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Krisenmanagement zum Zuschauen: Merkels Fernsehansprache.

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Die Krisenmanager in Berlin

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    Marina Kormbaki
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Deutschland wird durch die Corona-Zeiten manövriert – aber wie? Ein Blick auf das Team um die Bundeskanzlerin.

Alle achten auf die Kanzlerin. Der gesamte Regierungsapparat hat seine Vorsichtsmaßnahmen hochgefahren. Jedem in der Regierung ist bewusst, was für ein fatales Symbol es wäre, wenn ausgerechnet Angela Merkel sich anstecken und mitten in der Krise an Covid-19 erkranken würde.

Entsprechend vorsichtig agieren die Menschen in Merkels Umfeld. Sowohl im Bundespresseamt als auch im Kanzleramt wird nun großer Wert auf Mindestabstände gelegt. Bei Besprechungsräumen gilt nur eine Regel: Je größer, desto besser. Daran orientieren sich die Mitarbeiter der Kanzlerin auch, wenn sie außerhalb der Regierungsgebäude unterwegs sind. Besprechungsrunden in zu kleinen Räumen sagen sie ab. Die Republik, so hat man den Eindruck, wird zurzeit vor allem von Krisenstäben aus gesteuert. Im Auswärtigen Amt gibt es ohnehin permanent einen. Der ist im Augenblick vor allem damit beschäftigt, Heimflüge für Zehntausende im Ausland gestrandete Deutsche zu organisieren. Die Social-Media-Kanäle des Ministeriums quellen über vor lauter Anfragen heimkehrwilliger Bundesbürger. Das Auswärtige Amt hat sich dieser Tage zu Deutschlands meistbeschäftigtem Reiseveranstalter gewandelt.

Das Bundeskabinett selbst ist inzwischen eine Art Krisenstab geworden. Corona-Kabinett heißt diese gesonderte Krisenrunde, die mittlerweile zweimal in der Woche im Kanzleramt zusammensitzt. Kein Treffen ohne vorheriges Fiebermessen: Wer kränkelt, bleibt zu Hause. Darauf haben sich Merkel und die Minister verständigt. Bald will man auf Treffen verzichten – und sich telefonisch zusammenschalten.

Den Vorsitz dieser Runde hat die Kanzlerin, Kanzleramtschef Helge Braun koordiniert. „Das Ziel ist es, in den Besprechungen Entscheidungen zu den politischen Fragen im Zusammenhang mit dem Coronavirus vorzubereiten“, heißt es in Regierungskreisen.

Auf Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kommt es dabei besonders an. Auch der Verkehrsminister, der sich um die Logistikketten kümmert, die weiterhin wiederaufgefüllte Regale in den Supermärkten garantieren sollen, ist mit dabei. Und natürlich der Finanzminister: Olaf Scholz (SPD), so ist aus den Spitzen anderer Ministerien zu hören, erweist sich in diesen Tagen als ausgesprochen großzügig.

„Ja, klar“ soll Scholz gesagt haben, als Außenminister Heiko Maas (SPD) ihn zu Wochenbeginn um Geld bat, damit das Auswärtige Amt bei der Rückholung der Urlauber in Vorleistung gehen kann. „Sag mir, wie viel du brauchst“, so Scholz. Maas nannte die Summe von 50 Millionen Euro – und erhielt sie. In Scholz Haushaltsplänen dürften bald Milliardenlöcher klaffen. Im Krisenkabinett dürfen natürlich auch Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und Peter Altmaier (CDU) nicht fehlen. Denn es geht ja um den abruptesten Einbruch, den Deutschlands Wirtschaft seit dem Zweiten Weltkrieg erlebt hat.

Viel Macht im eigentlichen Sinne hat der Berliner Krisenstab nicht. Er koordiniert. Er sorgt dafür, dass dringend benötigte Medizinprodukte bestellt werden. Ansonsten spricht er Empfehlungen aus. Die Behörden vor Ort sollen entscheiden. Fahrt nimmt das Ganze erst auf, wenn die Politik sich einschaltet. Zum Beispiel am vorvergangenen Sonntag, als Gesundheitsminister Spahn erklärt, Veranstaltungen mit über 100 Teilnehmern sollten abgesagt werden.

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