HINTERGRUND

Ein Leben für Palästina

1956: Im israelisch-arabischen Krieg kämpft er als Reserveoffizier auf ägyptischer Seite.

1956: Im israelisch-arabischen Krieg kämpft er als Reserveoffizier auf ägyptischer Seite.

1969: Chef der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO, eines fünf Jahre zuvor gegründeten Dachverbands von mehreren palästinensischen Gruppen. Zunächst verbreitete die PLO durch Anschläge Schrecken und Furcht, erzielte mit Terrorattacken aber gleichzeitig auch weltweite Aufmerksamkeit. In den 90er Jahren entwickelte sich die Organisation mit Arafat zu einem international durchaus anerkannten Verhandlungspartner für eine friedliche Lösung im Nahen Osten.

Wichtigste Teilorganisation der PLO ist die in den 50er Jahren gegründete Fatah ("Sieg"). Unter Arafat, der zu ihren Begründern gehörte, wurde sie zur stärksten Palästinenserorganisation. Der Fatah zugeordnet werden die Al-Aksa-Märtyrer-Brigaden, die seit Beginn der zweiten Intifada im September 2000 zahlreiche Anschläge verübt haben. Außerhalb der Kontrolle Arafats operieren die radikal-islamischen Organisationen Hamas und Dschihad, die eine Verhandlungslösung mit Israel ablehnen.

1974: Arabische Staaten erkennen die PLO als einzige Vertreterin der Palästinenser an. Arafat spricht erstmals vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen über den Palästina-Konflikt.

1982: Arafat muss nach dem israelischen Einmarsch in Libanon nach Tunesien umsiedeln.

1988: Ein Jahr nach Beginn des ersten Palästinenseraufstandes (Intifada) ruft er in Algier den Staat Palästina aus und erkennt das Existenzrecht Israels an.

1993: Er besiegelt mit Israels Regierungschef Yitzhak Rabin und US-Präsident Bill Clinton das erste Autonomieabkommen.

1994: Friedensnobelpreis zusammen mit Rabin und dem israelischen Außenminister Schimon Peres. Rückkehr nach 27 Jahren in die palästinensische Heimat seiner Eltern.

1996: Fast 90 Prozent der Palästinenser wählen ihn zum Präsidenten der Autonomiebehörde.

2000: In Camp David scheitert ein Versuch Clintons, Arafat und den israelischen Regierungschef Ehud Barak zu einem Friedensvertrag zu bewegen. Der Besuch des späteren Barak-Nachfolgers Ariel Scharon auf dem Tempelberg löst die zweite Intifada aus.

2001: Israel bricht den Kontakt zu Arafat ab und stellt ihn in seinem Hauptquartier in Ramallah faktisch unter Hausarrest.

2002: Scharon erklärt ihn zum "Feind Israels". Arafat bezeichnet die Anschläge palästinensischer Selbstmordattentäter erstmals als Terrorakte. Ende des Jahres akzeptiert er "prinzipiell" einen von den USA vorgelegten "Zeitplan für einen umfassenden Frieden im Nahen Osten".

2003: Mahmoud Abbas wird unter Arafat der erste Ministerpräsident der Autonomiebehörde. Fünf Monate später benennt der Präsident Ahmed Kureia zum Nachfolger von Abbas.

2004: Scharon droht Arafat mit gezielter Tötung, nachdem Israel Hamas-Gründer Scheich Ahmed Yassin und dessen Nachfolger Abdel Asis Rantisi liquidiert hatte.

23. Oktober 2004: Tunesische und ägyptische Ärzte untersuchen zunächst den 75 Jahre alten Arafat in Ramallah. Wenige Tage später fliegt man ihn nach Paris, wo er bis zu seinem Tod in einem Militärhospital behandelt wird. Israel hatte seine Ausreise zur ärztlichen Behandlung erlaubt.

11. November 2004: Arafat stirbt in dem Militärhospital. Einen Nachfolger hat er nicht benannt. Nach der Verfassung muss nach 60 Tagen in Wahlen ein neues Oberhaupt bestimmt sein. Für eine Übergangszeit übernimmt Parlamentspräsident Rauhi Fattu die Amtsgeschäfte. dpa

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