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Soldaten der Freien Syrischen Armee, die von der Türkei unterstützt wird, sammeln sich in der Nähe der nordsyrischen Stadt Manbidsch mit ihren Fahrzeugen.

Manbidsch

Kurden-Milizen suchen neue Verbündete

Der Iran, ein enger Verbündeter des syrischen Präsidenten Baschar al-Aassad, jubelt bereits: Das Hissen der syrischen Flagge in der Stadt Manbidsch sei ein „wichtiger Schritt für die Einheit Syriens“.

Angesichts des angekündigten Abzugs der US-Truppen aus Syrien wollen russische und türkische Regierungsvertreter heute über die Lage in dem Bürgerkriegsland sprechen.

Dazu wollen sich nach Kreml-Angaben die Verteidigungs- und die Außenminister beider Länder in Moskau treffen. Der russische Präsident Wladimir Putin werde nicht an dem Gespräch teilnehmen, sagte sein Sprecher der Agentur Tass zufolge. Russland ist eine wichtige Schutzmacht für die syrische Regierung unter Präsident Baschar al-Assad. Man wolle bei dem Treffen alle weiteren Schritte zur Entwicklung Syriens besprechen, hieß es. Details waren zunächst nicht bekannt.

Putin sprach am Freitag bei einem Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel über die Lage in Syrien. Beide seien sich dabei einig gewesen, dass die Fortentwicklung eines politischen Prozesses zur Beilegung des Konflikts in Syrien mit Nachdruck verfolgt werden müsse, erklärte Vize-Regierungssprecherin Ulrike Demmer in Berlin. Bei dem Gespräch sei es um die Bildung eines Verfassungskomitees sowie den angekündigten Abzug der US-Streitkräfte gegangen.

Die US-Regierung hatte vor etwas mehr als einer Woche überraschend den Abzug ihrer Truppen aus Syrien verkündet. Nach Angaben des Weißen Hauses wurde bereits damit begonnen, Soldaten aus dem Land abzuziehen. Die USA stehen an der Spitze einer internationalen Koalition, die in Syrien die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekämpft. Ihr wichtigster Verbündeter in dem Bürgerkriegsland ist die Kurdenmiliz YPG, die dort die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) anführt. Die Kurdenmilizen hatten bei ihrem Kampf gegen den IS große Teile im Norden Syriens eingenommen. Anschließend weiteten die Kurden - zum Ärger der Türkei - ihre Selbstverwaltung in den Gebieten aus.

Die Kurden-Milizen fühlen sich nach dem angekündigten Truppenabzug der USA im Stich gelassen und suchen neue Verbündete. Die syrische Armee verlegte auf Bitten kurdischer Milizen Truppen in die Stadt Manbidsch an der Grenze zur Türkei. Angesichts eines drohenden Einmarsches der Türkei in Nordsyrien habe man die syrischen Regierungseinheiten eingeladen, die Kontrolle über Gebiete um Manbidsch zu übernehmen, teilte das Generalkommando der Kurdenmiliz YPG am Freitag mit. Die syrische Armee erklärte daraufhin, Regierungstruppen seien in das Gebiet verlegt worden und hätten ihre Fahne in Manbidsch gehisst.

Aus dem kurdischen Militärrat von Manbidsch hieß es jedoch, dass die syrischen Truppen nicht in die Stadt einmarschiert seien. Sie hätten eine Art „Sicherheitsring“ um die Stadt errichtet, sagte ein Mitglied des Militärrates der Deutschen Presse-Agentur. Auch das Oberkommando der internationalen Militärkoalition „Inherent Resolve“ wies Berichte zurück, nach denen sich die Militärpräsenz in Manbidsch verändert habe.

Der Iran, ein enger Verbündeter von Präsident Assad, begrüßte die Übernahme der Kontrolle über die Stadt Manbidsch durch syrische Regierungstruppen. „Das Hissen der syrischen Flagge ist ein wichtiger Schritt für die Einheit Syriens“, sagte Außenamtsprecher Bahram Ghassemi am Freitag. Diese neue Entwicklung könne die Institutionalisierung einer legalen Regierung in Syrien und ein Ende des jahrelangen Konflikts zur Folge haben, betonte der Sprecher dem Webportal des iranischen Außenministeriums zufolge. (dpa)

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