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Körperkult: Zerrbild der perfekten Maschine
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Körperkult: Zerrbild der perfekten Maschine

Männergesundheit

Leiden und lernen

  • Tim Szent-Ivanyi
    VonTim Szent-Ivanyi
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Forscher und Politiker entdecken das Thema Männergesundheit. Doch wie kann ihre Lage verbessert werden? Ein Kongress liefert erste Antworten.

Forscher und Politiker entdecken das Thema Männergesundheit. Doch wie kann ihre Lage verbessert werden? Ein Kongress liefert erste Antworten.

Irgendetwas müssen Männer falsch machen. Ihr Leben ist im Schnitt fünf Jahre kürzer als das der Frauen, obwohl es dafür keine biologischen Gründe gibt. Schließlich haben Studien gezeigt, dass Mönche eine ähnlich hohe Lebenserwartung wie Nonnen haben. Woran liegt es also, dass die meisten Männer früher sterben? Und wie kann man das ändern?

Grund genug für das Bundesgesundheitsministerium, den ersten Männergesundheitskongress zu veranstalten. Tatsächlich steht es nicht gut um den Mann und seine Gesundheit: Männer rauchen und trinken mehr als Frauen, sie ernähren sich schlechter, gehen höhere Risiken ein und weigern sich dann auch noch, zur Vorsorge oder wenigstens rechtzeitig zum Arzt zu gehen.

Männer merken nicht mal, dass etwas nicht stimmt.

Die Folgen sind unübersehbar. Männer leiden stärker als Frauen an Herz-Kreislauferkrankungen, sie sterben häufiger an Lungenkrebs, erleiden mehr tödliche Unfälle und bringen sich öfter um. Das Schlimme daran: Die Männer merken nicht einmal, dass etwas nicht stimmt. Bei Umfragen geben stets deutlich mehr Männer als Frauen an, sich gesund zu fühlen.

Sind Männer also realitätsverweigernde, beratungsresistente Gesundheitsidioten, die an ihrem Schicksal selbst schuld sind? Nein, sagt der Medizinhistoriker Martin Dinges. Der Mann leide vielmehr unter dem historisch gewachsenen Bild einer perfekten Maschine, die zu funktionieren habe. Dinges verweist darauf, dass sich die Lebenserwartung von Mann und Frau erst seit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert auseinander entwickelt hat.

Dinges führt das unter anderem darauf zurück, dass Männer seitdem als Hauptversorger der Familie stärker durch ihren Beruf belastet werden. Gleichzeitig sei die Gesundheitsversorgung auf die Belange der Frauen konzentriert worden. „Männer wurden von der Gesellschaft weniger gesundheitsbewusst gemacht“, so seine These.

Doch wie kann die Lage der Männer verbessert werden? Jedenfalls nicht durch eine unkritische Ausweitung von Vorsorgeuntersuchungen, sagt der Urologe und Männerforscher Theodor Klotz und erinnert daran, dass etwa die Früherkennung von Prostata-Krebs unzuverlässig und risikoreich ist. Für ihn liegt der Schlüssel nicht nur in einer Verhaltensänderung der Männer, sondern auch in einem Umdenken in der Gesellschaft: Der Mann muss geschont werden.

Auf dem Kongress waren übrigens die Frauen in der Mehrheit. Kein Wunder, meint Elisabeth Pott, Chefin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Gerade den Frauen liege die Gesundheit der Männer am Herzen: „Wenn Ehemänner früher sterben, bricht für die Frauen eine harte Zeit an.“

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