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Durchsuchungen bei Mitgliedern der „Letzten Generation“ – Sprecherin Hinrichs: „Beängstigend“ und „absurd“

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Von: Christian Stör

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Carla Hinrichs Letzte Generation
Carla Hinrichs, Pressesprecherin der „Letzte Generation“. © Marlene Charlotte Limburg

Ermittler durchsuchen am Dienstag bundesweit Räume der Klima-Aktivisten der Gruppe „Letzte Generation“. Sprecherin Carla Hinrichs äußert sich zur Razzia.

Update vom Dienstag, 13. Dezember, 13.25 Uhr: Nach den Durchsuchungen bei den Klima-Aktivisten der „Letzten Generation“ hat sich Sprecherin Carla Hinrichs, deren Zuhause am Morgen ebenfalls durchsucht worden ist, auf Anfrage von IPPEN.MEDIA zu der Razzia geäußert. Sie selbst sei nicht daheim gewesen, so Hinrichs, aber ihre Eltern hätten ihr erzählt, wie ihr ganzes Zimmer durchsucht worden sei.

„Natürlich ist das beängstigend, aber ehrlich gesagt finde ich es primär absurd. Voraussetzung für den demokratischen Prozess ist die Möglichkeit, sich frei und öffentlich zu versammeln, sich als Gruppe zusammenzuschließen und auch Widerstand zu leisten.“ Die eigentliche Gefahr einer nie dagewesenen Klimakrise werde lieber unter den Tisch gekehrt. „Wir müssen uns die Frage stellen: Was ist hier eigentlich kriminell? Und uns dann gemeinsam dagegen auflehnen. Das bedeutet Widerstand zu leisten für unser Überleben. Ich werde mich nicht einschüchtern lassen.“

In einem Interview mit FR.de Anfang Dezember hatte Hinrichs davon gesprochen, dass sie auch bereit sei, für ihren Klima-Protest ins Gefängnis zu gehen. Die Vorstellung sei beängstigend. Eine viel größere Angst habe sie jedoch davor, dass sich die Menschen in Zukunft um Ressourcen wie Wasser streiten. Dann seien Kriege möglich, die in einer Katastrophe münden könnten.

Bundesweite Durchsuchungen bei Mitgliedern der „Letzten Generation“

Erstmeldung vom Dienstag, 13. Dezember: Neuruppin/Frankfurt - Ermittler haben am heutigen Dienstag bundesweit Räume der Klima-Aktivisten der Gruppe „Letzte Generation“ durchsucht. Dabei sind nach Angaben der Bewegung Laptops, Handys und Plakate beschlagnahmt worden. Die Behörden werfen der Klima-Gruppe demnach die „Bildung einer kriminellen Vereinigung“ vor.

Bundesweite Durchsuchungen bei Mitgliedern der „Letzten Generation“

Es gehe um elf Objekte im gesamten Bundesgebiet, sagte Staatsanwalt Cyrill Klement im brandenburgischen Neuruppin. Darunter sei ein Objekt in Brandenburg und keins in Berlin gewesen. Ermittelt werde gegen „etwas mehr als elf Personen“ wegen Störung öffentlicher Betriebe. Geprüft werde aber auch der Verdacht der Bildung einer kriminellen Vereinigung. Hintergrund sind laut Klement mehrere Attacken von Klimaaktivisten seit April auf Anlagen der Raffinerie PCK Schwedt. Dabei sei unter anderem die Ölzufuhr unterbrochen worden. In einigen Fällen sei es beim Versuch geblieben.

„Während der Staat durch fehlenden Klimaschutz unser Grundgesetz missachtet, durchsucht die Polizei die Wohnungen jener, die alles friedlich Mögliche versuchen, dies offen zu legen“, schrieben die Klima-Aktivisten in einem Statement. „Seit einem Jahr sehen wir Einschüchterungsversuche, Versuche unser Handeln zu unterbinden, Versuche uns mundtot zu machen. Wir wurden beschimpft, verurteilt, ins Gefängnis gesperrt. Mit den Ermittlungen wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung erreicht dies ein neues Niveau.“ Die Ermittlungen öffneten den Behörden jedes Tor, „uns zu überwachen“ und gerade diese Möglichkeiten seien meist das Ziel. „Aber ist es nicht absurd, dass hier gegen friedliche Menschen ermittelt wird, während die wahren Kriminellen sich Millionen Gewinne ausschütten und dieses Land in den Untergang schicken?“

„Letzte Generation“ ist ein Bündnis von Klima-Aktivisten

Die „Letzte Generation“ ist ein Bündnis von Klima-Aktivisten, das sich unter anderem gegen den Ausbau fossiler Energie-Infrastruktur und für eine Agrarwende einsetzt. Dafür gingen die Unterstützer auch auf die Straße, etwa in Frankfurt, Berlin oder Hamburg. Sie blockierten Autobahnen oder störten den Verkehr an Flughäfen. Gegründet hatte sich die Gruppe nach einem mehrwöchigen Hungerstreik vor der Bundestagswahl 2021. (cs/dpa)

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