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Schwierige Meinungsfreiheit: Die Proteste gegen die Präsenz von US-Soldaten in Irak dauern an. Hier lösen US-Soldaten eine Demonstration vor der Verwaltungszentrale der amerikanischen Besatzungsmacht in Bagdad auf.

USA lassen nach Protest elf türkische Offiziere frei

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Festnahmen in Nordirak hatten Ankara stark verärgert / Irakische Polizeirekruten von Landsleuten getötetNach einer diplomatischen Krise zwischen Ankara und Washington haben die USA nach Medienberichten in Irak festgenommene elf türkische Offiziere am Sonntagabend freigelassen. Sie waren am Freitag bei einer Razzia in einem türkischen Stützpunkt in der Stadt Suleimanijah in Gewahrsam genommen worden.

ISTANBUL, 6. Juli (öhl/ap/dpa). Die Soldaten seien in Bagdad freigelassen worden, berichteten private türkische Fernsehsender. Sie sollten die Nacht in einem Gästehaus verbringen und dann am heutigen Montag nach Suleimanijah zurückgebracht werden. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan und US-Vizepräsident Dick Cheney hatten in einem halbstündigen Gespräch zuvor versucht den Streit beizulegen. US-Außenminister Colin Powell telefonierte außerdem mit seinem türkischen Kollegen Abdullah Gül.

Gründe für die Razzia am Freitag in einem türkischen Stützpunkt in der Stadt Suleimanijah, bei der die Festnahmen erfolgten, nannte die US-Regierung bislang nicht. Türkischen Zeitungsberichten zufolge sollen US-Dienste Hinweise darauf haben, dass die zu einer Spezialeinheit gehörenden Soldaten die Ermordung des kurdischen Gouverneurs im nordirakischen Kirkuk planten. Außenminister Gül wies dies als "unsinnig" und "unglaubwürdig" zurück. Ministerpräsident Erdogan hatte die Festnahme als "üblen Vorfall, der sich besser nicht ereignet hätte" kritisiert. "Es ist unverständlich, wie ein Land sich so gegenüber einem Verbündeten verhalten kann", hatte Erdogan gesagt und die USA gewarnt: "Wir werden nicht zulassen, dass man mit der türkischen Ehre spielt."

Türkische Zeitungen hatten empört berichtet, den Soldaten seien "wie Al-Qaeda-Terroristen" Kapuzen übergestülpt und Ketten angelegt worden. Vor der US-Botschaft in Ankara hatten Demonstranten gefordert: "Mörder USA, raus dem Nahen Osten". Den einzigen Grenzübergang von der Türkei nach Nordirak, den auch die USA für Nachschublieferungen benutzen, hatte Ankara am Sonntag dicht gemacht. Das Verhältnis zwischen der Türkei und den USA ist bereits gespannt, seit das Parlament in Ankara im März den Aufmarsch von zehntausenden US-Soldaten verweigerte und damit Pläne zum Aufbau einer Nordfront im Irak-Krieg durchkreuzte.

Irakische Untergrundkämpfer griffen Agenturmeldungen zufolge erstmals gezielt eigene Landsleute an, die mit den US-Truppen zusammenarbeiten. Dabei wurden am Samstag nach US-Angaben in Ramadi, 100 Kilometer westlich von Bagdad, sieben irakische Polizeirekruten getötet. Vor ihrer Ausbildungsstätte explodierte ein mit Sprengstoff gefüllter Reissack. Die Polizeirekruten hatten eine fünftägige Ausbildung durch US-Truppen abgeschlossen. Aufgebrachte Anwohner riefen, sie seien vor der Zusammenarbeit mit der Besatzungsmacht gewarnt worden.

In Bagdad wurde am Samstag ein britischer Journalist, am Sonntag ein US-Soldat erschossen. Der Soldat gehörte nach Angaben des US-Militärs einer Einheit an, die mit der Unterstützung ziviler Projekte in Irak betraut ist.

Dossier: Irak nach dem Krieg

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