Luise Otto-Peters.
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Luise Otto-Peters.

Zeitleiste

Der lange Weg

Von 1693 bis heute: Übersicht über die historischen Stationen der Frauenbewegung.

1693 In Großbritannien erscheint das erste Frauenmagazin – herausgegeben von einem Mann. Der Grund für das Start-up: Das Männermagazin des Verlegers bekam viele Zuschriften von Frauen. John Dunton witterte einen Markt. Doch er fand nicht genug Abonnentinnen und stampfte die Zeitschrift bald wieder ein.

1789–1793 Nach der Französischen Revolution gründen Frauen erste Vereinigungen. Ihre Forderungen: volle Bürgerrechte für Frauen, die Gleichstellung von Mann und Frau und das Frauenwahlrecht.

1850 Paragraf 8 des deutschen Vereinsgesetzes bestimmt: „Politischen Vereinen ist die Aufnahme von Frauenspersonen, Schülern, Lehrlingen verboten. Auch dürfen solche Personen nicht an Veranstaltungen und Sitzungen teilnehmen, bei denen politische Gegenstände behandelt werden.“ (gültig bis 1908)

1865 In Leipzig gründen Luise Otto-Peters und Auguste Schmidt den (bürgerlichen) „Allgemeinen deutschen Frauenverein“. Sie fordern Bildungsmöglichkeiten, Recht und Anspruch auf Arbeit und freie Berufswahl sowie gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Für Frauen aus bürgerlichem Haus waren damals nur wenige Berufe wie Lehrerin oder Gouvernante vorgesehen.
Die proletarische Frauenbewegung, die besonders mit dem Namen der Sozialistin Clara Zetkin verbunden wird, kämpfte für bessere Bezahlung, kürzere Arbeitszeit sowie Arbeits- und Mutterschutz. Zu weiteren prominenten Vorkämpferinnen für Frauenrechte
gehörte Hedwig Dohm.
 
1878  In einer Novelle zur Gewerbeordnung wird der Mutterschutz erstmals geregelt. Für Mütter gilt ein Beschäftigungsverbot für die Dauer von drei Wochen nach der Geburt, eine Bezahlung erhielten sie in der Zeit nicht.

1882  In Hessen gründet die Verlegerin Gertrud Guillaume-Schack die erste Kranken- und Sterbekasse für Frauen, die bald 119 Zweigstellen umfasst.

1889  Der Internationale Arbeiterkongress findet zwischen dem 14. und 21. Juli in Paris statt. Dort wird unter anderem der Acht-Stunden-Arbeitstag ausgerufen. Auf Antrag von Emma Ihrer und Clara Zetkin erfolgt der Beschluss über die Gleichberechtigung der Frau. Im selben Jahr wird in Berlin die einzige deutsche Frauengewerkschaft gegründet: der „Verband weiblicher Angestellter“.

1891 Das erste Arbeiterinnenschutzgesetz wird im Reichstag verabschiedet: Unter Tage dürfen Frauen nicht mehr arbeiten, der Elf-Stunden-Tag für Frauen sowie vier Wochen bezahlte Ruhepause nach der Entbindung werden eingeführt.

1892 Clara Zetkin gründet die sozialdemokratische Frauenzeitschrift „Die Gleichheit“.

1900 Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) tritt in Kraft. Es verankert die Rechtsstellung der Frau im Sinne der patriarchalischen Tradition. Demnach kommt dem Ehemann das Entscheidungsrecht in allen Fragen des Ehe- und Familienlebens zu.

1901 Frauen dürfen Schulen und Universitäten besuchen. Baden ist das erste Land, in dem Mädchen höhere Jungenschulen besuchen und sich an Hochschulen unter den gleichen Bedingungen wie Männer immatrikulieren dürfen.

1907 Laut einer „Berufszählung“ arbeiteten im Deutschen Reich 28 Prozent der erwachsenen Frauen außerhalb des Privathaushalts. Drei Millionen von ihnen arbeiteten in anderen Haushalten, 400 000 in Industrie, Gewerbe und Verkehr. Von den 400 000 waren 43 953 „Heimarbeiterinnen“, 34 000 Wäscher- und Plättnerinnen, 37 000 Schneiderinnen und
22 000 Näherinnen.

1908 Das neue Reichsvereinsgesetz erlaubt Frauen, politische Vereine zu gründen.

1910 Am 26./27. August findet die Internationale Frauenkonferenz in Kopenhagen statt, bei der der „Internationale Frauentag“ gegründet wird. Es werden aber auch Forderungen an die Politik erhoben: der Acht-Stunden-Arbeitstag, gleicher Lohn für gleiche Arbeit, Urlaub für Schwangere und die Gleichstellung der Frau im Arbeitsschutzgesetz.

1911 Am 19. März wird zum ersten Mal der „Internationale Frauentag“ gefeiert.

1913 An allen Hochschulen in Deutschland studieren 3900 Studentinnen, das sind 4,3 Prozent aller Studierenden.

1918 Frauen erhalten am 30. November das aktive und passive Wahlrecht, verankert in Artikel 109 II der Weimarer Verfassung vom 1. 8. 919: „Männer und Frauen haben grundsätzlich dieselben Rechte und Pflichten.“

1919 Die Weimarer Verfassung wird von der Nationalversammlung verabschiedet, zu der auch 41 Frauen gehören.

1919/1920 Demobilmachungsverordnungen weisen die Unternehmer an, zur Integration der Soldaten in die Wirtschaft Frauen nach einer Dringlichkeits-Bedürftigkeits-Reihenfolge zu entlassen.

1923 Margarete von Wrangell wird am 12. März die erste ordentliche Professorin in Deutschland und erhält den Lehrstuhl für Pflanzenernährung an der Universität Hohenheim bei Stuttgart.

1933–1945 Das nationalsozialistische Regime dreht die Zeit zurück: Es beschließt Erwerbseinschränkungen für verheiratete Frauen, ein Numerus clausus für Studentinnen wird eingeführt und das passive Wahlrecht für Frauen gestrichen. Im „Dritten Reich“ wird Frauen verboten, bestimmte Berufe - vor allem wissenschaftliche und technische - zu ergreifen. Was folgt, ist die Gleichschaltung der Frauenverbände, massive Propagierung der Mutterschaft und die Abschaffung des Internationalen Frauentages zugunsten des Muttertages.

1937 Das Gesetz über die Beschränkung der Frauenarbeit wird wieder gelockert. Als Folge der Aufrüstung müssen Frauen in Munitionsfabriken arbeiten.

1949 Am 23. Mai tritt das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland in Kraft. In Artikel 3 Absatz 2 Satz 1 der neuen Verfassung steht kurz und klar: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“

1952 Das Gesetz zum Schutz der erwerbstätigen Mutter wird verabschiedet (Mutterschutzgesetz).

1955 Das Bundesarbeitsgericht verfügt den Grundsatz des gleichen Lohns von Mann und Frau bei gleicher Arbeit. Die Realität sieht allerdings anders aus. So dauert es noch Jahrzehnte, bis Frauenlohngruppen aus den Tarifverträgen
verschwinden.

1957 Abschaffung des Gehorsamsparagrafen aus dem Jahr 1900, der verheirateten Frauen ein Mitspracherecht bei Entscheidungen über das gemeinsame Eheleben verwehrte.  Frauen dürfen nun ohne Zustimmung ihres Ehemannes ein eigenes Konto eröffnen.

1958 Das Gleichberechtigungsgesetz im bürgerlichen Recht tritt am 1. Juli in Kraft. Damit brauchen Frauen keine Einwilligung ihrer Ehemänner, wenn sie eine Erwerbstätigkeit aufnehmen wollen – aber nur, wenn diese Arbeit mit ihren Pflichten in Ehe und Familie zu vereinbaren ist. Ist dies nicht der Fall, kann ihr Ehemann die Stelle jederzeit aufkündigen. Das Gesetz „zur Führung des Haushalts“ sieht nämlich vor, dass sich die Ehefrauen um Kinder und Küche statt um Arbeit kümmern sollen.

1961 Die aus Frankfurt stammende CDU-Politikerin Elisabeth Schwarzhaupt, in ihrer Partei Vorkämpferin für Frauenrechte, wird als erste Frau Bundesministerin. Sie ist für das Ressort Gesundheitswesen zuständig. Im selben Jahr wird das Familienrecht geändert. Die Rechtsstellung der Frau wird verbessert, wenn der Mann die Scheidung wegen Zerrüttung der Ehe verlangt: Die Unterhaltspflicht des Vaters gilt nun grundsätzlich bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres des Kindes (vorher nur bis zur Vollendung des 16. Lebensjahres).

1966 Das Familiengesetz in der Deutschen Demokratischen Republik verlangte, dass die Ehepartner ihre Verbindung so gestalten, „dass die Frau ihre berufliche und gesellschaftliche Tätigkeit mit der Mutterschaft vereinbaren kann“.

1968 Das Mutterschutzgesetz sieht eine Schutzfrist von sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Entbindung vor (früher sechs Wochen). Bei Früh- und Mehrlingsgeburten verlängert sich diese Frist auf zwölf Wochen.

1971 Bundeskanzler Willy Brandt empfiehlt Bundesministerien und dem Öffentlichen Dienst, Frauen einzustellen, insbesondere  im höheren und gehobenen Dienst

1971 Am 6. Juni bekennen 374 Frauen auf der Titelseite der Zeitschrift Stern: „Wir haben abgetrieben!“ Mit der von Alice Schwarzer initiierten Selbstbezichtigungskampagne protestieren sie gegen den Paragrafen 218 des Strafgesetzbuchs, der Schwangerschaftsabbrüche unter Strafe stellt.

1972–1973 Die Reform der gesetzlichen Rente führt zur Öffnung der Rentenversicherung für Hausfrauen.

1972 Mit Annemarie Renger (SPD) wird zum ersten Mal eine Frau zur Präsidentin des Deutschen Bundestages berufen.

1973 Der Deutsche Bundestag setzt mit den Stimmen aller Fraktionen die Enquete-Kommission „Frau und Gesellschaft“ ein.

1974 Der Schwangerschaftsabbruch in den ersten zwölf Wochen wird straffrei durch die sogenannte Fristenregelung.

1975 Die Vereinten Nationen rufen das Internationale Jahr der Frau aus. In Mexico-City startet die erste UN-Weltfrauenkonferenz.

1975 Das Bundesverfassungsgericht kassiert die Fristenregelung des Paragrafen 218a StGB, weil sie insoweit mit dem Grundgesetz unvereinbar ist, als sie den Schwangerschaftsabbruch in den ersten zwölf Wochen generell von der Strafbarkeit ausnimmt.

1975 Die Bundeswehr öffnet die Laufbahn der Offiziere des Sanitätsdienstes für Frauen und mit dem fünften Strafrechtsreformgesetz erhalten Frauen, die in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert sind, einen Anspruch auf individuelle ärztliche Beratung über Fragen der Empfängnisverhütung und die Übernahme der Kosten eines legalen Schwangerschaftsabbruchs.

1976 In Berlin und Köln eröffnen die ersten Frauenhäuser Deutschlands.

1976 Das fünfzehnte Strafrechtsänderungsgesetz bestimmt nun, dass der Schwangerschaftsabbruch nur ausnahmsweise nicht strafbar ist, nämlich dann, wenn die Schwangere einwilligt und eine medizinische, eugenische oder kriminologische Indikation vorliegt oder die Frau sich in einer „sonstigen schweren Notlage“ befindet („Indikationsregelung“).

1977 Alice Schwarzer und ihre Mitstreiterinnen gründen die feministische Zeitschrift „Emma“.

1977 Mit dem ersten Gesetz zur Reform des Ehe- und Familienrechts wird die Abschaffung der „Hausfrauenehe“ beschlossen und das Partnerschaftsprinzip eingeführt. Es gibt nun keine gesetzlich vorgeschriebene Aufgabenteilung in der Ehe mehr, das heißt, beide Ehepartner müssen Fragen der Haushaltsführung und der Erwerbstätigkeit einvernehmlich und in gegenseitiger Rücksichtnahme regeln.

1979 Gesetz zur Einführung eines Mutterschaftsurlaubs: In einem Arbeitsverhältnis stehende Mütter erhalten zusätzlich zu bisherigen Schutzfristen einen viermonatigen Mutterschaftsurlaub. Ein Kündigungsverbot sichert den Arbeitsplatz und die Frauen erhalten Lohnersatzleistungen von bis zu 750 D-Mark monatlich aus Bundesmitteln.

1980 Zweite Weltfrauenkonferenz der Vereinten Nationen in Kopenhagen, bei der die Bundesregierung ein Übereinkommen vom 18. Dezember 1979 zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau unterzeichnet. Es enthält das Verbot aller Diskriminierungen von Frauen und Männern wegen des Geschlechts sowie die Verpflichtung der Vertragsstaaten, Maßnahmen zum Abbau rechtlicher und tatsächlicher Ungleichheiten zu ergreifen.

1980 Abschlussbericht der Enquete-Kommission „Frau und Gesellschaft“: Die Kommission hat Empfehlungen für die Aufhebung der Benachteiligung von Mädchen und Frauen in der beruflichen Bildung und auf dem Arbeitsmarkt, für die Schaffung der Voraussetzungen einer Wahlfreiheit von Frauen und Männern bei der Verteilung ihrer Aufgaben in Familie, Gesellschaft und Beruf ausgesprochen.

1984 Gesetz zur Errichtung einer Stiftung „Mutter und Kind – Schutz des ungeborenen Lebens“: Die Stiftung hilft werdenden Müttern in einer sozialen Notlage durch finanzielle Hilfen.

1985 Beschäftigungsförderungsgesetz: Erleichterung des Zugangs zu Maßnahmen der Umschulung und Fortbildung für Frauen, die wegen Kindererziehung zeitweise aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind. Teilzeitarbeit wird arbeitsrechtlich ebenso abgesichert wie Vollzeitarbeit. Neue Bestimmungen sichern die besonders von Frauen wahrgenommene Arbeit auf Abruf und die Arbeitsplatzteilung besser ab.

1985 Dritte Weltfrauenkonferenz in Nairobi.

1985 Änderung des Hochschulrahmengesetzes: Hochschulen müssen auf die Beseitigung der für Wissenschaftlerinnen bestehenden Nachteile hinwirken.

1986 Das Hinterbliebenenrenten- und Erziehungszeitengesetz tritt in Kraft: Bei Müttern ab Jahrgang 1921, die ab 1986 Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitsrente oder Altersruhegeld erhalten, wird für die Erziehung jedes ihrer Kinder ein Versicherungsjahr anerkannt. Frauen und Männer erhalten außerdem unter den gleichen Voraussetzungen eine Hinterbliebenenrente.

1986 Bundeserziehungsgeldgesetz: Darin wird  die Gewährung von Erziehungsgeld und Erziehungsurlaub geregelt.

1987 Kindererziehungsleistungsgesetz (Gesetz über Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung für Kindererziehung): Mütter der Geburtsjahrgänge vor
1921 erhalten für jedes Kind, das sie lebend geboren haben, eine Kindererziehungsleistung.

1988 Der erste Informelle Frauenministerrat der Europäischen Gemeinschaft (EG) kommt in der Bundesrepublik Deutschland zusammen.

1990 Wiedervereinigung und Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland: Gesetzliche Regelungen für Familien und Frauen, die seit mehr als 40 Jahren in beiden deutschen Staaten unterschiedlich ausgestaltet worden waren, werden nun im Einigungsvertrag vereinheitlicht. Artikel 31 Absatz 1 verpflichtet den gesamtdeutschen Gesetzgeber, die Gleichberechtigung von Männern und Frauen weiterzuentwickeln. Im selben Jahr gründet sich der Unabhängige Frauenverband (UFV) in Berlin. In dem Gründungsaufruf eines Initiativkomitees heißt es unter anderem: „In der gegenwärtigen Situation des gesellschaftlichen Umbruchs spielen die Interessen von Frauen bislang eine untergeordnete Rolle. (…) Lasst uns deshalb die Initiative ergreifen! Schaffen wir uns eine eigene Interessenvertretung!“

1990 Gründung des Unabhängigen Frauenverbandes (UFV) in Berlin. In dem Gründungsaufruf eines Initiativekomitees heißt es unter anderem: „In der gegenwärtigen Situation des gesellschaftlichen Umbruchs spielen die Interessen von Frauen bislang eine untergeordnete Rolle. (…) Lasst uns deshalb die Initiative ergreifen! Frauen, organisieren wir uns! Schaffen wir uns eine eigene Interessenvertretung!“

1991 Die Bundeswehr nimmt Frauen in den Dienst auf. Allerdings nicht in den Wehrdienst. Geöffnet werden lediglich alle Laufbahnen des Sanitätsdienstes und des Militärmusikdienstes.

1992 Das Rentenreformgesetz tritt in Kraft: Die Anerkennung von Kindererziehungszeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung wird für Geburten ab dem Jahr 1992 von bisher einem Jahr auf drei Jahre verlängert. Das Erziehungsgeld für Kinder, die in der Zeit vom 1. Januar 1992 an geboren sind, wird auf zwei Jahre ausgedehnt. Außerdem bringt eine Änderung des Mutterschutzgesetzes Verbesserungen im Kündigungsschutz.

1992 Der Bundestag schafft mit dem Schwangeren- und Familienhilfegesetz erstmals eine einheitliche gesamtdeutsche Regelung zu Schwangerschaftsabbrüchen. Abtreibungen sind demnach in den ersten drei Monaten nicht rechtswidrig, wenn die Schwangere sich vorher beraten lässt.

1993 Heide Simonis (SPD) ist die erste Ministerpräsidentin eines Bundeslandes: Schleswig-Holstein bis 2004.

1994 Das Gleichberechtigungsgebot in Artikel 3 des Grundgesetzes wird ergänzt: „Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“ Im selben Jahr tritt das Zweite Gleichberechtigungsgesetz in Kraft. Schwerpunkte sind ein verschärftes Verbot der Benachteiligung von Frauen im Arbeitsleben und der Schutz vor sexueller Belästigung am Arbeitsplatz.

1994 Gesamtdeutscher Frauen-Streik-Tag im März: Die Frauen aus der neuen Frauenbewegung wollen ihre unterschiedlichen Erfahrungen und Positionen miteinander vernetzen.

1995 Die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichtes zur rechtlichen Regelung des Schwangerschaftsabbruchs werden umgesetzt. Kernpunkt ist die verpflichtende Beratung der Schwangeren in einer Not- und Konfliktlage.

1995 In Peking kommen 47 000 Frauen zur vierten Weltfrauenkonferenz der Vereinten Nationen zusammen.

1996 Der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz ab Vollendung des dritten Lebensjahres wird beschlossen.

1997 Der neugefasste Paragraf 177 des Strafgesetzbuches tritt in Kraft: Vergewaltigung in der Ehe ist ab sofort strafbar. Darüber hinaus enthält das Gesetz zur Änderung ausländer- und asylverfahrensrechtlicher Vorschriften eine verbesserte Härtefallregelung und ermöglicht ausländischen Ehefrauen ein eigenständiges Aufenthaltsrecht, wenn sie Opfer ehelicher Gewalt wurden.

1997 Beschluss des Europäischen Rates in Amsterdam: Die Zielsetzung der Förderung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern wird in Artikel 2 und 3 EG-Vertrag festgeschrieben. In Artikel 119 EG-Vertrag wird der Grundsatz des gleichen Entgelts bei gleicher Arbeit um gleichwertige Arbeit erweitert.

1999 Auf Grundlage der Beschlüsse der Weltfrauenkonferenz in Peking und vor allem des Amsterdamer Vertrags wird die Bundesregierung verpflichtet, Gender Mainstreaming als Strategie und Methode zur Verbesserung der Gleichstellung von Frauen und Männern einzuführen. Das Bundeskabinett bekennt sich in einem Beschluss vom 23. Juni 1999 zu dieser Verpflichtung.

2001 Änderung des Bundeserziehungsgeldgesetzes: Der Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit für Väter bedeutet eine Abkehr vom Leitbild des bis dahin geltenden Rechts, das immer noch von der traditionellen Aufgabenteilung zwischen den Geschlechtern mit Zuweisung der Kinderbetreuung an Mütter und der Ernährerrolle an Väter ausgeht und fördert. Väter und Mütter können ihre Kinder nun in den ersten drei Jahren gemeinsam erziehen und betreuen. In dieser Zeit haben sie einen Anspruch auf Teilzeitarbeit von bis zu 30 Wochenstunden in Betrieben mit mehr als 15 Beschäftigten.

2002 Gesetz zum zivilrechtlichen Schutz vor Gewalttaten und Nachstellungen (Gewaltschutzgesetz): Täter können der gemeinsamen Wohnung verwiesen werden, Kontakt- und Annäherungsverbote können ausgesprochen werden.

2005 Angela Merkel (CDU) wird erste deutsche Bundeskanzlerin.

2006 Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) tritt in Kraft. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend richtet die Antidiskriminierungsstelle des Bundes ein.

2007 Das einkommensorientierte Elterngeld löst das Erziehungsgeld ab. Das Elterngeld wird an Vater und Mutter für maximal 14 Monate gezahlt; beide können den Zeitraum frei untereinander aufteilen.

2014 Hausfrauen (und -männer) erhalten für die Erziehung jedes Kindes jeweils zwei Jahre „Erwerbstätigkeit“ angerechnet. Ansonsten sind häusliche Arbeit und Kindererziehung so selbstverständlich Teil „weiblicher Pflichten“, dass Hausfrauen nicht einmal einen Anspruch auf Rente haben, wenn sie nicht mindestens fünf Jahre einer festen Beschäftigung nachgegangen sind.

2016 Einführung der Frauenquote in Deutschland: Für Aufsichtsräte von börsennotierten Unternehmen mit paritätischer Mitbestimmung gilt eine Frauenquote in Höhe von 30 Prozent. Sie betrifft derzeit gut 100 Unternehmen und muss im Zuge der Neubesetzung von Aufsichtsratsposten umgesetzt werden. Das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen (FüPoG) verpflichtet außerdem etwa 3500 Unternehmen, sich Zielgrößen zur Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsräten, Vorständen und obersten Managementebenen zu setzen. Aber es ist auch zulässig, sich die Zielgröße null zu geben.

2018 Der Anteil der Frauen im Bundestag ist nach der Wahl 2017 stark geschrumpft – auf weniger als ein Drittel. Die AfD führt, sie hat die wenigsten weiblichen Abgeordneten. Im Koalitionsvertrag der großen Koalition finden sich einige positive Nachrichten für Frauen: So soll das Rückkehrrecht in Vollzeit kommen. Außerdem soll die Mütterrente verbessert werden, davon würden aber vergleichsweise wenige Frauen profitieren. Darüber hinaus soll es einen Runden Tisch zwischen Bund, Ländern und Kommunen geben, bei dem das Thema Gewalt gegen Frauen behandelt wird. Ziel ist es, den Zugang zu – oft überfüllten – Frauenhäusern zu sichern. 

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