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Rauch steigt über dem Zentrum von Kobane auf. Offenbar zündeten IS-Terroristen nahe der kurdischen Stellungen eine Autobombe.
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Rauch steigt über dem Zentrum von Kobane auf. Offenbar zündeten IS-Terroristen nahe der kurdischen Stellungen eine Autobombe.

Terrorgruppe IS Kobane

Kurden verlieren Hauptquartier an IS

Trotz internationaler Luftangriffe rücken die Dschihadisten in Kobane unerbittlich vor. Die kurdischen Milizen kämpfen darum, die letzte Fluchtroute für die Zivilisten der Stadt offen zu halten. Der UN-Sondergesandte befürchtet ein Massaker wie in Srebrenica.

Die kurdischen Milizen in Kobane haben einen schweren Rückschlag erlitten und ihr Hauptquartier nach erbitterten Gefechten an die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) verloren. Inzwischen kontrollierten die Islamisten 40 Prozent der nordsyrischen Grenzstadt und stünden kurz davor, die verbliebenen Kurdenkämpfer "vollständig zu umzingeln", berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Freitag. Der UN-Sondergesandte für Syrien befürchtet ein "Massaker" an den eingekesselten Zivilisten.

Seit Montag gibt es in Kobane (arabisch: Ain al-Arab) erbitterte Straßenkämpfe, wobei die Dschihadisten trotz internationaler Luftangriffe immer wieder vorrücken konnten. Laut der Beobachtungsstelle zündeten die Islamisten in 200 Meter Entfernung von den kurdischen Stellungen eine Autobombe. Über mögliche Opfer war zunächst nichts bekannt. Bereits am Donnerstag nahmen sie das Hauptquartier der kurdischen Polizei ein, das im gleichen Stadtviertel wie die Kommandozentrale der Volksverteidigungseinheiten (YPG) und der Gemeinderat liegt.

Die militärisch unterlegenen Verteidiger Kobanes kämpfen nun mit aller Macht darum, die letzte Fluchtroute für die mehr als 10.000 verbliebenen Zivilisten in der Stadt offenzuhalten. Laut dem UN-Sondergesandten Staffan de Mistura halten sie nur noch einen schmalen Korridor zur türkischen Grenze.

Die Frontlinie verläuft mittlerweile bloß 1300 Meter entfernt von der türkischen Grenze. Dort hat die Türkei zwar Truppen zusammengezogen, vor einer Intervention schreckt sie bislang aber zurück, obwohl Kobane ohne die Entsendung von Bodentruppen nicht zu halten sein dürfte. Zwar gab es auch in der Nacht zum Freitag im Süden und Osten der Stadt Luftangriffe der US-geführten Militärallianz. Doch zeigten diese wenig Wirkung. Der Beobachtungsstelle zufolge bewegen sich die Dschihadisten inzwischen mit Motorrädern, um Luftangriffen zu entgehen. Am Freitagnachmittag wurden zwei neue Luftangriffe auf IS-Stellungen in Kobane geflogen, wie eine AFP-Korrespondentin berichtete. Doch laut US-Regierungskreisen hält Washington die Stadt nicht für strategisch bedeutsam. Deshalb habe der Kampf gegen den IS im Irak Vorrang, wo es mit der kurdischen Peschmerga-Miliz und den Regierungstruppen schlagkräftigere Helfer gebe.

Massaker wie einst in Srebrenica

De Mistura rief die Türkei auf, kurdische Flüchtlinge zurück über die Grenze zu lassen, damit sie sich an der Verteidigung von Kobane beteiligen können. Zudem drängte er Ankara mit ungewöhnlich offenen Worten, die internationale Militärallianz vom eigenen Territorium aus zu unterstützen. Bei einer Eroberung Kobanes durch die Islamisten drohe ein ähnliches "Massaker" an Zivilisten wie 1995 in Srebrenica, als bosnisch-serbische Milizen rund 8000 muslimische Jungen und Männer ermordeten.

Um gegen die zögerliche Syrien-Politik Ankaras zu protestieren, gingen in den vergangenen Tagen tausende Kurden in mehr als 30 türkischen Städten auf die Straße. Bei Zusammenstößen mit der Polizei sowie Islamisten und Nationalisten wurden nach Regierungsangaben mindestens 31 Menschen getötet und hunderte verletzt, zudem gab es über tausend Festnahmen.

"Die Türkei ist kein Land, dass seine Innen- oder Außenpolitik an den gewaltsamen Handlungen von Strolchen und Terroristen ausrichtet", sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan dazu. Und die Türkei sei auch "kein Land, das aus Angst vor Straßenprotesten von seinem Kurs abweicht".

Die Bundesregierung wies Forderungen, sie müsse mehr Druck auf Ankara machen, als unbegründet zurück. Es gebe "keinen Anlass", der türkischen Regierung zu sagen, was sie "zu tun oder zu lassen hat", sagte ein Außenamtssprecher am Freitag. Auch die Forderung Ankaras nach einer Pufferzone für Flüchtlinge in der Grenzregion wies er zurück: Dazu bräuchte es einen "massiven militärischen Einsatz, wohl auch auf dem Boden", für den Berlin in der Staatengemeinschaft keine Bereitschaft sehe.

EU ist besorgt über Kämpfe in Kobane

Die EU ist sehr besorgt über die Kämpfe in der syrischen Stadt Kobane nahe der türkischen Grenze. Die EU, die Türkei sowie regionale und internationale Partner müssten verstärkt zusammenarbeiten, um der Bedrohung durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu begegnen, teilte der Sprecher der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton am Freitagabend in Brüssel mit. Der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, hatte zuvor vor einem Massaker an Zivilisten in der syrischen Ortschaft gewarnt. Kurdische Milizionäre kämpften erbittert um die Kontrolle einer wichtigen Verbindungsstraße zur Türkei. In Kobane bauten die IS-Dschihadisten ihre Machtposition weiter aus. (afp/dpa)

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