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Lässt sich der Ukraine-Krieg mit Friedensgebeten beenden?

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„Waffen und Gewalt allein werden keinen gerechten Frieden schaffen.“ Friedenskerze im Braunschweiger Dom. Foto: Imago Images.
„Waffen und Gewalt allein werden keinen gerechten Frieden schaffen.“ Friedenskerze im Braunschweiger Dom. Foto: Imago Images. © Norbert Neetz/Imago

Friedrich Kramer, Landesbischof und Friedensbeauftragter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), ist auch im Angesicht des Krieges überzeugt: Gebete bannen Wut und Ohnmacht.

Es ist Krieg. Vor unserer Haustür. Das unendliche Leid der Menschen, die durch nichts zu rechtfertigenden Gräueltaten durch die russische Armee, die unschuldigen Opfer – sie erschüttern uns. Krieg wird durch Menschen begonnen und muss von Menschen beendet werden.

Wie kommt es zum Ende des Krieges? Durch einen Sieg nach Tausenden von Toten? Durch Verhandlung, weil es nichts mehr zu gewinnen gibt? Durch „Abnutzung“ und Verschleiß, weil keine Waffen und keine Munition und keine Soldaten mehr da sind? Durch Erfahrung, dass Krieg keine Probleme löst, sondern alle Probleme verschärft. Die Frage muss heißen: Wie gewinnen Menschen die Bereitschaft, den Krieg zu beenden? Dort, wo es gelingt, die Logik des Krieges und Sieges zu brechen. Hier hilft das Gebet, in dem die Kraft Gottes wirksam wird.

Ich bete zu Gott, der ein Gott des Friedens ist. Ich glaube an Jesus Christus, der den Weg der Gewaltlosigkeit und der Versöhnung gegangen ist. Ich vertraue dem Heiligen Geist, der uns Mitleid empfinden lässt und in Liebe die Welt verwandelt.

Angesichts der sinnlosen Gewalt dieses Krieges fühlen sich Christinnen und Christen den Menschen verbunden, die unter diesem Krieg leiden und beten für sie. Als Christinnen und Christen halten wir inne und suchen Rat und Hilfe im Gebet. Wir beten für das Ende des Krieges. Wir beten für die Opfer, wir wenden uns mit unserer Ohnmacht und Wut an Gott. Wir beten für die Regierenden, dass sie das Richtige tun, was dem Frieden dient. Und wir beten auch für die Regierung, die diesen Krieg begonnen hat, dass sie umkehrt auf den Weg des Friedens.

Im Epheserbrief wird die Gemeinde aufgerufen, nicht im Gebet nachzulassen. Die Synode der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland hat angesichts des Krieges in der Ukraine betont: „In unsere Gebete schließen wir alle Schwestern und Brüder ein und bitten um Gottes Beistand, um gemeinsam Schritte auf dem Weg des Friedens zu gehen.“

Zum Autor

Friedrich Kramer ist Friedensbeauftragter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Gebete verändern. Zuerst verändern sie die Betenden. Sie geben Sprache in der Sprachlosigkeit des Entsetzens, sie öffnen das Herz für Trauer und Schmerz, bannen Wut und Ohnmacht in ihrer zerstörerischen Kraft.

Gebete verändern aber auch die Welt, täglich. In der DDR haben wir das erlebt. Immer wieder kamen hier die Menschen zu Friedensgebeten zusammen, vertrauten der Macht der Gebete nach Veränderung und erlebten ihre Erfüllung. „Wir waren auf alles vorbereitet, nur nicht auf Kerzen und Gebete“, berichtete nach der friedlichen Revolution 1989 ein Stasi-Offizier.

Gebete verändern zum Frieden. Darauf hoffen Christinnen und Christen auch angesichts des Krieges in der Ukraine, wenn sie um Frieden beten. Denn Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein. „Den Frieden suchen heißt, auch im Angesicht der Eskalation von Gewalt innezuhalten und abzuwägen, welche Worte und Taten jetzt Gewalt verhindern und den Menschen helfen“, betonte der Kirchentag der Bremischen Evangelischen Kirche vor wenigen Tagen. So ist es. Und wer für den Frieden betet, der wird auch nach Wegen zum Frieden suchen.

Waffen und Gewalt allein werden keinen Frieden, erst recht keinen gerechten Frieden schaffen. Darum ist es Aufgabe von Christinnen und Christen, immer wieder die Suche nach Lösungen anzumahnen, die diese Gewaltspirale durchbrechen, gleichzeitig gerecht sind und nicht allein zu Lasten der Ukraine gehen.

Manche Beobachter befürchten, dass der Krieg in der Ukraine noch lange dauern wird. Und der Weg zur Verständigung wird ein noch mühevollerer sein, hin zu einer gemeinsamen europäischen Friedens- und Sicherheitsordnung. Gerade darum lassen wir nicht nach im Gebet und in der Suche nach Wegen des Friedens, damit bald die Waffen schweigen und das Sterben aufhört. Und dann dafür zu arbeiten, dass sich das Schweigen der Waffen in Frieden verwandelt. Auch, wenn derzeit diplomatische Lösungen kaum möglich erscheinen, so gibt es dennoch keine Alternativen zu Dialog und Gesprächsbereitschaft.

Gebe Gott den Mächtigen dazu die Einsicht und schenke uns Frieden. Wie und wann Gott die Gebete um Frieden erhören wird, wissen wir nicht. Aber er wird es tun.

Friedrich Kramer ist Friedensbeauftragter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

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