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Michael Harig, CDU-Landrat des Kreises Bautzen.

Rechtsextreme

Landrat will mit NPD-Mann reden

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Es hagelt Kritik am Landrat des sächsischen Kreises Bautzen, weil er ein Gesprächsangebot des NPD-Kreisvorsitzenden angenommen hat. Der CDU-Mann werde Klartext reden, sagen Leute, die ihn kennen.

Die Kritik könnte härter nicht sein. Linksparteichef Bernd Riexinger brachte ein Amtsenthebungsverfahren ins Gespräch. Die Vorstandsvorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung, Anetta Kahane, sagte: „Wenn man anfängt, sich gegenüber Rechtsextremisten zu bücken, dann endet man damit, ihnen die Stiefel zu lecken.“ Schließlich meldete sich die Grünen-Vorsitzende Simone Peter zu Wort. „Mit seiner Bereitschaft zum Dialog mit rechten Drahtziehern der NPD macht der Bautzener CDU-Landrat den Bock zum Gärtner“, sagte sie der Frankfurter Rundschau.

Die Kritik richtet sich gegen Michael Harig, den Landrat des ostsächsischen Kreises Bautzen. Der neue Kreisvorsitzende der NPD, Marco Wruck, hatte ihm nach den im September beginnenden wochenlangen Zusammenstößen zwischen jungen Flüchtlingen und teils rechtsextremistischen Gruppen ein Gespräch angeboten. Schließlich war er an den Protesten gegen Flüchtlinge, von denen es im Kreis Bautzen rund 2500 gibt, maßgeblich beteiligt.

Was Kritiker in Sachsen und auch jenseits davon kaum fassen: Landrat Harig nahm das Angebot an. Am 15. Dezember soll es so weit sein. Der 56-jährige Vater von zwei Kindern sei nicht so, wie man denken könnte, sagen jene, die ihn kennen. Der heimische Protestant hat die Jugendweihe zu DDR-Zeiten ebenso verweigert wie den Eintritt in die FDJ. Das brachte ihm Probleme in der Schule. Harig stehe überdies „hinter der Idee von Menschlichkeit“, sei von der Flüchtlingspolitik der Kanzlerin weit weniger entfernt als andere Christdemokraten im Land und habe gegen Rechtsextremismus stets Position bezogen, heißt es.

Er gilt als zupackender Pragmatiker, der das Flüchtlingsproblem in seinem Beritt praktisch gut gelöst hat. Harig sei aber auch der Ansicht, „dass man jedem Menschen eine Chance geben“ müsse, berichten Insider. Der Christdemokrat sei dennoch nicht naiv und werde mit dem NPD-Mann Klartext reden.

Gewiss ist, dass es in Ostsachsen eine starke rechte Szene gibt. Im Februar hatten Schaulustige einem Brand in einer Flüchtlingsunterkunft in Bautzen zugesehen und Löscharbeiten behindert. Im März war Bundespräsident Joachim Gauck dort bei einem Besuch beleidigt worden.

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