Erste Fälle

Lage in Lateinamerika

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Viele Staaten schotten sich komplett ab.

Bisher haben sich Nicaragua und El Salvador als corona-frei bezeichnet – nun gibt es auch dort erste Corona-Fälle. Beide Erkrankte hatten sich im Ausland infiziert. Damit ist offiziell Haiti das einzige Land der Region, das keine Corona-Patienten hat.

Unterdessen verschärfen die Staaten zwischen Mexiko und Argentinien zum Teil drastisch ihre Schutzmaßnahmen. Chile (28 Infektionen) verhängte den „Katastrophenzustand“ und betraute das Militär mit der Durchsetzung des Ausnahmezustands. Dramatischer ist die Lage in Brasilien: Da sind es inzwischen 529 Fälle, vier Menschen sind gestorben. Mexiko meldete 118 Fälle, Kolumbien 102, Argentinien 97 Infizierte, aber auch drei Tote.

Die Frage, die sich dieser Tage stellt, ist: Wie gut sind die Staaten auf die Pandemie vorbereitet? Besonders gefährdet sind die 36 Covid-19-Patienten in Venezuela. Vermutlich wäre dort kein Krankenhaus auf einen massiven Ausbruch der Lungenkrankheit vorbereitet. In 90 Prozent der Hospitale gibt es nicht mal fließendes Wasser. Auch daher hat Präsident Nicolás Maduro sein ganzes Land unter Quarantäne gestellt.

Bis auf Brasilien und Mexiko haben die Länder ihre Grenzen geschlossen, manche Staaten haben Ausgangssperren verhängt.

Der Blick auf Europa und China helfe Südamerikas Staaten nur bedingt, um daraus Lehren zu ziehen, sagt Deisy Ventura, Professorin an der Fakultät für Öffentliche Gesundheit an der Universität von São Paulo. Es gebe Unterschiede zwischen Europa und Lateinamerika, die helfen könnten, einen vergleichbaren Ausbruch auf dem Subkontinent zu verhindern. Das Klima ist in den meisten Regionen deutlich wärmer, die Bevölkerungen sind im Durchschnitt deutlich jünger. Der Vizechef der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation (Paho), Jarbas Barbosa, warnt dennoch: „Wir müssen auf das Schlimmste vorbereitet sein.“ Zumal die Staatschefs Brasiliens und Mexikos mit schlechtem Beispiel vorangehen.

Der rechtsradikale Präsident Jair Bolsonaro und Mexikos Linkspräsident Andrés Manuel López Obrador nahmen am Wochenende noch Bäder in der Menge ihrer Anhänger und führten damit die Präventionsvorschriften ihrer Gesundheitsbehörden ad absurdum.

Unterdessen könnte Kuba in der Corona-Krise wichtige Hilfe leisten. Das Land, das den Export von Ärzten und Pflegepersonal zu einer Hauptdevisenquelle gemacht hat, hat Anfragen aus Italien für Ärzte. Für die Führung in Havanna kommt die Anfrage wie gerufen. Denn infolge der Umwälzungen in Lateinamerika wurden im vergangenen Jahr viele Ärzte, Schwestern und Pfleger der „Medizinbrigaden“ aus Ländern wie Brasilien und Bolivien ausgewiesen.

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