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Hat angeblich Geschirr für 500 000 Euro geordert: Präsidentengattin Brigitte Macron.

Frankreich

Leben wie die Macrons

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Emmanuel Macron und seine Frau kommen wegen angeblicher Luxusausgaben an den Pranger.

In Frankreich geht ein Verdacht um. Ein Verdacht, der für den Präsidenten fatale Folgen haben könnte. Denn wie die Geschichte lehrt: Je königlicher sich der Herrscher im Elysée gibt, desto revolutionärer wallt es im Volk. Die Wahlguillotine ist in Paris nie weit. Der Verdacht also lautet: Macron I. frönt wie seine erlauchten Vorfahren in Versailles dem schnöden Luxus. Kann das sein?

Fakt Nummer eins: Brigitte Macron hat beschlossen, das feine Tafelgeschirr im Elysée-Palast rauszuwerfen und durch 1200 Teller und Schalen aus der illustren Sèvres-Porzellanmanufaktur zu ersetzen. Kostenpunkt: etwa 50 000 Euro.

Fakt Nummer zwei: Die Macrons wollen im Fort de Brégançon, der präsidialen Sommerresidenz westlich von Saint-Tropez (Côte d’Azur), für sich allein einen Swimmingpool errichten lassen. Kostenpunkt: 34 000 Euro.

Fakt Nummer drei: Für seine Reise vom westfranzösischen Städtchen Roche-sur-Yon ins 90 Kilometer entfernte Rochefort benutzte der Staatspräsident einen Falcon-Privatjet, obwohl seine Entourage mit einer Fahrzeug-Eskorte fast gleich schnell  war. Kostenpunkt: 3000 Euro.

Nun ließe sich einwenden, diese Ausgaben seien doch gar nicht so extravagant. Das Tischgeschirr des Elysée-Palastes ist buchstäblich ein tragendes Element der – in Frankreich sehr politischen – Esskultur. Zudem ist es teils so verblichen wie die Erinnerung an den Präsidenten Coty, der einzelne noch heute verwendete Sèvres-Teller schon vor 60 Jahren ins Sortiment aufgenommen hatte.

Was das Planschbecken in der imposanten Küstenfestung betrifft, soll es nicht mehr wie geplant in den Boden eingelassen werden, sondern demontierbar sein. Laut Macrons Mitarbeitern kostet das zehn auf vier Meter große Becken kaum die Hälfte des Schutzdispositivs für elf Gendarmen und zwei Rettungsschwimmer (60 000 Euro pro Sommer). Die gingen bisher immer in Alarmbereitschaft, wenn sich Monsieur le Président am Fuße von Fort Brégançon unter das Fußvolk am Sandstrand mischte. Der eigene Pool hingegen läge paparazzifrei hinter dicken Mauern, was angeblich vor allem für Brigitte Macron ein Argument sein soll.

Der böse Verdacht hält sich dennoch. Schuld ist wieder einmal das Enthüllungsblatt „Le Canard Enchaîné“. Es berichtet, die teils handgemalten Teller kosteten über 400 Euro pro Exemplar. Damit würde der Zähler nicht bei 50 000 Euro stehenbleiben, sondern fast 500 000 Euro erreichen.

In Sachen Swimmingpool heißt es ferner, mehrere Ex-Präsidenten hätten schon den Einbau eines selbigen geprüft, aber als zu kostspielig verworfen. Erst Macron wurde konkret; dafür verheimlichte er seinen Plan zuerst vor der Öffentlichkeit.

Dem 40-jährigen Präsidenten, der in den Umfragen ohnehin auf Sinkflug ist, fliegen nun sarkastische Reaktionen um die Ohren. Um nicht zu sagen die Teller: Aus dem Burgund schickte ein Ehepaar den Macrons sein Geschirr. Lästerte der Staatschef doch kürzlich über die „Wahnsinnskohle, die das verschlingt“ – wobei er nicht seinen Swimming Pool meinte, sondern die Sozialausgaben Frankreichs.

Wütend sind die Franzosen nicht so sehr über die Höhe der Geldbeträge, sondern über das Gemisch von Ausreden, Vertuschungsversuchen und falschen Zahlenangaben. Das kennen sie von ihren Präsidenten nur zu gut. Auf diese Weise versuchte sich schon Nicolas Sarkozy, als er in den neuen Präsidenten-Airbus Badewanne und Sauna einbauen lassen wollte. Erst nach heftigen Reaktionen verzichtete er darauf.

Macrons direkter Vorgänger François Hollande limitierte einzelne Vorrechte der Ex-Präsidenten auf fünf Jahre nach Amtsende. Das Budget des Elysées von 109 Millionen Euro im Jahr bleibt trotzdem dreimal höher als das des deutschen Kanzleramtes. Die meisten Ausgaben des französischen Präsidialamtes sind zudem in den Budgets anderer Ministerien versteckt.

Berater meinen: Macron lebt nicht im Überfluss

Niemand vermag deshalb zu sagen, wie viel Geld Frankreich für seine Präsidenten ausgibt. Und niemand glaubt den offiziellen Zahlen. Schon gar einem präzisen Sonderposten wie dem Elysée-Geschirr, der zum Schluss zehnmal mehr kostet als angegeben. Das Paradoxe ist, dass die französischen Präsidenten gar nicht wie ein Krösus leben. Macron verdient 15 000 Euro im Monat, weniger als die deutsche Kanzlerin (18 000 Euro).

Sein Wohnsitz, das Elysée, wird zwar von Eingeweihten „Château“ genannt, bietet aber weder die Ausmaße noch den Komfort eines Schlosses. Als bloße Dependance des Königshofes beherbergte es im 18. Jahrhundert die königliche Mätresse, Madame de Pompadour. Heute vermag der schöne Schein der Kristalllüster und Gobelin-Wandteppiche nicht zu verbergen, dass das Gebäude ziemlich heruntergekommen ist. Während der Amtszeit Sarkozys verfehlte ein herunterfallendes Stück eines Stuck-Engels nur knapp das Haupt eines fremden Staatschefs. Dessen Identität wurde diplomatisch verschwiegen.

Auch die Macron-Berater sagen: Der amtierende Staatschef lebt nicht im Überfluss, musste er doch sogar die überfällige Sanierung des Elysée-Baus aufschieben. Vorrang hat eben der Swimming Pool.

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