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Hoher Krankenstand: Lauterbach will Kinder früher aus Krankenhäusern entlassen

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Von: Sebastian Richter

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Die Krankheitswelle trifft die Kliniken hart. Vor allem die Kinderkrankenhäuser sind überfüllt. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach will gegensteuern.

Berlin – Die Situation in den Krankenhäusern ist wieder einmal angespannt. Um die stark strapazierten Krankenhäuser zu entlasten, will Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach vor allem den Verwaltungsaufwand reduzieren. „Hohe Krankenstände und eine beispiellose Infektionswelle setzen vor allem Kinderkliniken unter Druck“, sagte der SPD-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Er verspricht finanzielle Hilfe für das Personal und will den zusätzlichen Bürokratieaufwand verringern. „Insbesondere Kinder dürfen nicht im Krankenhaus bleiben müssen, nur um Abrechnungsformalien zu genügen.“

Konkret geht es unter anderem um Prüfungen durch den medizinischen Dienst. Die Krankenkassen würden aufgefordert, diese Prüfungen bis Ende Januar 2023 auszusetzen, machte Lauterbach deutlich. Das könne mehr Behandlungskapazitäten schaffen.

Pläne Lauterbachs schaffen Kapazitäten in Krankenhäusern

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft dankte Lauterbach für die Initiative. Das Aussetzen der Einzelfallprüfungen entlaste spürbar, sagte Vorstandschef Gerald Gaß der Deutschen Presse-Agentur. Wichtig sei, sie dann nicht voll im Februar und März nachzuholen. Auch ein vorgeschlagenes befristetes Streichen von Vergütungsabschlägen bei kurzen Aufenthalten könnte tatsächlich dazu führen, dass Kinder - wenn medizinisch vertretbar - schneller nach Hause könnten. „Dann wären Kapazitäten frei für neue Patientinnen und Patienten.“

Bundesgesundheitsminister will die Krankenhäuser in Deutschland entlasten. (Archivfoto)
Bundesgesundheitsminister will die Krankenhäuser in Deutschland entlasten. (Archivfoto) © Bodo Schackow/dpa

SPD-Fraktionsvize Dagmar Schmidt begrüßte die Maßnahmen, die den Kliniken eine kleine Entlastung verschafften. Pflegerinnen und Pfleger, Ärztinnen und Ärzte und das gesamte Personal leisteten derzeit unermüdlich Herausragendes. „Wir sollten sie in dieser Zeit nicht mit zusätzlicher Bürokratie belasten.“ Für eine geplante umfassende Krankenhausreform gehe man daran, sie sofort im neuen Jahr gesetzlich umzusetzen. „Weniger Gewinn-, mehr Patientenorientierung, das ist unsere Herangehensweise im gesamten System.“

Viele Kinderpraxen und Kinderstationen sind wegen einer Welle an Atemwegsinfekten gerade stark überfüllt. Auch unabhängig von der akuten Krise hatte der Bundestag ein Gesetzespaket zu Krankenhäusern beschlossen, das mehr Geld für Kinderkliniken und Entlastungen bei dringend benötigten Pflegekräften bringen soll. Für Kinderkliniken soll es 2023 und 2024 jeweils 300 Millionen Euro zusätzlich geben. (spr/dpa)

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