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Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilt die Versuche an Menschen und Tieren scharf.

Empörung

Kritik von der Kanzlerin

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Die Abgas-Experimente stoßen auch bei der Politik auf Ablehnung.

Die deutschen Autohersteller haben mit ihren Versuchen, das Image des Dieselmotors offenbar auch mit Hilfe von Experimenten an Menschen aufzubessern, für Empörung und Fassungslosigkeit gesorgt. „Absurd“, „abscheulich“, „widerlich“ – so reagierten Politiker, Gewerkschafter oder Belegschaftsvertreter auf die neusten Berichte. Am Montag herrschte allerdings auch allgemein Ratlosigkeit darüber, ob und wie das Verhalten geahndet werden kann und welche Konsequenzen die Politik ziehen sollte, wozu die laufenden Koalitionsverhandlungen Gelegenheit bieten könnten. Es blieb beim Ruf nach rascher Aufklärung und einzelnen Forderungen nach personellen Konsequenzen. 

Bereits am Morgen verurteilte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Schadstofftests. „Diese Tests an Affen oder sogar Menschen sind ethisch in keiner Weise zu rechtfertigen“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. „Die Empörung vieler Menschen ist absolut verständlich.“ Den Aufsichtsräten der Auftraggeber komme nun eine besondere Verantwortung zu, kritische Fragen auch zur Zielsetzung der Tests zu beantworten. Die Autokonzerne hätten Schadstoffemissionen zu begrenzen und Grenzwerte einzuhalten und nicht die vermeintliche Unschädlichkeit von Abgasen zu beweisen.

Der geschäftsführende Bundesverkehrsminister Christian Schmidt (CSU) kritisierte die Tests ebenfalls scharf. Eine Sprecherin Schmidts sagte, es gebe „keinerlei Verständnis für solche Tests zum Schaden von Tieren und Menschen, die nicht der Wissenschaft dienen, sondern ausschließlich PR-Zwecken“. Die Untersuchungskommission des Ministeriums zum Abgasskandal solle in einer Sondersitzung prüfen, ob es weitere Fälle gibt. Die Autokonzerne seien aufgefordert worden, umgehend und detailliert Stellung zu nehmen. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sagte, die Hintergründe zu diesem Skandal gehörten jetzt schnell auf den Tisch. 

Neben der Autoindustrie müsse auch die Wissenschaft ihre Rolle klären, verlangte die Umweltministerin. Es sei hinreichend belegt, dass Stickoxide gesundheitsschädlich für den Menschen seien. „Dass eine ganze Branche anscheinend versucht hat, sich mit dreisten und unseriösen Methoden wissenschaftlicher Fakten zu entledigen, macht das Ganze noch ungeheuerlicher.“ Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) erklärte, es gebe klare ethische Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der auch im Aufsichtsrat von Volkswagen sitzt, nannte die Tests absurd und widerlich. Es gebe keine akzeptable Begründung, derartige Versuche zu Marketingzwecken abzuhalten. Betriebsratschef Bernd Osterloh verlangte personelle Konsequenzen, ohne jedoch Namen zu nennen. Es seien ethisch-moralische Grenzen überschritten worden, sagte er. 

Auch VW-Aufsichtsratschef Dieter Pötsch verlangte, die Vorgänge aufzuklären. „Im Namen des gesamten Aufsichtsrates distanziere ich mich mit allem Nachdruck von derlei Praktiken“, sagte er. Der Aufsichtsrat werde sich „bald“ mit dem Thema beschäftigen. „Wer auch immer dafür Verantwortung zu tragen hat, ist selbstverständlich zur Rechenschaft zu ziehen.“ 

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