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Lernen von der Kelly Family

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Von: Alisha Mendgen

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Chialo bekam die meisten Stimmen der Delegierten.
Chialo bekam die meisten Stimmen der Delegierten. © Imago

Musikmanager Joe Chialo, der einst den Grünen näherstand, ist nun der erste Schwarze im CDU-Vorstand.

Mit komplizierten Familienstrukturen kennt Joe Chialo sich aus. Immerhin ist unter seinem eigens gegründeten Musiklabel „Airforce 1 Music Group“ die Band The Kelly Family unter Vertrag. Die Kellys sind bekannt dafür, Zankereien auch mal in der Öffentlichkeit auszutragen. Diese Erfahrungen können dem 52-Jährigen nur helfen. Immerhin muss er sich künftig auch im CDU-Bundesvorstand durch politische Befindlichkeiten und Machtkämpfe manövrieren.

Der Berliner Musikmanager wurde am Samstag auf dem CDU-Parteitag in Hannover in den Bundesvorstand gewählt. Er bekam mit 83,14 Prozent die meisten Stimmen der Delegierten. Platz eins für den verheirateten Vater einer Tochter, der sich zunächst bei den Grünen verortet hatte. Er ist nun der einzige und der erste Schwarze im CDU-Bundesvorstand.

Bekannt wurde Chialo im Bundestagswahlkampf 2021. Unionskanzlerkandidat Armin Laschet hatte ihn in sein „Zukunftsteam“ berufen. Dort war er für die Themen Kunst und Kultur zuständig. Vom Berliner Landesverband wurde er zudem als Direktkandidat für den Wahlkreis Berlin-Spandau – Charlottenburg Nord aufgestellt. Zwar unterlag Chialo mit 23,5 Prozent seinem Gegenkandidaten der SPD, Helmut Kleebank, aber bekannter war er nun.

Chialo wuchs als Sohn einer tansanischen Diplomatenfamilie in Bonn auf. Später lebte er in einem katholischen Internat bei Köln. Aufgrund seiner christlichen Prägung und Werte, sei er 2016 in die CDU eingetreten, erzählte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ im vergangenen November. Sein politischer Weg hatte in den 90er Jahren bei den Grünen begonnen. Chialo gefiel der spätere Bundesaußenminister Joschka Fischer. Dass Teile der Partei nach dem Zerfall Jugoslawiens die Bundeswehreinsätze auf dem Balkan ablehnten, bewegte ihn dann allerdings wieder zum Austritt.

Die große Unterstützung der Delegierten zeigt, dass die Partei offenkundig diverser werden will. Chialo will nicht auf seine Hautfarbe reduziert werden. „Ich will nicht der Quotenschwarze sein“, sagte er der „FAZ“. Er habe sogar ein Problem mit Quoten, ließ er die „taz“ wissen. „Ich verstehe die Mechanik, und ich verstehe, dass man Probleme, die sich über eine lange Zeit nicht lösen ließen, so endlich mal vorantreiben will“, betonte Chialo. „Aber ich glaube, dass man sich dadurch wieder neue Probleme schafft.“

Nun hat er die Chance, die Richtung der CDU mitzugestalten, besonders in Sachen Kreativwirtschaft. Neben seinem Job als Musikmanager war er sogar selbst mal Sänger einer Band. Blue Manner Haze hieß die Formation. Einer ihrer Titel: „By Any Means“ – mit egal welchen Mitteln.

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