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Arbeiterprotest in Dhaka nach dem tödlichen Brand in der Textilfabrik.
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Arbeiterprotest in Dhaka nach dem tödlichen Brand in der Textilfabrik.

Bangladesch

Lebensgefährliche Arbeitsbedingungen

  • Willi Germund
    VonWilli Germund
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Die Beschäftigten in Bangladesch begehren auf – zumindest kurzzeitig

Unablässig surren die Nähmaschinen in der Fabriketage von „Tropical Sweaters“, einer eher kleinen Fabrik in Mirpur, einem Stadtteil von Bangladeschs Hauptstadt Dhaka. Auf dem Boden stapeln sich Pullover mit Euro-Zeichen. Sperrige Kartons stehen in den Gassen zwischen den langen Reihen von Nähmaschinen. Im Fall eines Feuers wird kaum eine der Frauen, die sich über die Kleidungsstücke beugen, rasch den Weg nach draußen finden. „Tropical Sweater“ ist nur eine der 4?500 Textilfabriken in Bangladesch – und bei weitem nicht die schlimmste. Dorthin werden Journalisten gar nicht erst vorgelassen.

Gegen die oft unsäglichen Arbeitsbedingungen sind am Montag tausende Textilarbeiter in dem asiatischen Land auf die Straße gegangen. Anlass der zornigen Demonstrationen, bei der es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei kam, war der Großbrand in der achtstöckigen Fabrik von Tazreen Fashion in der Nacht zum Sonntag. Dabei waren lokalen Medien zufolge mindestens 124 Menschen gestorben. Gleich am Montag gab es den nächsten Feueralarm in einer Bekleidungsfabrik: In Uttara, einem Stadtteil von Dhaka, standen die Produktionsräume in der dritten Etage eines zwölfstöckigen Gebäudes in Flammen. Diesmal gelang es der Feuerwehr, den Brand rasch unter Kontrolle zu bringen. Ersten Erkenntnissen zufolge konnten sich alle Arbeiter retten.

Notausgang in Flammen

Das war bei dem – vermutlich durch einen Kurzschluss im Erdgeschoss ausgelösten – Großbrand in der Nacht zum Sonntag anders. Dort waren mehrere hundert Beschäftigte in den oberen Etagen des neunstöckigen Gebäudes eingeschlossen. „Wenn es nur einzigen Notausgang gegeben hätte, der nach draußen geführt hätte, wäre die Zahl der Toten sehr viel niedriger gewesen“, sagte Major Mohammad Mahbub, der Direktor von Dhakas Feuerwehr. Stattdessen hatte die Fabrikleitung drei Notausgänge gekennzeichnet, die genau durch das in Flammen stehende Erdgeschoss führten.

Die demonstrierenden Arbeiter forderten am Montag, dass die Verantwortlichen zur Verantwortung gezogen werden. Allerdings war weder am Sonntag noch am Montag ein Manager von Tazreen Fashion oder deren Muttergesellschaft Tuba Group erreichbar. Auf ihrer Internetseite brüstet sich Tazreen Fashion mit der Behauptung, ein Fünftel der 1?500 Arbeitnehmer seien in Brandschutz und erster Hilfe ausgebildet. Zugleich berichten US-Medien, dass die US-Supermarktkette Walmart den Textilproduzenten bereits zweimal wegen schlechter Sicherheitsvorkehrungen verwarnt hatte. Auch die Gewerkschaften des Landes weisen seit langem auf die lebensgefährlichen Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie Bangladeschs hin. Allerdings dringen sie mit ihrer Kritik nur schwer durch. Denn den Textilunternehmern gehören Zeitungen und Fernsehsender, mit denen sie die öffentliche Meinung manipulieren. Die Regierung richtete eine „Industriepolizei“ ein, die nur im Fall von Arbeitskonflikten in der für das Land wirtschaftlich extrem wichtigen Textilindustrie eingesetzt wird. Kritiker der Premierministerin Sheikh Hasina sprechen von einer „Textildiktatur“.

Lohn: 30 bis 90 Euro im Monat

Die Regierung hat den Dienstag zum offiziellen Trauertag erklärt, sämtliche Textilfabriken sollen geschlossen bleiben. Der Verband der Textilproduzenten in Dhaka will den Angehörigen der Todesopfer eine Entschädigung von umgerechnet knapp ?1?000 Euro zu zahlen. Das erscheint angesichts der monatlichen Löhne relativ hoch. Bei umgerechnet 30?Euro liegt der Mindestlohn in der Textilbranche, gezahlt werden nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit im Durchschnitt pro Monat zwischen 30 bis 90 Euro. Dafür arbeiten die Frauen – 90 Prozent der Beschäftigten sind weiblich – sechs Tage die Woche, jeweils 10 bis 14 Stunden am Tag.

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