrika nach Europa zu gelangen, florierten.

Kämpfer der libyschen Rebellen feuern während der Kämpfe um die Befreiung der Stadt Sirte in Libyen Granaten aus einem Panzer auf Gaddafi-Kämpfer ab.
Krieg in Libyen: Rebellen feuern während der Kämpfe um die Befreiung der Stadt Sirte in Libyen Granaten ab. (Archivbild) © Mohamed Messara/dpa

Die bis heute andauernden Konflikte in Libyen gehen aber auch auf eine Spaltung und tiefgreifende Legitimitätskrise zurück. Seit dem zweiten Bürgerkrieg in Libyen im Jahr 2014 konkurrierten zwei Regierungen und Parlamente miteinander und sprachen sich gegenseitig ihre Legitimität ab. Kernaussagen der beiden konkurrierenden Staatsvertretungen: die mit dem Warlord Chalifa Haftar verbündete Regierung im Osten bestand auf ihrem Recht des Regierens, das Parlament im Osten erkannte die Bildung einer Einheitsregierung Ende 2015 nicht an. Bis heute gibt es in Libyen keine allgemein anerkannte Grundlage für Neuwahlen.

Krieg in Libyen: Warum die Revolution 2011 zu einem neuen Bürgerkrieg führte

Als am 17. Februar 2011 im Zuge des Arabischen Frühlings die libysche Revolution ausbrach, war dies längst nicht nur ein Aufbegehren gegen die vierzigjährige Herrschaft Muammar al-Gaddafis. Diese Revolution, die vor allem von den Küstenstädten Bengasi und Misrata sowie der westlichen Bergregion ausging, war vor allem auch ein Bürgerkrieg zwischen Anhängern und Gegnern des Regimes.

Doch der gewaltsame Sturz des Machthabers al-Gaddafi war nicht der Anfang vom Ende des Konflikts, sondern zog neuen Unruhen mit sich. In ganz Libyen wurden die Waffenarsenale des Regimes geplündert, und es bildeten sich zahlreiche neue Milizen. Der Bürgerkrieg von 2011 war also nur der Nährboden für neue Gewalt und Konflikte. Seit dem Sturz Gaddafis gibt es in Libyen kein staatliches Gewaltmonopol mehr.

Auch der sogenannte Übergangsprozess im Oktober 2011 wurde von Machtkämpfen begleitet. Selbst nach der Wahl zum Nationalkongress im Juli 2012 scheiterten die revolutionären Kräfte an einem geschlossenen Regierungsbündnis. Verfeindete Gruppierungen nutzten sogar ihre Machtstellung innerhalb des Staatsapparats, um im Verborgenen ihre eigenen Milizen aufzubauen. Nach den Parlamentswahlen Mitte 2014 eskalierten diese Machtkämpfe erneut in einem Bürgerkrieg.

Libyen: Die politische Situation seit 2020 und die Aussichten

Seit dem Sommer 2020 macht Libyen erhebliche Fortschritte im Stabilisierungsprozess. Bereits im Juni 2020 beendeten die Regierung in Tripolis und die sogenannte „Libysche Nationale Armee“ ihre Kampfhandlungen, seit Oktober 2020 besteht zwischen ihnen eine von den Vereinten Nationen vermittelte Waffenstillstandsvereinbarung.

Im März 2021 begann die Legislaturperiode einer zunächst im gesamten Land anerkannten Regierung, die eigentlich im Dezember 2021 neu durch das Volk gewählt werden sollte. Doch diese Wahl wurde verschoben und bereits jetzt existiert wieder eine konkurrierende Regierungsinitiative im Osten des Landes. Die Lage in Libyen ist deswegen weiterhin sehr fragil und erneute Ausschreitungen sind nicht auszuschließen.

Ist es gefährlich, nach Libyen zu reisen? Das sollten Sie über Reisen nach Libyen wissen

Aufgrund der nach wie vor instabilen politischen Lage hat das Auswärtige Amt eine allgemeine Reisewarnung für Libyen ausgegeben. Deutsche werden aufgefordert, das Land möglichst zu verlassen. Auch Kriminalität ist in ganz Libyen ein Problem, vor allem in den Großräumen Tripolis, Sirte, Benghazi und Derna sowie im Süden des Landes. Dort besteht ein hohes Entführungsrisiko für Ausländer.

Libyen lässt sich grob in vier Regionen aufteilen:

Da sich politische Situationen rasch ändern können, ist es empfehlenswert, sich vor jeder geplanten Reise nach Libyen auf der Webseite des Auswärtigen Amts über die aktuelle Lage zu informieren. (Nina Dudek)

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