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Gute Wahlkämpferin: Die US-Demokratin unterlag bei den Gouverneurswahlen in Georgia nur knapp.

Stacey Abrams

Leidenschaftlich links

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Stacey Abrams antwortet auf Trumps Rede zur Nation – ein Porträt.

Es gibt nur wenige Momente in der amerikanischen Politik, in der die Aufmerksamkeit des gesamten Landes so stark auf den Kongress gerichtet ist wie bei der „State of the Union address“. Die Rede an die Nation ist eine besondere Gelegenheit für den Präsidenten, um für seinen Kurs zu werben. Aber auch der Opposition bietet sich eine Chance: Dem Politiker, der die Antwort auf den Regierungschef liefert, ist ebenfalls eine herausgehobene Rolle sicher.

Auf Wunsch von Oppositionsführer Chuck Schumer wird Stacey Abrams am Dienstag auf den Auftritt des Präsidenten reagieren. Die Afroamerikanerin zählt zum linken Flügel der Demokratischen Partei und gilt als überaus wahlkampferfahren: Im November scheiterte sie bei der Gouverneurswahl in Georgia an dem republikanischen Kandidaten nur um Haaresbreite. Zuvor war sie über viele Jahre als Abgeordnete im Repräsentantenhaus ihres Heimatstaates tätig. Kaum jemand hatte zunächst damit gerechnet, dass Abrams ausgerechnet in dem Bundesstaat so weit nach vorn preschen würde, in dem das düstere Erbe des Südens noch so lange Schatten wirft. Doch Abrams propagierte so leidenschaftlich ein anderes gesellschaftliches Bild, dass ihr überraschend viele Herzen zuflogen.

Aufgewachsen mit sechs Geschwistern in bescheidenen Verhältnissen, hatte sie an der renommierten Yale Universität studiert. Sie arbeitete als Geschäftsfrau und schrieb fantasievolle Romane, bevor sie schließlich zur Politik fand.

Der Wahlkampf im vergangenen Jahr war nicht die erste Gelegenheit, bei dem sie ihren festen Willen unter Beweis stellte. Mit ihren Forderungen nach einer allgemeinen Krankenversicherung, höheren Mindestlöhnen, einer Reform des Strafrechts und ihrer demonstrativen Nähe zu den homosexuellen Interessenverbänden zählt Abrams zu den vielen Jungstars, die die Demokratische Partei – für amerikanische Verhältnisse – weiter nach links ziehen.

Mit Blick auf die Präsidentschaftswahlen 2020 gilt die Auswahl der Rednerin in Washington als klares Signal: Im parteiinternen Ringen der Demokratischen Partei dominiert zurzeit das Lager, das die Wahlentscheidung weniger in der Mitte der amerikanischen Gesellschaft sucht, sondern eher im linken Flügel. Als ihre bekanntesten Vertreterinnen gelten die Senatorin Elizabeth Warren und die Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez, die beide eine Nähe zum Senator Bernie Sanders pflegen, der sich seit Jahren von der Führung der Demokraten abgrenzt und 2016 an Hillary Clinton gescheitert war.

Abrams ist zurzeit nicht im Kongress vertreten, strebt 2020 aber einen Senatssitz an, um ihren Bundesstaat Georgia in Washington zu vertreten. Ob ihr der Sprung in die oberste Parlamentskammer gelingt, ist noch nicht abzusehen. Oppositionsführer Schumer betont in diesen Tagen jedoch mehrfach, dass „Abrams eine Führungsrolle sicher ist“.

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