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Fahrt in den Knast: Älterer Mann in einem Gefängnistransporter. 

Kriminalität von Älteren

Eher Geldwäsche als Totschlag

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Ältere Menschen werden seltener mit Gewaltdelikten straffällig. 

Vor 15 Jahren machte die sogenannte „Opa-Bande“ Schlagzeilen: drei ältere Männer, die zwischen 1988 und 2004 in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen insgesamt 14 Banken ausgeraubt hatten. 2005 wurden sie vom Landgericht Hagen wegen mehrfachen Raubes und räuberischer Erpressung zu Haftstrafen zwischen neun und zwölf Jahren verurteilt. Der Fall erregte vor allem deshalb Aufsehen, weil die Täter ein für Kriminelle fortgeschrittenes Alter von 64, 73 und 74 Jahren hatten. Senioren treten in der Öffentlichkeit sonst meist nur als Opfer von Straftaten in Erscheinung.

Das stimmt in dieser Vereinfachung allerdings nicht. Zwar stellten die Älteren unter den Menschen, die in Deutschland straffällig werden, die kleinste Gruppe dar, sagt Thomas Görgen von der Hochschule der Polizei in Münster. Doch ihre Zahl steige kontinuierlich. Etwa zehn Prozent aller registrierten Tatverdächtigen seien mittlerweile über 60, insgesamt handele es sich dabei pro Jahr um rund 130 000 Menschen, so der Professor für Kriminologie.

Die Datenlage sei jedoch dünn und das Thema noch wenig erforscht, hier gebe es großen Bedarf nach mehr Wissen. So werden ältere Straftäter und Straftäterinnen in den Statistiken als undifferenzierte, homogene Gruppe geführt, die meist mit 60 Jahren beginnt und auch sonst keine weiteren Unterscheidungen trifft – während die Jüngeren in kleinste Grüppchen unterteilt sind. Eine spezielle Art der Altersdiskriminierung, könnte man anmerken, die vermutlich vor allem damit zu tun hat, dass die meisten Straftaten von jungen Erwachsenen begangen werden. Auf ihr Konto gehen weitaus mehr und in der Regel auch schwerere Delikte als auf das der Älteren, bei denen Gewalt selten eine Rolle spielt.

Insofern ist die „Opa-Bande“ mit ihren Raubüberfällen eher untypisch; ins Raster passt allerdings, dass alle Drei bei ihrer Verhaftung bereits auf eine umfängliche kriminelle Karriere zurückblickten. Experten vermuten, dass nur die wenigsten älteren Straftäter „Spätstarter“ (das heißt wirklich so im Fachjargon) seien; belegt ist das aber nicht.

Doch warum werden Männer und Frauen im Rentenalter überhaupt straffällig? Da dürfte vielen Menschen bestimmt als erstes das Stichwort Altersarmut einfallen. Doch diese so naheliegend scheinende Erklärung greift nicht. Tatsächlich verhält es sich eher andersherum, sagt Görgen. Junge Straftäter stammten meist aus Milieus, die man gemeinhin als Unterschicht bezeichnet. Nicht so die Älteren: „Die meisten haben einen mittleren bis hohen sozialen Status“, erklärt der Kriminologe. Bei den älteren Straftätern dominieren laut Statistik Steuer- und Versicherungsbetrug (stark zunehmend), Alkoholfahrten, Schwarzfahren und Schwarzarbeit, deutlich zugenommen haben in dieser Gruppe auch Ermittlungen wegen Geldwäsche.

Hohe Dunkelziffer vermutet

Die Zahl der betagten Ladendiebe hingegen ist rückläufig. Sexualdelikte, Körperverletzung, Mord- und Totschlag kommen nach Angaben von Görgen bei Älteren nur selten vor – mit einer Ausnahme: In Pflegeheimen gebe es – wenn auch auf niedrigem Niveau – häufiger als früher Gewalt unter älteren Menschen. Diese kann sich zum Beispiel so äußern, dass ein Mann seine unter Demenz leidende Ehefrau „erlösen“ möchte oder nicht mehr ertragen kann.

Interessant ist auch das Ergebnis einer Studie aus Niedersachsen, für die 6000 Menschen im Alter zwischen 16 und 97 Jahren nach ihren Normbrüchen befragt wurden. Rund ein Drittel der über 61-Jährigen gab zu, eine oder mehrere nicht erlaubte Taten begangen zu haben; auch hier dominierten die aufgeführten leichten Delikte. Erwischt worden sein dürften wohl nur die wenigsten von ihnen.

Die Dunkelziffer der betagten Rechtsbrecher könnte daher ziemlich hoch sein – denn, so Görgen: „Ältere begehen oft Straftaten, bei denen die Wahrscheinlichkeit des Auffallens eher gering ist.“

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