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Kampf um die Krim: Ukraine rückt auf Putins Atomwaffen-Lager zu

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Von: Stefan Krieger

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Die Ukraine rück im Krieg gegen Russland auf die Krim zu. Das bringt Wladimir Putin in Schwierigkeiten – bei der Stationierung seiner Atomwaffen.

Kiew – Die Kontrolle über die ukrainische Halbinsel Krim als potenzielle Plattform für Atomwaffen ist nach Ansicht des Kremls ein entscheidender Bestandteil der nationalen Sicherheitsstrategie. Diese zielt darauf ab, den Frieden mit dem Westen durch die Drohung mit gegenseitiger Zerstörung zu wahren, indem nuklear bewaffnete Bomber und U-Boote vor der östlichen Tür der Nato stationiert werden – eben auf der von Russland annektieren Krim.

Ukraine-Krieg: Gegenoffensive bringt Russland bei der Stationierung von Atomwaffen in Bedrängnis

Doch nun könnten vorrückende ukrainische Truppen im Ukraine-Krieg bald in der Lage sein, U-Boot-Stützpunkte und ein Lager für Atomwaffen auf der Schwarzmeerhalbinsel anzugreifen, wie das Portal kyivpost.com berichtet. Nach Einschätzung ukrainischer Militärexperten und Sicherheitsanalysten bringt das den russischen Staatschef Wladimir Putin vor die unangenehme Wahl, entweder eine nukleare Eskalation gegen die Nato herbeizuführen oder einen Rückzieher auf der Krim zu machen.

Ukraine-Konflikt - russische Truppen in Armjansk
Russische Truppen im Norden der annektierten Halbinsel Krim. © Konstantin Mihalchevskiy/dpa

Kampf um die Krim: Arbeiten im Ukraine-Krieg am geheimen Atomwaffenlager Feodosiya-13

Andrej Tschernjak, ein Sprecher der Hauptnachrichtendirektion der ukrainischen Streitkräfte (AFU), sagte am 3. Januar gegenüber der Nachrichtenagentur Ukrinform, dass im Ukraine-Krieg russische „bodengestützte, luftgestützte und seegestützte Nuklearmunitionsträger derzeit auf der vorübergehend besetzten Krim stationiert sind“.

Der Militärgeheimdienst der Ukraine hat außerdem „gewisse Arbeiten“ am streng geheimen Atomwaffenlager Feodosiya-13 beobachtet. Dabei handelt es sich um ein Netz von Stahlbetonbunkern aus der Sowjetzeit. Im Jahr 2001 übergab die Ukraine alle Atomsprengköpfe, die sich in Feodosiya-13 und anderswo im Land befanden, an Russland und übergab oder zerstörte alle eigenen Atomwaffenträgersysteme.

Ukraine-Krieg: „Russland ist zu allem fähig“

Im Gegenzug erhielt die Ukraine Garantien des Kremls, die Grenzen des Landes zu respektieren und die nationale Souveränität der Ukraine nicht zu bedrohen. Die Intensivierung der technischen Arbeiten in Feodosiya-13 könnte darauf hindeuten, dass Russland die Rückkehr der Atomwaffen auf die Krim beabsichtigt und möglicherweise bereits begonnen hat.

„Sie (Russland) sind zu allem fähig“, so Tschernjak. „Wir hoffen, dass die internationale Gemeinschaft in der Lage sein wird, die Führung des Besatzungslandes (Russland) so zu beeinflussen, dass sie die Welt nicht in eine nukleare Katastrophe führt.“

Der auf der Krim geborene ukrainische Militäranalyst Wladislaw Seleznew erklärte gegenüber der Kyiv Post, dass der Kreml seine Nuklearwaffensysteme nach Möglichkeit auf die Krim zurückbringen wolle. Die vorrückenden ukrainischen Truppen, die mit Langstreckenwaffen ausgerüstet sind, haben Moskau jedoch bereits dazu gebracht, einige mobile Nuklearwaffensysteme – insbesondere raketenbestückte U-Boote und schwere Bomber – nach Russland zu verlegen.

Mattias Eken, Forscher bei der Defence and Security Research Group von RAND Europe, sagte, dass der Kreml es höchstwahrscheinlich vermeiden wird, Atomwaffenträgersysteme auf der Krim einem ukrainischen Angriff auszusetzen, so kyivpost.com. Die Halbinsel sei für Moskau ein wichtiger, aber nicht unersetzlicher Teil der russischen Taktik, wenn es um nukleare Abschreckung geht.

Kampf um die Krim: Experte warnt vor Eskalation hin zu einem Atomkrieg

„Russland wird nicht riskieren wollen, die verbleibenden Plattformen zu verlieren, über die es verfügt. Daher denke ich, dass es auf der Krim etwas vorsichtiger agieren wird, zumindest was die Stationierung moderner Waffenplattformen angeht“, so Eken. „Russland verfügt über genügend Flugzeuge, nuklear bewaffnete U-Boote und interkontinentale ballistische Raketen, die anderswo stationiert sind, sodass man durch ukrainische Angriffe nicht bedroht ist.“

Allerdings warnte der Forscher vor den Gefahren einer weiteren Eskalation. „Sollten sich die ukrainischen Angriffe auf die Krim ausweiten oder würde Russland Gefahr laufen, die Kontrolle über die Halbinsel zu verlieren, könnte dies zu einer erhöhten Gefahr führen, dass Russland auf die Drohung einer nuklearen Eskalation zurückgreift. Ein tatsächlicher Einsatz von Atomwaffen, selbst in einem taktischen und begrenzten Umfang, bleibt unwahrscheinlich, da er für Russland mit enormen Risiken verbunden wäre“, so Eken. (Stefan Krieger)

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