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An verbalen Solidaritätsbekundungen für Frankreich hat es Barack Obama nicht mangeln lassen.

"Charlie Hebdo"

Kritik an Abwesenheit von US-Präsident bei Gedenkmarsch

Die Abwesenheit von US-Präsident Obama stoßt auf heftige Kritik. Gegen Ende der Woche soll Außenminister John Kerry nach Frankreich reisen.

An verbalen Solidaritätsbekundungen für Frankreich hat es Barack Obama in den Tagen nach den islamistischen Anschlägen im Großraum Paris nicht mangeln lassen. Dem Gedenkmarsch in der französischen Hauptstadt, bei dem am Sonntag Staats- und Regierungschefs aus rund 50 Ländern ein Zeichen gegen Gewalt und Extremismus setzten, blieb der US-Präsident aber fern. Die Abwesenheit von Obama und anderen hochrangigen Mitgliedern seiner Regierung stieß in den US-Medien auf Kritik. Nun soll Außenminister John Kerry Ende der Woche nach Frankreich kommen.

"Sie haben die Welt im Stich gelassen", titelte das Boulevardblatt "New York Daily News" in seiner Montagausgabe und zeigte Bilder von Obama, Kerry, Vizepräsident Joe Biden und Justizminister Eric Holder. Das Online-Magazin "Politico" schrieb, die Entscheidung des Präsidenten sorge für Stirnrunzeln. "Barack Obama ist nicht Charlie - zumindest war er es dieses Wochenende nicht", hieß es auf der Website mit Blick auf die Solidaritätsbekundung "Je suis Charlie", die nach dem Anschlag auf die Satirezeitung "Charlie Hebdo" um die Welt ging.

Die islamistischen Anschläge und Geiselnahmen, denen in der vergangenen Woche in Frankreich 17 Menschen zum Opfer gefallen waren, sorgten auch in den USA für Entsetzen. "Vive la France", schrieb Obama am Donnerstag ins Kondolenzbuch der französischen Botschaft in Washington. In seinen Stellungnahmen traf er den richtigen Ton und versicherte der französischen Bevölkerung den Zusammenhalt beider Länder. "Wir trauern mit Euch. Wir kämpfen Seite an Seite, um unsere Werte aufrechtzuerhalten," sagte der Präsident.

Obama wurde nicht müde zu betonen, dass Frankreich der "älteste Verbündete" der USA sei. Damit beschwor der Präsident das historische Band, das beide Länder seit der französischen Unterstützung für die Amerikaner im Unabhängigkeitskrieg gegen Großbritannien eint. Heute beteiligt sich Frankreich am Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS), die französische Luftwaffe fliegt gemeinsam mit dem US-Militär Angriffe auf IS-Stellungen im Irak.

Als sich die Staats- und Regierungschefs um Frankreichs Präsident François Hollande und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Sonntag in Paris unterhakten und gemeinsam der Anschlagsopfer gedachten, weilte Obama jedoch in Washington. Als einziges großes westliches Land waren die USA nicht mit einem hochrangigen Politiker, sondern nur auf Botschafterebene vertreten. Sogar Holder ließ sich nicht bei dem Marsch blicken, obwohl der US-Justizminister extra zu einer Terror-Konferenz nach Paris gekommen war.

Einer Solidaritätskundgebung in Washington, zu der sich am Sonntag wenige Minuten vom Weißen Haus entfernt tausende Menschen versammelten, blieb Obama ebenfalls fern. Stattdessen marschierte die Europabeauftragte im US-Außenministerium, Victoria Nuland, mit. Dabei wies der Terminplan des Präsidenten keine öffentlichen Veranstaltungen auf - ebenso wie die Terminplanung von Vizepräsident Joe Biden, der sich laut "Politico" in seinem Heimatstaat Delaware aufhielt.

"Als Amerikaner wünschte ich mir, dass wir bei diesem wunderbaren Umzug besser vertreten wären", sagte der CNN-Moderator Jake Tapper, der über den Gedenkmarsch in Paris berichtete. Auch republikanische Politiker wie der frühere Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Newt Gingrich, kritisierten Obama. "Traurig, dass 50 Weltpolitiker in Paris Solidarität zeigen konnten, aber Präsident Obama sich der Teilnahme verweigerte", schrieb Gingrich im Online-Kurzmitteilungsdienst Twitter.

"Politico" mutmaßte, dass die Abwesenheit von Obama und Biden mit den strengen Sicherheitsanforderungen des Secret Service zusammenhängen könnte. Kerry, der sich auf einem lange geplanten Indien-Besuch befand, wies die Kritik an Obama zurück. "Das ist irgendwie spitzfindig", sagte er vor Journalisten. "Bei der Beziehung mit Frankreich geht es nicht um einen Tag oder einen bestimmten Moment." Der US-Außenminister kündigte an, am Donnerstag nach Frankreich zu reisen und bis Freitag dort zu bleiben. (afp)

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