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Michael Bloomberg.

Michael Bloomberg

Der kühle Käufer

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Den US-Wahlkampf 2020 kann er sich locker leisten – aber nicht alle Demokraten wollen sich Michael Bloomberg leisten.

An der Werbung liegt’s nicht. Jedes Fass in der Hardywood-Brauerei in Richmond ist mit blauen Stickern beklebt. Doch als Mike Bloomberg vor 300 Gästen in der Hauptstadt des US-Bundesstaats Virginia das Wort ergreift, kommt keine richtige Begeisterung auf. „Einige von Ihnen haben vielleicht den Slogan gehört: ‚Mike kriegt es hin!‘“, setzt der Multi-Milliardär an. „Wenn nicht, dann haben wir eine Menge Geld verschwendet.“

Das soll ein Witz sein, eine ironische Anspielung auf einen Wahlkampf der finanziellen Superlative, ein Spiel mit der Diskrepanz zwischen medialer Omnipräsenz und realer Abwesenheit bei den bisherigen Vorwahlen der Demokraten. Der Medienunternehmer Bloomberg ist der unberechenbare Faktor der 2020er-Kandidatenkür: Sagenhafte 500 Millionen Dollar hat er inzwischen in Wahlspots investiert. Seit Wochen kann man ihm in kaum einer Fernsehsendung oder einem Youtube-Video entgehen. Doch bei den Vorwahlen in Iowa, New Hampshire, Nevada und South Carolina kandidierte er nicht. Trotzdem rangiert er bei nationalen Umfragen mit rund 16 Prozent auf dem dritten Platz hinter Bernie Sanders und Joe Biden.

An diesem Dienstag wird sich zeigen, ob der Ex-Bürgermeister von New York sein Geld richtig einsetzt. Da steht der 78-Jährige erstmals in 14 Bundesstaaten zur Wahl. Rund ein Drittel der Delegiertenplätze für den Demokraten-Parteitag wird an diesem „Super Tuesday“ vergeben, und Bloomberg könnte sich ein ordentliches Stück vom Kuchen holen. Doch das wäre nur der erste Schritt. Das eigentliche Ziel des Medienmoguls ist es nämlich, den linken Anwärter Sanders zu verhindern. Solange er im Kandidatenrennen aber auf dem dritten Platz feststeckt, bewirkt er das Gegenteil: Er nimmt Ex-Vizepräsident Joe Biden aus der Mitte der Partei die Stimmen weg – was vor allem Sanders zugute kommt.

In Richmond präsentiert sich Bloomberg als der mit allen Wassern gewaschene Geschäftsmann, der dank unbegrenzter Geldressourcen die besten Chancen in der Wahlschlacht hat. Dass er aber den eigentlichen Gegner, Donald Trump, schlagen kann, daran freilich haben viele an der demokratischen Basis starke Zweifel. Sie werfen dem Mann, der in der Vergangenheit mehrfach das demokratische und das republikanische Parteibuch wechselte, vor, er wolle die Wahl kaufen. Die anderen Kandidaten beschimpfen ihn als „Milliardär“, um sich von dem Unorthodoxen abzusetzen.

Doch das ist nicht das größte Handicap des Quereinsteigers. Vielmehr holt ihn seine Vergangenheit ein. Als Firmenchef hatte er wiederholt abwertende Bemerkungen über Frauen gemacht. Als Bürgermeister unterstützte er die Polizeitaktik des „Stop and Frisk“ (Anhalten und Filzen), die vor allem Latinos und Afroamerikaner betraf. Das liegt zwar Jahrzehnte zurück. Doch erst unter dem öffentlichen Druck hat sich Bloomberg für die anlasslosen Durchsuchungen entschuldigt. Die sexistischen Äußerungen spielt er bis heute herunter.

Zudem gibt es einen gewaltigen Kontrast zwischen Bloombergs perfekt inszenierter medialer Präsenz und seiner realen Unscheinbarkeit. Gerade mal 20 Minuten spricht er in Richmond. Die trockene Rede liest er komplett ab. Am Ende gibt es nur höflichen Applaus. Auch sein erster Auftritt in der Fernsehdebatte vor einer Woche war ein Desaster. Bloomberg wirkte hölzern, kühl und abgehoben. Umso entschiedener setzt er auf seine Werbespots. Mit mehr als 180 Millionen Dollar hat er die Fernsehsender der 14 Super-Tuesday-Staaten geflutet. Wie ein Regierungschef wandte er sich am Sonntagabend vor einer US-Flagge stehend bei den TV-Stationen CBS und ABC mit einer präsidialen Ansprache zur Corona-Epidemie an Volk. Er hatte sich zur Primetime kurzerhand drei Minuten Sendezeit gekauft.

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