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Die Jüdin Rosa Bloch, 89, wurde 1944 mit ihrer Mutter ins KZ Stutthof deportiert. 

Stutthof-Prozess

KZ-Überlebende: SS-Männer haben „alles gesehen“

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Die Zeugin Rosa Bloch, 89, belastet im Hamburger Stutthof-Prozess den ehemaligen KZ-Wachmann Bruno D.

Erneut hat im Hamburger Stutthof-Prozess eine Überlebende des nationalsozialistischen Konzentrationslagers schwere Vorwürfe gegen das SS-Wachpersonal erhoben und damit den Angeklagten belastet. Rosa Bloch, die als Jugendliche im Sommer 1944 mehrere Wochen in dem Lager bei Danzig verbringen musste, ehe sie zur Zwangsarbeit in ein Außenlager gebracht wurde, berichtete am Freitag vor dem Landgericht von „Selektionen“ während der morgendlichen Appelle.

Stark geschwächte oder kranke Gefangene seien dabei aussortiert und anschließend nie mehr gesehen geworden, sagte die aus Litauen stammende Jüdin, die heute in Israel lebt. Offenbar habe man sie umgebracht. „Das habe ich immer wieder erlebt.“ Die 89-Jährige berichtete auch von Misshandlungen durch das Lagerpersonal. Den SS-Männern, die wie der angeklagte Bruno D. Wache auf den Lagertürmen standen, konnte das nach der Aussage der Zeugin nicht entgehen: „Gerade die, die da oben waren, haben alles gesehen.“

Bruno D. wird vorgeworfen, das massenhafte Morden in Stutthof, obwohl selbst nicht direkt daran beteiligt, durch seinen Wachdienst mit ermöglicht zu haben. Eine zentrale Frage in dem Verfahren ist deshalb, wie viel der heute 93-Jährige damals von der systematischen Vernichtung insbesondere der jüdischen Gefangenen mitbekommen haben muss.

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