Leipzig Krawalle Demo Polizei
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Demonstrierende in Leipzig hatten sich vermummt, auch Pyrotechnik wurde gezündet.

Connewitz

Ausschreitungen in Leipzig: Erneut gewaltsame Proteste - Barrikaden und Festnahmen

  • Lukas Rogalla
    vonLukas Rogalla
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In Leipzig kam es in der dritten Nacht in Folge zu Krawallen. Steine flogen, es kam zu Festnahmen. Auslöser waren Hausbesetzungen gegen Wohnungsmangel.

  • In Leipzig hat es in der dritten Nacht in Folge Krawalle gegeben.
  • Steine flogen auf Neubauten, Polizei und Demonstrierende gerieten aneinander.
  • Von Politikern gibt es für die Randalierer deutliche Kritik.

Update vom Sonntag, 06.09.2020, 06.30 Uhr: An der von der Polizei aufgelösten Demonstration in Leipzig-Connewitz, die unter dem Motto „Kämpfe verbinden - Für eine solidarische Nachbar*innenschaft“ stattfand, sollen sich bis zu 500 Menschen nach Polizeiangaben beteiligt haben. Sie richtete sich gegen überteuerten Wohnraum und die Räumung eines besetzten Hauses, es kam zu Festnahmen. Im Anschluss kam es zu weiteren Spontandemonstrationen.

Gegen 15 Teilnehmer der abendlichen Kundgebungen wurden nach Polizeiangaben Ermittlungsverfahren wegen Landfriedensbruch, Sachbeschädigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte eröffnet. Während des Einsatzes sei der Pilot eines Polizeihubschraubers mit einem Laser geblendet worden, sodass auch wegen gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr ermittelt werde.  

Leipzig-Connewitz: Spontanversammlung gegen Festnahmen

Kurz vor Mitternacht gab es laut Polizei zwei Spontanversammlung gegen die Festnahme von Demonstranten mit jeweils etwa 30 Teilnehmern. Aus Leipzig-Lindenau sei gemeldet worden, dass auf dem umzäunten Gelände des Polizeiverwaltungsamts ein Streifenwagen brenne.

Gegen 1.30 Uhr hielten mehrere Menschen eine Straßenbahn an und besprühten sie mit Graffiti. Sie bauten Barrikaden und zündeten Mülltonnen und einen Einkaufswagen an. Die etwa 150 Beteiligten hätten sich nach der Ankunft der Einsatzkräfte in die anliegenden Seitenstraßen zurückgezogen, erklärte die Polizei.

Der Polizeihubschrauber war bis in die frühen Morgenstunden in der Luft, um Live-Bilder von dem Bau von Barrikaden an verschiedenen Plätzen in Leipzig-Connewitz sowie von Bränden und Störungen des Straßenverkehrs zu liefern.

Erste Proteste in Leipzig-Connewitz bereits am Donnerstag

+++ 21.59 Uhr: In Leipzig hat sich am Samstag die dritte Krawall-Nacht in Folge ereignet. Wie die Deutsche Presseagentur berichtet, kam es bei einer angekündigten Demonstration schon nach wenigen hundert Metern zu ersten Ausschreitungen. Demnach flogen Steine auf Neubauten, die Polizei löste daraufhin die Demonstration auf. Mehrere Personen wurden in Gewahrsam genommen.

Bereits am Donnerstag war es nach einer Demonstration zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstrierenden gekommen. Auch am Freitag hatten sich diese Auseinandersetzungen fortgesetzt. Entzündet hatte sich der aktuelle Protest an geräumten Hausbesetzungen. Mit den Besetzungen sollte auf die zunehmende Wohnungsnot in Leipzig hingewiesen werden. Allein im Jahr 2019 sind rund 34.000 Einwohner neu in der sächsischen Stadt gemeldet worden.

Dritte Demo-Nacht in Folge in Leipzig angekündigt

+++ 16.21 Uhr: Nach Ausschreitungen an zwei Abenden in Folge in Leipzig gibt es kritische Reaktionen aus der Politik. Mehrere hundert Demonstranten protestierten gegen die Räumung von besetzten Häusern und für bezahlbaren Wohnraum. Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) verurteilte die gewaltsamen Szenen „aufs Schärfste“. Man schaffe keinen Wohnraum, indem Polizisten angegriffen und Barrikaden angezündet werden, erklärte Jung am Samstag. Die Debatte um das Thema habe damit einen schweren Rückschlag erlitten.

Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) und der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Union im Bundestag, Thorsten Frei, forderten härtere Strafen für Gewalt gegen Polizisten. „Insbesondere gezielte Angriffe auf Polizeibeamte haben ein unerträgliches Ausmaß erreicht und sind nicht hinnehmbar“, teilte Wöller mit. Das Mindeststrafmaß für tätliche Angriffe auf Polizisten solle von drei auf sechs Monate angehoben werden. Frei forderte die Gesellschaft zudem auf, sich schützend vor die Polizei zu stellen.

Im Leipziger Stadtteil Connewitz kam es zu Ausschreitungen gegen die Polizei.

Ausschreitungen in Leipzig: Politik verurteilt Gewalt in Connewitz

Die Grünen übten ebenfalls Kritik an den Ausschreitungen in Leipzig. Gewalt sei keine Lösung und kontraproduktiv, schrieb Bundestagsabgeordnete Monika Lazar auf Twitter. Dennoch müsse man sich mit den Zielen und Anlässen der Demonstration befassen. Leerstehende Häuser dürften keine Objekte zur Spekulation sein.

Für Samstagabend bereitet sich die Polizei auf eine weitere Demonstration in Connewitz vor. 100 Teilnehmer wurden laut Angaben der Stadt Leipzig angekündigt.

Leipzig: Ausschreitungen in Connewitz sorgen für Entsetzen

Erstmeldung vom Samstag, 05.09.2020, 12.02 Uhr: Leipzig - In Leipzig ist am Freitagabend (04.09.2020) eine Demonstration im Stadtteil Connewitz eskaliert. Bei den Ausschreitungen wurden Einsatzkräfte und -fahrzeuge der Polizei angegriffen. Anlass der Demo war die Räumung von besetzten Häusern in Connewitz und im Osten der Stadt.

Gegen 21 Uhr versammelten sich linke Demonstranten zu dem spontanen Protest, der nicht angemeldet war. Wie die dpa berichtet, sollen die meisten Teilnehmenden komplett in schwarz gekleidet und vermummt gewesen sein. Nach etwa zehn Minuten soll sich die Demo „schlagartig in Bewegung“ gesetzt haben, teilt die Polizei mit. Pflaster- und Ziegelsteine sowie Flaschen wurden auf die Polizisten geworfen. Die Sicherheitsbehörden sprechen von „250 gewaltbereiten Akteuren“, die an den Ausschreitungen beteiligt waren.

Ausschreitungen in Leipzig: Demonstration gegen Hausräumung in Connewitz eskaliert

„Es gab einen massiven Steinbewurf auf unsere Einsatzkräfte und Fahrzeuge“, so die Polizeisprecherin Dorothea Benndorf zu den Ausschreitungen in Leipzig. Acht Polizisten seien verletzt worden, einer von ihnen schwer. Der Beamte soll getroffen und noch am Boden liegend attackiert worden sein. Laut „ZDF" wird wegen versuchten Mordes ermittelt. Festnahmen gab es am Freitagabend in Connewitz keine.

Bei den Ausschreitungen flogen zudem Raketen und Böller in Richtung der Polizei. Vereinzelt wurden Barrikaden aus Mülltonnen errichtet und angezündet. Eine Polizeiwache wurde mit Farbbeuteln beschädigt. An einer Haltestelle der Straßenbahn wurden Scheiben zerstört, berichtet die „Leipziger Volkszeitung". Bei einem Auffahrunfall zweier Einsatzfahrzeuge gab es höhnischen Beifall von den Demonstranten.

Ausschreitungen in Leipzig: Connewitz gilt als linksalternativer Stadtteil

Anlass der Demonstration war die Räumung von mehreren besetzten Häusern in Leipzig. Am Mittwoch wurde eine Hausbesetzung im Stadtteil Neustadt-Neuschönefeld durch die Polizei beendet. Auch hier kam es bereits am Donnerstag zu Ausschreitungen, bei denen 22 Leute verhaftet wurden. Am Freitag wurde in Connewitz eine erneute Hausbesetzung gemeldet, bei der die Polizei im Einsatz war.

Ausschreitungen in Connewitz: Weitere Demonstrationen in Leipzig angekündigt

Etwa eine Dreiviertelstunde dauerten die Ausschreitungen in Leipzig an, bis sich die Lage wieder beruhigte. Mehrere kleine Brände mussten von der Feuerwehr gelöscht werden. Anwohner halfen teilweise, die Barrikaden von den Straßen zu entfernen. Einige von ihnen sollen den Randalierern zugerufen haben, dass sie aus Connewitz verschwinden sollen.

Connewitz gilt als linksalternativ geprägter Stadtteil von Leipzig, in dem es immer wieder zu Ausschreitungen kommt. Bis Sonntag sind weitere Demonstrationen gegen den Kapitalismus und Gentrifizierung angekündigt. (lrg/dpa)

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