Kroatiens designierter neuer Präsident: Ersten Prognosen zufolge hat Sozialdemokrat Zoran Milanovic die Wahl für sich entschieden. 
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Kroatiens designierter neuer Präsident: Ersten Prognosen zufolge hat Sozialdemokrat Zoran Milanovic die Wahl für sich entschieden. 

Stichwahl

Sozialdemokrat Milanovic gewinnt Präsidentenwahl in Kroatien

Kroatien bekommt einen neuen Präsidenten. Sozialdemokrat Zoran Milanovic hat sich bei der Wahl wohl gegen Amtsinhaberin Kolinda Grabar-Kitarovic durchgesetzt. 

Update vom Sonntag, 05.01.2020, 21.17 Uhr: Jetzt ist es offiziell: Der Sozialdemokrat Zoran Milanovic hat die Präsidentenwahl in Kroatien gewonnen. Der 53-jährige kam auf knapp 53 Prozent der Stimmen, wie die kroatische Wahlkommission am Sonntagabend nach Auszählung von 97 Prozent der Stimmen in Zagreb mitteilte. Damit verhinderte er die Wiederwahl der konservativen Amtsinhaberin Kolinda Grabar-Kitarovic, die nur etwas mehr 47 Prozent der Wähler hinter sich hatte.

Das Staatsoberhaupt hat in Kroatien vor allem zeremonielle Befugnisse, da die Regierungsgeschäfte vom Ministerpräsidenten geführt werden. 

Die relativ deutliche Niederlage von Grabar-Kitarovic dürfte in der konservativen Regierungspartei HDZ (Kroatische Demokratische Gemeinschaft) Nervosität und Richtungsdebatten auslösen. Die abgewählte Präsidentin kommt aus der HDZ, die Partei hatte sie im Wahlkampf offiziell unterstützt. Die SDP (Sozialdemokratische Partei Kroatiens) hatte Milanovic unterstützt. Sein Sieg kommt auch der Partei zugute.

Erstmeldung vom Sonntag, 05.01.2020: Zagreb – Der Sozialdemokrat Zoran Milanovic hat einer Prognose zufolge die Präsidentenwahl in Kroatien gewonnen. Der Herausforderer der konservativen Amtsinhaberin Kolinda Grabar-Kitarovic kam demnach bei der Stichwahl am Sonntag auf 53,2 Prozent der Stimmen, wie das kroatische Fernsehen HRT berichteten. Im Hauptquartier des Wahlkampfstabes von Milanovic brandete Jubel auf, als das Prognoseergebnis auf einer Großleinwand erschien. 

Grabar-Kitarovic erhielt demnach 46,8 Prozent der Stimmen. Milanovic hatte bereits die erste Runde der Präsidentenwahl vor zwei Wochen mit 29,6 Prozent der Stimmen für sich entschieden. Grabar-Kitarovic hatte 26,7 Prozent der Wähler auf sich vereint. Die amtierende Präsidentin hoffte aber noch auf Stimmen aus der Anhängerschaft des ultra-rechten Volksliedmusikers Miroslav Skoro. Er war in der ersten Runde mit 24,4 Prozent der Stimmen als Drittplatzierter relativ knapp ausgeschieden.

Kroatien: Amtsbonus zahlt sich für Grabar-Kitarovic nicht aus

Im Wahlkampf spielten Themen wie die ineffiziente Regierungsführung und massive Auswanderung eine große Rolle. Grabar-Kitarovic war mit dem Bonus der amtierenden Präsidentin ins Rennen gegangen. Kritiker bemängelten jedoch, sie mache nicht einzuhaltende Versprechungen und biedere sich an. 

Der Sozialdemokrat Milanovic wiederum versprach "Normalität" angesichts der von der politischen Rechten geführten "Scheindebatten" über die Landesgeschichte. Kroatien müsse den Krieg gegen Serbien, der dem Land von 1991 bis 1995 Tod und Verwüstung, aber auch die Unabhängigkeit gebracht hatte, endlich hinter sich lassen. Das Staatsoberhaupt hat in Kroatien vor allem zeremonielle Befugnisse, da die Regierungsgeschäfte vom Ministerpräsidenten geführt werden. 

Kroatien: Mit neuem Präsidenten und EU-Ratsvorsitz

Die Wahl galt aber auch als Indikator für die Stärke des rechten und des linken Lagers vor den Parlamentswahlen voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte. Das jüngste EU-Mitgliedsland übernahm außerdem zur Jahreswende den Ratsvorsitz in der Europäischen Union. Kroatien ist seit 2013 in der EU. 

Die Wähler konnten ihre Stimme bis 19.00 Uhr abgeben. Die Wahlkommission wollte das Ergebnis noch am Sonntagabend bekanntgeben.

(dpa)

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