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Schockierende Berichte

Schwere Vorwürfe von „Amnesty International“: Syrische Geflüchtete berichten über Folter im Libanon

  • VonJoel Schmidt
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Ein Bericht dokumentiert die Folter und Misshandlung Geflüchteter aus Syrien durch Sicherheitsbehörden im Libanon. „Amnesty International“ erhebt schwere Vorwürfe.

  • Seit bereits zehn Jahren befindet sich Syrien in einem Bürgerkrieg.
  • Etwa 1,5 Millionen Menschen sind seitdem aus Syrien in den benachbarten Libanon geflohen.
  • „Amnesty International“ dokumentiert nun zahlreiche Fälle, in denen Geflüchtete misshandelt und gefoltert wurden.

Beirut – Schläge mit Metallstäben, Stromkabeln und Plastikrohren – die Menschenrechtsorganisation „Amnesty International“ erhebt Foltervorwürfe gegen die Behörden im Libanon. In einem am Dienstag (23.03.2021) veröffentlichten Bericht der Organisation sind 26 Fälle von Geflüchteten aus Syrien dokumentiert, die im Libanon zwischen 2014 und 2019 im Zusammenhang mit Terrorismusvorwürfen inhaftiert und gefoltert wurden, darunter auch vier Minderjährige.

„Wir appellieren an die libanesische Regierung, die willkürliche Inhaftierung syrischer Geflüchteter und deren Folter und Misshandlung sofort zu beenden“, sagte Franziska Vilmar, Expertin für Asylpolitik bei Amnesty International in Deutschland nach Veröffentlichung des Berichts „I wished I would die: Syrian refugees detained on terrorism-related charges and tortured in Lebanon“.

Soldaten der libanesischen Armee bewachen im Dezember 2018 das Geflüchtetenlager Hosh-Al-Nabi in der Bekaa-Ebene.

Bericht von „Amnesty International“: Folter und Misshandlungen im Libanon

„Sie haben uns mit Plastikrohren aus dem Badezimmer geschlagen, ich hatte offene Wunden am Rücken, in denen sich am Ende Maden befanden“, berichtet etwa ein Geflüchteter aus Syrien, der für 15 Tage im libanesischen Verteidigungsministerium festgehalten wurde. Weitere Betroffene berichteten „Amnesty International“, dass sie während ihrer Verhöre und langwährenden Untersuchungshaft durch Schlaf- oder Nahrungsentzug, das Ausharren in Stresspositionen oder weiteren Erniedrigungen gefoltert worden seien.

Name: LibanonStaats- und Regierungsform: Parlamentarische Republik
Hauptstadt: BeirutPräsident: Michel Aoun
Bevölkerung: 6,849 Millionen (Stand 2018)Amtssprache: Arabisch

Ein Großteil der dokumentierten Fälle habe der Menschenrechtsorganisation zufolge im Zuge einer Militäroperation gegen den „Islamischen Staat“ (IS) im Jahr 2014 stattgefunden. Bei dem Einsatz in der Grenzregion nahe der libanesischen Stadt Arsal hatte die Armee gemeinsam mit der islamistisch-schiitischen Miliz „Hisbollah“ auch viele Geflüchtete aus dem benachbarten Bürgerkriegsland Syrien festgenommen. Als Hauptorte der Folterungen und Erniedrigungen werden in dem Bericht das militärische Geheimdienstzentrum Ablah, die Generaldirektion der Staatssicherheit in der Hauptstadt Beirut sowie das Verteidigugnsministerium benannt.

Syrische Geflüchtete im Libanon: Diskriminierung und menschenunwürdige Bedingungen

Mindestens 14 der Inhaftierten gaben an, im Zuge der Folterungen und Drohungen Verbrechen gestanden zu haben, die sie nicht begangen hatten. In neun Fällen wurden laut „Amnesty International“ zudem kritische Äußerungen gegenüber der syrischen Regierung als Beweis herangezogen, um Verurteilungen wegen Terrorismus zu rechtfertigen. Die Beschuldigten wurden zu Haftstrafen zwischen einigen Monaten und mehreren Jahren verurteilt, der Menschenrechtsorganisation zufolge befinden sich derzeit noch mindestens sechs von ihnen im Gefängnis.

Nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) befinden sich seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs im Jahr 2011 etwa 1,5 Millionen Geflüchtete aus dem Nachbarland im Libanon. „Amnesty International“ und andere Hilfsorganisationen beklagen, diese würden diskriminiert, keinen sicheren Aufenthaltsstatus erhalten und unter menschenunwürdigen Bedingungen leben. Unmittelbar nach Veröffentlichung des Berichts zeigten sich die libanesischen Behörden noch zu keiner Stellungnahme bereit, berichtet „Al Jazeera“. (Joel Schmidt)

Rubriklistenbild: © Marwan Naamani/dpa

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