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FR vom 13. September 2001

Leitartikel: Die Kriegserklärung

Das Armageddon in Manhattan ist der grausame Beweis dafür, dass die USA sich nicht politisch aus der Welt zurückziehen können. Von Jochen Siemens.

Er finde keine Worte, würgte ein Reporter mit erstickter Stimme in die Bilder einer Kriegszone auf dem südlichen Manhattan. Die schlimmsten Visionen apokalyptischer Science-Fiction-Filme sind in New York Realität geworden. Und zwar weit unterhalb aller zukünftigen Raketenschirme, die solche terroristischen Desaster für alle Zeit verhindern sollten. Der 11. September 2001 wird fast sechzig Jahre nach dem japanischen Überfall auf Pearl Harbour 1941 als eine weitere Kriegserklärung gegen die Supermacht USA in die Geschichte eingehen.

Die Kriegserklärung 2001 trägt alle Merkmale einer Zeit, in der Terrorismus zur weltweit alltäglichen Form der Gewalt geworden ist. Einer Gewalt, die nicht fragt, wer die Opfer sind, einer Gewalt, die auf irrsinnige Weise total geworden ist. Japan glaubte vor sechzig Jahren, mit seinem Angriff auf ein militärisches Ziel den Grundstein für einen Kriegsgewinn zu legen. Die beispiellose Terrorwelle des 11. September trifft alle Symbole, die Macht und Größe der USA des Jahrs 2001 ausmachen. Die schlanken, himmelstürmenden Türme des Welthandelszentrums symbolisierten nicht nur US-amerikanische Wirtschaftsmacht, sie galten inmitten des Wirtschaftszentrums Manhattan als der Knotenpunkt von Handels- und Geldströmen.

Das Pentagon ist seit Jahrzehnten der Inbegriff einer militärischen Schaltzentrale. Von hier haben die USA Kriege geführt, komplexe militärische Operationen gesteuert und gezielte Schläge auf reale oder vermeintliche terroristische Ziele rund um den Globus ausgeführt. In einer grauenvollen Stunde sind nun diese Symbole ganz oder teilweise zusammengebrochen. Getroffen von zivilen Flugzeugen, die vermutlich samt allen Insassen und gefüllten Tanks als Bomben in die verhassten Symbole US-amerikanischer, ja westlicher Macht einschlugen.

Das Armageddon in Manhattan, das brennende Pentagon, es sind wie vor sechzig Jahren die "Arizona" in Pearl Harbour der grausame Beweis dafür, dass Nordamerika zwar ein von Meeren umgebener Kontinent ist, aber eben auch Teil dieser Welt. Und aus dieser kann man sich politisch nicht zurückziehen und die Entwicklungen im Nahen Osten treiben lassen, wie dies in diesem Jahr geschehen ist.

Dieser Angriff auf die USA ist freilich mehr als eine offenbar lang und perfekt geplante Terrorattacke, wie sie aus der Verzweiflung eines unterdrückten und gepeinigten Volkes erwachsen kann. Sie trägt vielmehr alle Züge einer Hass-Attacke auf Symbole westlicher Macht, und nährt Vermutungen, es handele sich um einen religiös-fanatischen Hintergrund.

Die Folgen dieses 11. September werden ebenso gravierend wie unüberschaubar sein. Die westliche und Weltwirtschaft erhalten zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt einen schweren, vor allem psychologischen Schlag. Die Zivilbevölkerung rund um den Globus, insbesondere in der westlichen Welt, lebt bewusster denn je im Gefühl allgegenwärtiger terroristischer Gewalt. Die USA werden militärisch reagieren. Ein Straffeldzug, und wenn er um den halben Globus geführt werden muss, erscheint wahrscheinlich. Rüstungsprogramme werden hochgefahren werden. Die Welt wird kälter, kriegerischer werden.

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