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Oskar Lafontaine hinterlässt in der Linken einen Trümmerhaufen

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Von: Katja Thorwarth

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Oskar Lafontaine, hier mit Sahra Wagenknecht, verließ die Linke kurz vor der Landtagswahl im Saarland.
Oskar Lafontaine, hier mit Sahra Wagenknecht, verließ die Linke kurz vor der Landtagswahl im Saarland. © Britta Pedersen/dpa

Kurz vor der Landtagswahl im Saarland schmeißt Oskar Lafontaine hin und verlässt seine Partei. Das kommt für die Linke zur Unzeit.

Saarbrücken – Obwohl Oskar Lafontaine seit Jahren in der Linken nicht nur Befürworter:innen hat, kam sein Rücktritt am Donnerstag (17.03.2022) überraschend. Immerhin verabschiedete sich der gebürtige Saarländer nur knapp eine Woche vor der Landtagswahl im Saarland von der Partei, in die er 2005 eingetreten war. Seinerzeit hatte er enttäuscht der SPD den Rücken gekehrt.

Nun ist es also die Linke, in der sich der 78-Jährige nicht mehr heimisch fühlt – und in der er längst nicht mehr unwidersprochen seine Haltung formulieren konnte. Entsprechend geht Lafontaine nicht, ohne gegen seine Ex-Partei schwere Vorwürfe zu erheben, womit er in der heißen Phase des Wahlkampfes ein politisches Trümmerfeld hinterlässt.

Landtagswahl im Saarland: Oskar Lafontaine hinterlässt bei der Linken ein Trümmerfeld

Einen Tag vor dem Parteiaustritt hielt Lafontaine in seiner Funktion als Landtagsfraktionschef im Saarbrücker Landtag seine letzte Rede. Darin wandte er sich gegen den Ukraine-Krieg sowie gegen Krieg im Allgemeinen und wurde dafür mit verhältnismäßig langem Applaus bedacht. Der schien ihm nicht genügt zu haben, denn in seiner Austrittserklärung schrieb er tags darauf: „Einer Partei, in der die Interessen der Arbeitnehmer und Rentner und eine auf Völkerrecht und Frieden orientierte Außenpolitik nicht mehr im Mittelpunkt stehen und die zudem das im Saarland etablierte Betrugssystem unterstützt, will ich nicht mehr angehören.“

Mit seinem Schlusswort hinterlässt Lafontaine eine völlig zerstrittene saarländische Linke, doch wie Beobachter berichten, war das Verhältnis zwischen Fraktion und Landespartei schon länger angespannt. Der Streit eskalierte im Vorfeld der Bundestagswahl 2021, und Auslöser war seinerzeit die Frage nach der Spitzenkandidatur der Linken im Saarland. Die Parteimitglieder wählten in einer Kampfabstimmung den Landeschef Thomas Lutze, während die Fraktion um Oskar Lafontaine den Abgeordneten Dennis Lander favorisierte.

Landtagswahl im Saarland – Die Linke ist seit der Bundestagswahl tief gespalten

Es folgten mehrere Fraktions- beziehungsweise Parteiausschlüsse gegen Mitglieder der jeweiligen Lager. Auch gegen den polarisierenden Lafontaine selbst lief ein Parteiausschlussverfahren, weil er infolge des Streits dazu aufrief, die Linke nicht zu wählen. Im November spaltete sich schließlich auch die Fraktion auf, weshalb die neue Saar-Linke wenig später Barabara Spaniol zur Spitzenkandidatin für die Landtagswahl im Saarland kürte. Damit war Lafontaines Karriereende bei der saarländischen Linken praktisch besiegelt.

Dabei hatte Lafontaine Jahre lang als unumstrittene Nummer eins seiner Partei im Saarland gegolten, war auch daran lag, dass er 13 Jahre lang Ministerpräsident an der Saar war - allerdings mit SPD-Parteibuch. Sein Bruch mit den Sozialdemokraten im Streit um die Politik des früheren Bundeskanzlers Gerhard Schröder belastete im Saarland lange das Verhältnis zwischen SPD und Linkspartei, woran sich bis heute nichts geändert hat. SPD-Spitzenkandidatin Anke Rehlinger bezeichnete die Linke im Fernsehduell des Saarländischen Rundfunks als „nicht regierungsfähig“ und schloss eine Koalition mit ihr aus.

Lanstagswahl im Saarland: SPD schließt Koalition mit der Linken aus

Dennoch feierte Lafontaine seine größten Erfolge im Saarland. Noch während seines Physikstudiums trat er 1966 in die SPD ein. Zehn Jahre später wurde er Oberbürgermeister der Landeshauptstadt, 1977 auch Vorsitzender der Saar-SPD. Mit ihm an der Spitze holten die Sozialdemokraten bei der Landtagswahl 1985 erstmals die absolute Mehrheit, Lafontaine wurde Ministerpräsident und blieb es bis 1998.

Die SPD setzte damals auch in der Bundespolitik auf Oskar Lafontaine. 1995 wurde er zum SPD-Vorsitzenden gewählt, in der rot-grünen Bundesregierung unter Kanzler Schröder übernahm er 1998 das Amt des Finanzministers. Doch bereits 1999 trat er als Minister und auch SPD-Chef zurück, bis er schlussendlich 2005 die Partei verließ.

Seine neue politische Heimat wurde die Linkspartei, an deren Entstehen er maßgeblich beteiligt war und die er als Partei- und Fraktionschef entscheidend prägte. Lafontaine zog sich nach einer Krebserkrankung 2010 zurück, blieb jedoch im Saarland Fraktionschef. Dieses Amt behielt er bis zu seinem Austritt, trotz des Parteiausschlussverfahrens stand seine Fraktion hinter ihm.

Vor dem Streit im Sommer 2021 war der saarländische Landesverband einer der erfolgreichsten in Deutschland – 12,8 Prozent erreichte die Partei noch bei der Landtagswahl 2017. Mittlerweile muss sie sogar darum bangen, überhaupt über die Fünfprozenthürde zu kommen. Umfragen sahen sie zuletzt bei vier Prozent.

Oskar Lafontaine ist mittlerweile in vierter Ehe mit der ehemaligen Chefin der Linksfraktion im Bundestag, Sahra Wagenknecht, verheiratet. Auch sie ist in der Linken nicht unumstritten. (ktho/AFP)

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