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Die Gorch Fock: Einst in tosender See unterwegs, heute aber vielleicht reif fürs Museum?

Gorch Fock

Von der Leyens Problemschiff

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Das Schicksal des 1958 gebauten Segelschulschiffs Gorch Fock ist ungewiss.

Der Festakt für die 60-Jahr-Feier in dieser Woche ist abgesagt worden: Die Jubilarin macht schließlich Probleme. Die Gorch Fock, das Schulsegelschiff der Bundeswehr, liegt seit zwei Jahren auf dem Trockenen. Der Reparaturbedarf ist größer als erwartet, die Kosten dafür sind explodiert. Nun kommt auch noch ein Korruptionsverdacht hinzu. 

Problemschiff statt Schulschiff also, und statt Jubelfeier gibt es ein Krisengespräch. An diesem Donnerstag treffen sich dazu Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen und Marine-Inspekteur Andreas Krause. Grünen-Verteidigungsexperte Tobias Lindner hat bereits angeregt, über ein Ende für die Gorch Fock nachzudenken. Solche Botschaften für die traditionsbewusste Marine soll es allerdings nicht geben, zumindest nicht so kurz vor Weihnachten. „Es geht in keiner Form darum, das Projekt stillzulegen“, sagt ein Ministeriumssprecher. Vielmehr wolle man sich eine Übersicht über den Stand der Dinge verschaffen, also darüber, „welche Arbeiten getan sind und welche Arbeiten noch nicht getan sind“. 

Das klingt allerdings schon ein wenig nach Abwägen. In Politik wie Bundeswehr herrscht Entsetzen über die Kostenexplosion. Zehn Millionen Euro und vier Monate waren ursprünglich für die Instandsetzung des 1958 vom Stapel gelassenen Schiffs geplant. Mittlerweile ist die Gorch Fock seit zwei Jahren außer Betrieb, und die Kosten werden auf 135 Millionen Euro geschätzt.

Ob das reicht und ob das Schiff wirklich, wie nun geplant, im kommenden Jahr wieder startklar ist, ist derzeit offen. Der Bund der Steuerzahler fordert forsch: Abwracken. „Die laufenden Sanierungsarbeiten müssen sofort abgebrochen und die Reste des Schiffs verwertet werden“, sagt der schleswig-holsteinische Landesgeschäftsführer, Rainer Kersten. „Es gibt allgemeines Unverständnis darüber, wie das passieren kann“, heißt es sogar im Militär. „Wo waren die Kontrollmechanismen?“

Als wäre das nicht genug, ist nun auch noch ein Korruptionsfall hinzugekommen. Die Staatsanwaltschaft prüft Vorwürfe gegen einen Mitarbeiter des Marinearsenals Wilhelmshaven, der sich bei seinen Vorgesetzten selbst der Vorteilsnahme bezichtigt hat. Er soll für die „technische Preisprüfung“ bei der Sanierung zuständig gewesen sein und vergünstigte Darlehen mindestens von einem großen Auftragnehmer erhalten haben. Ein Grund für die Kostensteigerung sei dieser Fall allerdings nicht, teilte die Werft mit, auf der die Gorch Fock repariert wird. Die Zuständigkeit des Mitarbeiters sei begrenzt gewesen. 

Vom Verteidigungsministerium gibt es bisher Durchhalteparolen. „Die Gorch Fock steht für eine große Tradition der Marine“, sagte von der Leyen. Sie hatte das Problem allerdings mit zu einem Weihnachtsbesuch bei der Bundeswehr in Afghanistan genommen. Es ist nicht ihr einziges: Inzwischen hat sich die Affäre um Beratungsleistungen für das Ministerium so zugespitzt, dass die Opposition einen Untersuchungsausschuss beantragt hat.

Die Besatzung der Gorch Fock, die derzeit auf anderen Schiffen eingesetzt wird, hofft weiter. Kommandant Nils Brandt sagt, man kämpfe „nicht aus nostalgischen Gründen oder Sentimentalität“ für das alte Schiff. Und er erzählt, die Absage des Festakts habe für Emotionen bei seinen Leuten gesorgt: „Die Besatzung war teilweise den Tränen nahe, weil wir alles vorbereitet hatten“, sagte Brandt. 

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