Bundesfamilienministerium

Kritik an Corona-Kinderbonus - Alleinerziehende werden benachteiligt

  • Katja Thorwarth
    vonKatja Thorwarth
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Die Auszahlung des Corona-Kinderbonus für Eltern ist im Gange. Doch nicht alle sind mit dem Zuschuss für Eltern zufrieden.

  • Der Corona-Kinderbonus von 300 Euro wird ausbezahlt.
  • Es gibt Kritik an dem Eltern-Zuschuss.
  • Nicht jeder profitiert gleichermaßen.

Berlin - Der Kinderbonus zur Unterstützung von Familien in der Corona-Krise wird seit diesem Montag (07.09.2020) ausgezahlt. Die Familienkassen überweisen im ersten Schritt 200 Euro pro Kind, die zweite Rate von 100 Euro wird im Oktober fällig. Die Leistung wird zusätzlich zum Kindergeld gezahlt und muss nicht beantragt werden. Sozialverbände und Linkspartei kritisieren, der Kinderbonus reiche nicht.

Corona-Kinderbonus: 200 Euro im September, 100 Euro im Oktober

Wann genau der Kinderbonus bei den Eltern auf dem Konto ist, hängt von der Endziffer der Kindergeldnummer ab. Insgesamt gibt es in Deutschland rund 18 Millionen berechtigte Kinder und junge Menschen. Auf Hartz IV und andere Sozialleistungen wird die Sonderzahlung nicht angerechnet.

Auszahlungstermine des Corona-Kinderbonus im September:

EndzifferAuszahlungstermin
Endziffer 07. September
Endziffer 18. September
Endziffer 29. September
Endziffer 310. September
Endziffer 411. September
Endziffer 514. September
Endziffer 616. September
Endziffer 718. September
Endziffer 821. September
Endziffer 922. September

Auszahlungstermine des Corona-Kinderbonus im Oktober:

EndzifferAuszahlungstermin
Endziffer 07. Oktober
Endziffer 18. Oktober
Endziffer 29. Oktober
Endziffer 312. Oktober
Endziffer 414. Oktober
Endziffer 515. Oktober
Endziffer 616. Oktober
Endziffer 719. Oktober
Endziffer 821. Oktober
Endziffer 922. Oktober

Corona-Kinderbonus wird mit Kinderfreibetrag verrechnet

Familien mit einem höheren Einkommen profitieren jedoch weniger bis gar nicht vom Corona-Kinderbonus. Ebenso wie das Kindergeld wird auch der Kinderbonus mit dem Kinderfreibetrag verrechnet. Daher schwindet der Vorteil, je höher das Einkommen ist; anders formuliert stellt der Kinderbonus bei Besserverdienenden eine Vorauszahlung auf den Kinderfreibetrag dar.

Wer wie stark vom Corona-Kinderbonus profitiert, errechnet das Finanzamt, und auch, welche Berechnungsvariante für eine Familie am günstigsten ist. Denn nicht nur die Höhe des Einkommens ist entscheidend, sondern auch die Anzahl der Kinder. Daher kann es sein, dass die Berechnung bei Familien mit mehreren Kindern nicht einheitlich ausfällt. Sondern dass beispielsweise für das erste Kind der Freibetrag zur Anwendung kommt, für das zweite jedoch der Kinderbonus günstiger ist. Bei getrennt lebenden Eltern werden Kindergeld, Kinderbonus und Freibetrag jeweils zur Hälfte angerechnet.

Das Bundesfamilienministerium gibt zur Verdeutlichung folgendes Beispiel: „Ein zusammenveranlagtes Elternpaar mit drei Kindern profitiert beispielsweise bis zu einem Einkommen von 67.816 Euro in voller Höhe von dem Kinderbonus für alle drei Kinder. Oberhalb dieser Höhe wird der Kinderbonus allmählich abgeschmolzen. Ab einem Einkommen von 105.912 Euro wird er in der genannten Konstellation im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung für 2020 vollständig mit den drei Kinderfreibeträgen verrechnet.“ Allerdings würden gemäß BMFSFJ um die 80 Prozent aller Eltern den Kinderbonus vollständig erhalten.

Linke kritisieren einseitige Lastenverteilung in der Corona-Pandemie

Dennoch findet die Linke, der Kinderbonus falle zu gering aus. Die Lasten der Corona-Pandemie für Familien würden dadurch „nicht annähernd“ ausgeglichen, sagte die Linken-Abgeordnete Sabine Zimmermann, Vorsitzende des Familienausschusses im Bundestag,.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband lobte, dass der Bonus nicht auf Hartz IV angerechnet wird. „Der Kinderbonus ist zweifellos eine gute Sache und eine ganz konkrete Hilfe für arme Familien mit Kindern“, erklärter Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider. Allerdings würden andere bedürftige Gruppen auf der Strecke bleiben: „Absolut inakzeptabel aber ist, dass Millionen Kinderlose, die Leistungen beziehen, egal ob Hartz IV oder Grundsicherung im Alter, leer ausgehen.“ In sämtlichen Konjunkturpaketen und Rettungsschirmen seien „Millionen Arme bisher mit keinem Cent berücksichtigt“, beklagte Schneider. „Das ist angesichts der bitteren Not, die sich für die Betroffenen in der Corona-Krise Tag für Tag verschärft, armutspolitisch außergewöhnlich ignorant.“

Alleinerziehende bei Corona-Kinderbonus benachteiligt

Der Verband der alleinerziehenden Mütter und Väter (VAMV) hatte bereits vor Start der Bonus-Auszahlungen Kritik geübt. „Alleinerziehende hatten in der Zeit der geschlossenen Schulen höhere Kosten zum Beispiel beim Mittagessen, das sie plötzlich selbst zahlen mussten“, sagt VAMV-Bundesgeschäftsführerin Hoheisel. Gleichzeitig seien günstige Lebensmittel zur Mangelware geworden. Auch Technik für das Home-Schooling hätten sich viele Alleinerziehende erst anschaffen müssen. An der Regelung wurde jedoch nichts geändert. Demnach darf das Unterhalt zahlende Elternteil, dass das Kind nicht betreut, 150 Euro des Mindestunterhalts einbehalten. (Katja Thorwarth mit afp)

Rubriklistenbild: © Sebastian Kahnert

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