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Merz spricht bei „Lanz“ von „kleinen Paschas“: Mitdiskutant warnt nun vor schweren Folgen

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Von: Florian Naumann

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Marcel Fratzscher am Dienstagabend bei „Markus Lanz“ im ZDF.
Marcel Fratzscher am Dienstagabend bei „Markus Lanz“ im ZDF. © Markus Hertrich/ZDF

„Diskriminierend, populistisch, falsch“: Bei „Lanz“ hatte DIW-Chef Marcel Fratzscher zu Friedrich Merz geschwiegen. IPPEN.MEDIA erklärt er nun seinen Standpunkt.

Hamburg/München – Friedrich Merz und das Thema Migration: Eine offenbar unendliche Geschichte. Im September hatte der CDU-Chef Ukraine-Geflüchteten „Sozialtourismus“ vorgeworfen. Und ruderte wenig später zurück. Am Dienstag folgte bei „Markus Lanz“ aber der nächste Eklat.

Merz warnte in der Debatte über die Berliner Silvester-Krawalle vor „verbaler Gewalt“ vor allem gegen Lehrerinnen in deutschen Klassenzimmern als einer Wurzel des Problems. Nicht allgemein, sondern mit Blick auf „Menschen, die in Deutschland eigentlich nichts zu suchen haben, die wir hier seit längerer Zeit dulden, die wir nicht abschieben“. „Kleine Paschas“, nannte er die Kinder dieser etwas wolkig umschriebenen Gruppe. Ein paar Sätze später wurde Merz deutlicher. „Das sind überwiegend Jugendliche aus dem arabischen Raum, die nicht bereit sind, sich hier in Deutschland an die Regeln zu halten, die Spaß daran haben, diesen Staat herauszufordern.“

Die TV-Bilder zu dieser Sequenz zeigten auch das Gesicht des Mitdiskutanten Marcel Fratzscher. Der Leiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) schwieg in dieser Passage der Sendung. Fratzscher bereute das am nächsten Morgen öffentlich in einem Tweet. Auf Anfrage hat er nun seinen Standpunkt erläutert – und deutliche Worte für Merz‘ Aussagen gewählt. Merz stehe berechtigterweise in der Kritik, betonte er.

Merz bei „Lanz“: Mitdiskutant Fratzscher warnt – „Populistisch“ und schädlich für die Wirtschaft

„Solche Verallgemeinerungen sind nicht nur populistisch und diskriminierend“, erklärte der Ökonom Merkur.de von IPPEN.MEDIA, „sie schaden auch der deutschen Wirtschaft“. Das Problem ende nicht damit, dass „die Aussagen schon allein in ihrer Generalisierung sachlich falsch sind“.

Fratzscher richtete den Blick auf den Arbeitskräftemangel in Deutschland. Aussagen wie jene Merz‘ führten dazu, „dass Deutschland als Einwanderungsland unattraktiv wird“, warnte er. „Damit verbauen wir uns die Chance, Fach- und Arbeitskräfte aus dem Ausland zu gewinnen, auf die wir dringend angewiesen sind.“ Aussagen wie die des eigentlich als wirtschaftsnah geltenden Merz seien gefährlich, deutete Fratzscher an: „Wir sollten durch solche unbedachten Aussagen diese Krise nicht noch verschärfen“, betonte er.

Am Mittwochmorgen hatte Fratzscher Merz in einem Tweet „blanken Populismus“ vorgeworfen. Der CDU-Chef verallgemeinere „von einer kleinen Minderheit implizit und explizit auf alle Menschen mit arabischen Wurzeln“: „Ich ärgere mich sehr, dass ich zu diesen Aussagen geschwiegen habe“, hatte der DIW-Chef bekannt.

Merz nach „Lanz“-Auftritt in der Kritik – Lehrerverband sieht aber grundsätzlich ein „Problem“

Auch aus der Bundespolitik gab es am Mittwoch scharfe Reaktionen auf Merz‘ Talkshow-Auftritt im ZDF. „Diese Bemerkung schürt rassistische Ressentiments und kann auch zur Stigmatisierung von ganzen Gruppen führen“, sagte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Reem Alabali-Radovan (SPD). Sie räumte allerdings ein, die Sendung nicht gesehen, sondern nur von den Aussagen gelesen zu haben.

Merz teile in „die“ und „wir“, rügte indes der SPD-Innenexperte Lars Castellucci in einem Tweet. „Die Probleme, die wir in Deutschland haben, haben wir, weil Leute mit dieser Geisteshaltung zu lange regiert haben“. Linke-Vorstandsmitglied Luigi Pantisano wurde in dem Kurznachrichtendienst noch deutlicher: „Ich mache es kurz: Friedrich Merz ist ein Rassist!“

Allerdings gab es auch zumindest in Teilen zustimmende Reaktionen. Es gebe grundsätzlich das Problem, dass insbesondere weibliche Lehrkräfte nicht ernstgenommen würden und deren Autorität nicht anerkannt würde, sagte Lehrerverbandspräsident Heinz-Peter Meidinger der dpa. Er betonte zugleich allerdings, das dürfe kein „Generalverdacht oder Pauschalvorwurf an alle Familien mit einem entsprechenden Migrationshintergrund“ sein. Grundschulverbands-Amtskollege Edgar Bohn rügte Merz‘ Darstellung hingegen als „sehr überzeichnet und nicht zutreffend“. (fn mit Material von dpa)

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