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Nordsyrien: Kurden erwarten türkische Invasion

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Von: Erkan Pehlivan

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Die Türkei soll in den vergangenen Tagen versucht haben, mit Bodentruppen in kurdische Städte in Nordsyrien einzumarschieren – bislang ohne Erfolg.

Ankara – Seit dem 20. November greift die Türkei mit ihrer Luftwaffe und Artillerie kurdische Stellungen in Nordostsyrien an. Die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan begründet die Militäroffensive damit, dass die kurdischen Kräfte in Syrien für den Terroranschlag von Istanbul verantwortlich sein soll. Dabei waren am 19. September sechs Personen getötet und Dutzende verletzt worden. Allerdings hatte sich die PKK und auch kurdische Kräfte in Syrien von dem Terroranschlag distanziert und dieses verurteilt.

Schon seit Monaten verkündet Erdogan immer wieder in weitere Region in Nordostsyrien einzumarschieren. Ein erster Versuch der Invasion soll in der vergangenen Woche gescheitert sein, lassen die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) mitteilen. 12 türkische Besatzungssoldaten und acht Söldner seien bei den Gegenmaßnahmen unserer Streitkräfte als Vergeltung für die türkischen Angriffe auf die Regionen von Zarkan bis Manbij getötet, heißt es in der Mitteilung der SDF. „In den vergangenen fünf Tagen haben unsere Streitkräfte vier Infiltrationsversuche der Besatzungsarmee und ihrer Söldner nach Zusammenstößen mit ihnen vereitelt“, so die SDF.

Nordsyrien: „Kurden haben nichts mit Terroranschlag in der Türkei zu tun“

Die kurdische Frauenselbstverteidigungseinheiten YPJ gehen davon aus, dass das türkische Militär weiterhin eine Invasion auf kurdische Dörfer und Städte versuchen wird. „Die Türkei möchte eine Invasion in Manbidsch, Kobane und der Shahba-Region“, erzählt Nesrin Abdellah, Kommandeurin bei der YPJ im Gespräch mit FR.de von IPPEN.MEDIA. Auf den Vorwurf der türkischen Regierungen in Verbindungen zu dem Terroranschlag von Istanbul zu haben, lacht sie nur. „Wir haben nichts mit dem Terroranschlag zu tun. Der einzige, der das glaubt, ist Erdogan“, so die Generalin der YPJ. Abdellah glaubt, dass die Gefahr durch türkische Bodentruppen nicht gebannt sei. „Ich bin mir sicher, sie werden es in den nächsten Tagen erneut versuchen“.

Türkische Armee bereitet weitere Invasion auf Nordostsyrien vor.
Türkische Panzer nahe der Grenze zu Syrien © Goktay Koraltan/Imago

USA und Russland geben Ankara grünes Licht für Invasion

Derzeit sieht es danach aus, als hätte die Türkei grünes Licht von Russland und den USA für einen Einmarsch in kurdische Gebiete. Seit über einer Woche beschießen türkische Kampfjets kurdische Stellungen, obwohl der Luftraum dort von Russland und den USA kontrolliert wird. Beide Staaten hatten bislang Angriffe von türkischen Kampfjets verboten. Moskau und Ankara haben ihre Zusammenarbeit in den vergangenen Monaten ausgebaut. Russische Unternehmer konnten in den vergangenen Monaten hunderte Firmen in der Türkei gründen – Ein Weg, um die westlichen Sanktionen gegen Moskau zu umgehen.

Genaralin Nesrin Abdolah, Kommandeurin der YPJ,  geht von einer türkischen Invasion in Nordostsyrien aus.
Nesrin Abdellah, Kommandeurin der YPJ © YPJ

Auch Washington scheint es sich mit Ankara nicht verscherzen zu wollen, da Erdogan sein Veto für einen Nato-Beitritt von Schweden und Finnland nicht aufgegeben hat. Die YPJ-Kommandeurin macht sich daher keine Hoffnungen, Hilfe von den Amerikanern zu bekommen. „Wenn die USA will, kann sie die Türkei schnell stoppen, aber Washington verfolgt ihre eigenen Vorteile. Es ist keine große Überraschung für uns“, so Abdellah. (Erkan Pehlivan)

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