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Imam Taha Sabri aus Berlin-Neukölln (Archivbild)

Antisemitismus

Lehrer fordern Hilfe gegen religiöses Mobbing

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Ein Imam berichtet von indoktrinierten Kindern, der Zentralrat der Juden sieht die Politik in der Pflicht.

In der Debatte über Antisemitismus an Schulen wird der Ruf nach einer besseren Unterstützung für Lehrer und mehr Verantwortung muslimischer Verbände laut. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sieht Schulen nicht ausreichend darauf vorbereitet, mit unterschiedlichen Kulturen umzugehen. „Wir haben viel zu wenig Zeit, um das, was Beziehung ausmacht, in der Schule fördern zu können und so auch näher an die Schüler heranzukommen“, sagte die baden-württembergische Landesvorsitzende Doro Moritz am Mittwoch im Südwestrundfunk.

Anlass für die aktuelle Debatte über Antisemitismus war ein Fall an einer Grundschule in Berlin-Tempelhof: Der Vater einer Zweitklässlerin jüdischen Glaubens hatte berichtet, dass muslimische Mitschüler seine Tochter beschimpft und bedroht hätten, „weil sie nicht an Allah glaubt“. Nun steht die Frage im Raum, wie verbreitet religiöse Intoleranz in Schulen ist.

Der Generalsekretär der Kurdischen Gemeinde Deutschland, Cahit Basar, sagte, dass es sich nicht um Einzelfälle handele. „Wer dies so darzustellen versucht, handelt grob fahrlässig, redet eine reelle Gefahr klein und gefährdet damit Menschenleben.“ Der Nahostkonflikt und „religiöse Indoktrinierung“ trügen nun „ihre Früchte und den Hass“ auf deutsche Schulhöfe.

Islamexperten sagen ebenfalls, Mobbing aus religiösen Gründen nehme zu. Das sieht auch der Imam Taha Sabri aus Berlin-Neukölln so. Nicht nur in Schulen und Jugendgruppen, auch in Kindergärten, sagt er, würden Kinder sich weigern mit anderen zu spielen, weil die nicht gläubig seien, weil die zum Beispiel Schweinefleisch essen. „Das ist schrecklich. Das ist ein Fehlverhalten von Kindern“, sagt Sabri. Sie würden ihr Gegenüber zuerst in Schubladen wie guter Muslim, böser Ungläubiger sortieren, bevor sie sich mit dem Menschen auseinander setzen. Sabri bemerkt schon seit einiger Zeit diese Radikalisierungen.

Er sieht die Ursache dafür in der Verbreitung von radikalem Gedankengut via Internet. Früher hätten Audiokassetten radikaler Prediger in der Bevölkerung kursiert. Später erreichten die radikalen Botschaften muslimische Familien in Deutschland über das Satelliten-TV. In beiden Fällen sei über die Botschaften aber in den Familien und im Freundeskreis kontrovers diskutiert worden. Jetzt kommunizierten die Menschen mit den Radikalen allein. Kinder transportieren das Ergebnis dann in Kitas und Schulen. Radikal-religiös aufgeladen, nennt Sabri diese Kinder. Er sieht darin ein globales Problem.

Berliner Imame könnten aber etwas dagegen tun, meint Sabri. Jeder Imam sei ein Vorbild und er habe wie früher der Pfarrer einer christlichen Gemeinde nicht nur direkten Kontakt zu den Familien, sondern auch großen Einfluss.

Der Zentralrat der Muslime, dessen Mitglied Sabri ist, hatte bereits am Mittwoch vorgeschlagen, Imame in die Schulklassen zu schicken, am besten gemeinsam mit Rabbinern. Sabri hält das für einen sehr guten Vorschlag und auch für mehr als nur eine symbolische Aktion. „Dieses Bild von einem Imam und einem Rabbiner, die gemeinsam reden und lachen, prägt sich ein. Das Kind sieht, der Imam hat kein Problem mit einem Juden, das Bild schafft mehr, als zu dem Kind zu sagen, was es machen und nicht machen darf“, ist sich Sabri sicher.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, mahnte zusätzliche Unterstützung für Schulen an. Er sagte der „Passauer Neuen Presse“, dass Lehrer mit religiösem Mobbing und Antisemitismus überfordert seien – „weil wir das bisher so nicht kannten“. Die Kultusminister müssten dieses Problem rasch in der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften aufgreifen.

Schuster sagte zudem, er sorge sich, „dass eine neue Generation von Antisemiten in Deutschland heranwächst“. Die Zuwanderung von Muslimen sei ein Hauptgrund. Er sprach von einer „neuen und erschreckenden Dimension“ von Vorfällen.

Aus der Politik werden Forderungen nach mehr Prävention und einer Null-Tolleranz-Strategie laut. Während der religionspolitische Sprecher der Grünen, Konstantin von Notz, für „sehr viel mehr Angebote, die präventiv gegen religiöses Mobbing jedweder Art wirken“, wirbt, gibt sich CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt radikaler. Er sagt: „Wir brauchen endlich eine Null-Toleranz-Strategie gegen den Schulhof-Islamismus – mit maximaler Konsequenz bei Religionsmobbing bis hin zum Schulverweis, zusätzlichen Kräften zur Unterstützung unserer Lehrer und einer konsequenten Vermittlung unserer Leitkultur im Unterricht.“ (mit kna)

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