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Kritik an französischen Geheimdiensten

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Von: Inge Günther

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In Jerusalem gedenken zwei ultra-orthodoxe Juden an der Klagemauer den Opfern in Paris.
In Jerusalem gedenken zwei ultra-orthodoxe Juden an der Klagemauer den Opfern in Paris. © dpa

Israelische Sicherheitsexperten werfen den französischen Geheimdiensten Versagen vor. Die französischen Kollegen hätten nach dem Anschlag auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ einfach weitergemacht wie gehabt.

Israelische Sicherheitsexperten sind sich nahezu einig: Die terroristischen Mehrfachanschläge von Paris offenbaren nicht zuletzt ein kolossales Versagen der französischen Geheimdienste. Alex Fishman brachte es in der Zeitung „Yedioth Achronoth“ so auf den Punkt: „Wenn der französische Präsident in Gesellschaft des deutschen Außenministers sich in einem Fußballstadion aufhält und drei Selbstmordattentäter sich in naher Entfernung in die Luft sprengen, lässt das nur einen Schluss zu: Die einheimischen Sicherheitsbehörden, insbesondere der DCRI, hatten keine Ahnung, was sich da unter ihrer Nase zusammenbraut.“

Dabei sei von mindestens zwei Dutzend Unterstützern oder Helfershelfern auszugehen, so Fishman, die den IS- Attentätern assistierten, die also den Sprengstoff für die Bombengürtel sowie Granaten und Kalaschnikoffs beschafften. Zwangsläufig müssten die Fäden in einer logistischen Kommandozentrale entweder in Frankreich oder außerhalb zusammengelaufen sein, was Kommunikationskanäle erfordert. Womöglich sei von diesen Vorbereitungen auch einiges im Internet oder über Handys abgefangen worden, ohne dass die Puzzleteilchen an Informationen ein Bild ergaben, das Alarm auslöste.

Israels Inlandsgeheimdienst Schin Beth ist zwar selber nicht arm an Pannen – das größte Fiasko war der Mord an Premier Jitzchak Rabin vor zwanzig Jahren, der quasi unter seinen Augen geschah. Aber der Schin Beth hält sich zugute, dass er dank V-Leuten und enger Überwachung von Terrororganisationen früh Wind von palästinensischen Anschlagsplänen bekommt. Die französischen Kollegen indes hätten nach dem Anschlag auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ weiter gemacht wie gehabt und seien nicht mal aufgewacht, als kürzlich ein russisches Passagierflugzeug über dem Sinai infolge einer Bombenexplosion abstürzte und wenige Tage später zwei IS-Attentäter 43 Libanesen in einem schiitischen Viertel in Beirut in den Tod rissen. Europa brauche nichts dringender als einen grenzübergreifenden Geheimdienst, empfehlen die Israelis nun.

Im Rückblick ist man leicht klüger. In Verbindung mit dem Mega-Terror in Paris scheint die Attentatsserie zugleich eine Art Vergeltungsoffensive gegen die zentralen Protagonisten der Anti-IS-Koalition zu sein. Russland gehört zweifelsohne dazu, ebenso die schiitische, pro-iranische Hisbollah. Frankreich ragt insofern raus, weil es als einziges europäisches Land Luftschläge gegen IS-Stellungen in Syrien geflogen hat.

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