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Hans Püschel wurde als Sozialdemokrat zum Bürgermeister gewählt. Nun kandidiert er für die NPD.

Ex-SPD-Bürgermeister tritt für die NPD an

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Hans Püschel, Bürgermeister von Krauschwitz im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt, will bei der Landtagswahl im März als Kandidat für die rechtsextreme NPD antreten. Er spricht von einem "Kesseltreiben" gegen die Rechtsextremen

Das bestätigte Püschel jetzt der Mitteldeutschen Zeitung, nachdem der SPD-Kreisvorstand beschlossen hatte, den 62-Jährigen aus der Partei zu werfen. Der hatte daraufhin seinen Austritt erklärt.

Püschel hatte Anfang November erstmals bundesweit für Schlagzeilen gesorgt, als er den Bundesparteitag der NPD in Hohenmölsen als Gast besuchte und später nur wohlwollende Worte für die Rechtsextremen fand. In den Redebeiträgen während der Veranstaltung habe er kaum einen Satz gefunden, „den ich nicht selbst hätte unterschreiben können“, schrieb Püschel in einem Leserbrief an die Mitteldeutsche Zeitung, den das Blatt nicht veröffentlichte.

Später verbreiteten die Neofaschisten das Schreiben allerdings per Pressemitteilung unter der Überschrift „SPD-Bürgermeister solidarisiert sich mit NPD“.

Die SPD-Landesvorsitzende Katrin Budde nannte den Brief damals „höchst kritikwürdig“. Der Kreisvorsitzende und Staatssekretär Rüdiger Erben wertete das Schreiben als völlig indiskutabel. Püschel sei es offenbar „in seiner Naivität“ nicht gelungen, „hinter die bürgerliche Fassade der NPD“ zu schauen.

Diese Interpretation aber war kaum noch zu halten, als sich der Bürgermeister ein paar Tage später erneut zu Wort meldete und den Verdacht nährte, dass er sich eben nicht aus Unbedarftheit der Rechten annäherte. Die „Diskriminierung der NPD-Sympathisanten“ erinnere ihn an die Zeiten der deutschen Geschichte, „als Andersdenkende an die Wand gestellt wurden“, so irrlichterte Püschel. Budde war schockiert, das Ausschlussverfahren gegen den Parteifreund nahm Fahrt auf.

Püschel sprach am Dienstag erneut von einem „Kesseltreiben“ gegen die rechtsextreme NPD. Deren Angebot, im Wahlkreis Hohenmölsen-Weißenfels auf der Liste der Rechts-Partei für den Landtag anzutreten, habe er „gerne angenommen“. Vor zwei Wochen hatte er noch gesagt, er verwahre sich gegen den Vorwurf, mit den Neonazis zu sympathisieren.

Erben, der im selben Wahlkreis für die SPD antritt, will sich klar gegen Püschel abgrenzen. Der sei in die NPD nicht „reingeschliddert“, sondern habe sich klar für deren rechtsextreme Programmatik entschieden. ( jdo/zö/asc)

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