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Herfried Münkler ist Politikprofessor an der Humboldt-Universität zu Berlin.
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Herfried Münkler ist Politikprofessor an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Kolumne

Kundus und die verlorenen Hoffnungen

Die humanitäre militärische Intervention ist gescheitert. Afghanistan mag als Symbol dafür gelten. Von Herfried Münkler

Von Herfried Münkler

Zu Beginn dieses Jahrzehnts, als wir voll Zuversicht in das neue Jahrtausend eintraten, blickte man eher zufrieden auf die Ergebnisse der humanitären militärischen Interventionen, denen sich die deutsche Politik nach einigem Zögern angeschlossen hatte. Immerhin war es gelungen, die systematischen Massaker und Vergewaltigungen auf dem Balkan zu beenden und zumindest oberflächlich Ruhe und Frieden herzustellen.

Das war nicht wenig, wenn man bedenkt, dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts die notorischen Krisen auf dem Balkan Europa in einen furchtbaren Krieg hineingerissen hatten. Für einen kurzen Augenblick hatte es Mitte der 1990er Jahre den Anschein gehabt, als würde der Zerfall Jugoslawiens zum neuerlichen Aufbrechen der alten Gegensätze zwischen den Europäern führen. Dazu ist es nicht gekommen. Und die Androhung militärischer Gewalt oder deren dosierter Gebrauch hat sich als probates Mittel erwiesen, die westliche Friedensräson durchzusetzen.

Nicht wenige haben das als den Anbruch einer neuen Epoche der Weltgeschichte gefeiert. Man sprach von Weltinnenpolitik, formalisierte die Verpflichtung der Regierungen zum Schutz der Bevölkerung und gab sich überzeugt, dass das Militär hinfort nur noch zu groß angelegten Polizeiaktionen gebraucht werde. Humanitäre militärische Intervention lautete der Zauberbegriff, mit dem Menschenrechten globale Geltung verschafft werden sollte.

Ein Jahrzehnt später müssen wir konstatieren, dass diese hochfliegenden Erwartungen getrogen haben. Man hatte den Widerstand, der gegen die Durchsetzung von Menschenrechten mancherorts geleistet wurde, unterschätzt und die eigenen Fähigkeiten überschätzt. Afghanistan ist zum Symbol für das Auseinanderklaffen von Erfordernis und Fähigkeit geworden.

Gerade hier hatte man sich besondere Mühe geben und zeigen wollen, dass man in einer Kombination von Wiederaufbau und friedenssicherndem Einsatz Afghanistan zu einem Musterfall für das Projekt des Nation-building machen konnte. Demgemäß wurde der Afghanistaneinsatz nach innen kommuniziert: Demokratie, Gleichberechtigung und allgemeiner Wohlstand.

In den vergangenen Monaten ist klar geworden, dass es dazu nicht kommen wird. Auch im lange ruhigen Norden des Landes hat sich ein massiver Widerstand aufgebaut, den mit militärischen Mitteln zu brechen unser politisches Selbstverständnis nicht zulässt. Das hat die Debatte über den Luftangriff von Kundus gezeigt. Also wird es in den nächsten Monaten nur noch darum gehen, möglichst ohne Gesichtsverlust aus Afghanistan herauszukommen.

Die jetzt diskutierte massive Truppenverstärkung ist bloß ein Zwischenschritt auf dem Weg zum Abzug aus Afghanistan, der mit der Hoffnung verbunden ist, dass die dort mit so großem Aufwand errichteten Strukturen nicht innerhalb weniger Monate wieder zerfallen werden.

Die gegenwärtige Afghanistan-Debatte markiert aber auch das Ende der Erwartungen, die mit dem Instrument der humanitären militärischen Intervention verbunden waren. Wir werden in Zukunft deutlich zurückhaltender sein, wenn seitens der Vereinten Nationen oder der Verbündeten entsprechende Aufforderungen ergehen. Darfur steht eher für zukünftiges Verhalten als Afghanistan. Damit ist eine große Hoffnung auf eine bessere Welt geschwunden.

Herfried Münkler ist Politikprofessor an der Humboldt-Universität zu Berlin.

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