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„Letzter seines Volkes“: Tod eines Indigenen führt zu Aufschrei

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Von: Nils Tillmann

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Immer wieder kommt es in Brasilien zu Gewalt gegen indigene Völker. Nach jahrelangen Angriffen ist nun der einsame Überlebende eines unkontaktierten Volkes verstorben.

Brasilia – Der letzte Überlebende eines unkontaktierten indigenen Volkes in Brasilien wurde am Samstag tot aufgefunden. Der Todesfall führte zu Aufrufen, die indigene Bevölkerung des südamerikanischen Landes besser vor Gewalt zu schützen. Brasilianischen Behörden zufolge starb der Mann eines natürlichen Todes. Er hatte die letzten Jahre in völliger Isolation in einem Territorium im Norden des Landes gelebt. Der Rest seines Volkes war in einer Reihe von Angriffen, die in den 1970er Jahren begannen, getötet worden.

Der Name des Mannes oder seines Volkes sind nicht bekannt. Das Volk habe den Kontakt nach außen stets verweigert, wie die Menschenrechtsorganisation Survival International erklärt. Das indigene Tanaru-Territorium im Staat Rondônia, in dem der Mann gelebt hatte, sei inzwischen fast vollständig von Rinderfarmen umringt, beschreibt die Organisation weiter. Es handele sich bei der Region um eine der „gewalttätigsten und gefährlichsten“ des Landes. Survival International schreibt, der Verstorbene sei als „letzter seines Volkes“ bekannt gewesen.

Aktivist:innen des Guarani Volkes demonstrieren in São Paulo gegen Straflosigkeit bei Gewalt in indigenen Gebieten.
Aktivist:innen des Guarani Volkes demonstrieren in São Paulo gegen Straflosigkeit bei Gewalt in indigenen Gebieten. © Nelson Almeida/afp

Gewalt gegen Indigene hat unter Bolsonaro zugenommen

Der Todesfall wirft erneut ein Licht auf die anhaltende Gewalt gegen indigene Völker in Brasilien. Unter der Regierung des amtierenden rechten Präsidenten Jair Bolsonaro gab es wiederholt Berichte, dass gewalttätige Übergriffe gegen Indigene zugenommen haben. Bolsonaro hatte während seiner Amtszeit Schutzmaßnahmen für den Regenwald und indigene Territorien abgebaut. Fiona Watson, eine Forscherin für Survival International, sagte im Interview mit Al Jazeera, dass sich unter Bolsonaro ein Gefühl der Straflosigkeit verbreitet habe und Landräuber:innen sich ermutigt fühlen würden, Angriffe auf indigene Territorien auszuführen. Den jüngsten Todesfall bezeichnete sie als Symbol eines „versteckten und geheimen Genozids“.

Die Gewalt gegen indigene Völker ist nur eines von vielen Themen, die die brasilianische Gesellschaft zurzeit spalten. Bei den anstehenden Wahlen im Oktober muss sich Jair Bolsonaro gegen den Sozialdemokraten Luiz Inácio Lula da Silva behaupten. Lula liegt in den Prognosen derzeit vorne, doch inmitten eines erhitzten Wahlkampfes haben sich die Umfragewerte der beiden Kandidaten zuletzt angenähert. (nt)

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