Nach dem Besuch des Lokals im niedersächsischen Landkreis Leer sind mehrere Menschen positiv auf das Coronavirus getestet worden.
+
Nach dem Besuch des Lokals im niedersächsischen Landkreis Leer sind mehrere Menschen positiv auf das Coronavirus getestet worden.

Corona-Ausbrüche

Kritik an zu frühen Corona-Lockerungen

Während Thüringen Vorschriften aufheben will, gibt es andernorts neue Ausbrüche.

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt hat nach den Corona-Ausbrüchen nach einem Gottesdienst in Frankfurt und einem Restaurantbesuch in Niedersachsen zur Wachsamkeit aufgerufen. Die Länder seien in der Pflicht, ihre Regeln immer wieder zu überprüfen, sagte Göring-Eckardt den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Viele von ihnen hätten die Lockerungen vorangetrieben. „Sie müssen jetzt aufpassen, dass uns die Situation nicht entgleitet“, warnte die Grüne.

In Niedersachsen hatten die Behörden zuvor einen größeren Corona-Ausbruch im Zusammenhang mit einem Restaurantbesuch im Landkreis Leer gemeldet. Nach einer Wiedereröffnung des Restaurants in geschlossener Gesellschaft infizierten sich vermutlich mindestens elf Menschen, wie der Landkreis mitteilte.

In rund 70 Fällen wurde eine häusliche Quarantäne angeordnet. Von diesen Menschen zeigen einige bereits Krankheitssymptome, erklärte der Landkreis. Weitere Infektionsfälle seien also nicht auszuschließen. Der Landkreis Leer geht auch Hinweisen auf Verstöße gegen die Corona-Regeln nach. „Aus den Hinweisen, die uns vorliegen, ergeben sich Indizien, dass am Abend des 15. Mai möglicherweise gegen Corona-Regeln verstoßen worden ist“, erklärte Landrat Matthias Groote.

In Frankfurt kam es zu mehreren Corona-Infektionen nach einem Gottesdienst in einer Baptisten-Gemeinde am 10. Mai. Mindestens 40 Menschen steckten sich dort an, wie der Main-Kinzig-Kreis unter Berufung auf das Gesundheitsamt Frankfurt am Main mitteilte. Unterdessen hat Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow angekündigt, vom 6. Juni an auf allgemeine, landesweit gültige Corona-Schutzvorschriften verzichten zu wollen. Damit würden Regeln zu Mindestabständen, dem Tragen von Mund-Nasen-Schutz sowie Kontaktbeschränkungen nicht mehr gelten.

Der Linke-Politiker begründete die umfassende Lockerung mit der aktuellen Infektionslage. „Wir haben im März auf der Grundlage von Schätzungen von 60 000 Infizierten entschieden – jetzt haben wir aktuell 245 Infizierte“, sagte Ramelow der „Bild am Sonntag“. „Der Erfolg gibt uns mit den harten Maßnahmen recht – zwingt uns nun aber auch zu realistischen Konsequenzen und zum Handeln. Und das heißt: Für Thüringen empfehle ich die Aufhebung der Maßnahmen.“

„Gang aufs Minenfeld“

Aus anderen Bundesländern kamen zurückhaltende Reaktionen. „Ich halte eine komplette schnelle Lockerung für verfrüht“, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) der „Bild am Sonntag“. Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) sagte: „Ich bin dankbar für jede Lockerung, die wir verantworten können. Aber wir müssen umsichtig und vorsichtig sein.“ Auch in Thüringen gibt es Kritik. „Mir scheint das ein Gang aufs Minenfeld“, schrieb Jenas Oberbürgermeister Thomas Nitzsche (FDP) auf Facebook. (afp/dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare