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Militär-Experte erklärt im ZDF Lage der Ukraine-Offensive – für Krim fehlt ein Baustein

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Von: Patrick Mayer

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Der frühere US-General Ben Hodges glaubt, dass die Krim im Fokus der ukrainischen Gegenoffensive steht - aber, ohne dass die Halbinsel anfangs direkt angegriffen wird.

München/Sewastopol – Wo schlagen die ukrainischen Streitkräfte bei ihrer Gegenoffensive zu? Eine Theorie sieht eine Zangenbewegung vor. Zum einen im Nordosten von Charkiw aus die russische Grenze entlang in Richtung Luhansk im Donbass. Zum anderen im Süden von Cherson aus in Richtung Melitopol das Asowsche Meer entlang, und wieder ins Landesinnere nach Saporischschja am Dnepr.

Ukraine-Krieg: Kiew bereitet Gegenoffensive gegen russische Armee vor

Einer, der sich aus westlicher Perspektive oft und offensiv zum Ukraine-Krieg äußert, meint, dass es schwerpunktmäßig um die komplette Wiedergewinnung des Südens der Ukraine geht. Um sich dann auf die von Russland annektierte Halbinsel Krim konzentrieren zu können.

Sein Name: Ben Hodges. Der Generalleutnant a. D. der United States Army war von November 2014 bis Dezember 2017 Oberkommandierender der US-Landstreitkräfte für Europa. Er glaubt: Die Krim steht im Fokus. Denn: Bei ihrem Verlust wäre der Krieg für die russische Armee verloren.

Glaubt an einen ukrainischen Sieg: Ex-US-General Ben Hodges (3.v.re.) bei „Maybrit Illner“ im ZDF.
Glaubt an einen ukrainischen Sieg: Ex-US-General Ben Hodges (3.v.re.) bei „Maybrit Illner“ im ZDF. © Screenshot ZDF

Die jüngsten Angriffe auf russische Treibstofflager auf der Krim und im Umfeld der Krim-Brücke wähnt Hodges als Vorbereitungen der Gegenoffensive. Auch, um die „Krim zu isolieren“, wie er es nannte, und die Verteidigung der Halbinsel durch die russischen Besatzer nicht lohnenswert zu machen.

Gegenoffensive der Ukraine: Ex-US-General spricht von „klassischer Strategie“

„Das ist eine klassische Strategie, die feindliche Logistik zu unterbrechen, bevor man selbst eine Offensive beginnt“, sagte er am Donnerstagabend (4. Mai) in der Talkshow „Maybrit Illner“ im ZDF. „Genauso besiegt man Masse mit Präzision. Wenn man lohnenswerte Ziele trifft, kann man den einzigen Vorteil der russischen Armee neutralisieren, und das ist die Masse“, erklärte der amerikanische Militär im Ruhestand, der sich immer wieder in Diskussionsrunden und Interviews zum russischen Angriffskrieg auf die Ukraine äußert. Und dabei auffällig die Invasionstruppen Moskaus schwachredet.

Um die Krim zu isolieren und für die russischen Streitkräfte unhaltbar zu machen, müsse die Ukraine jetzt auch Langstreckenwaffen erhalten, meinte der 65-Jährige. Zur Einordnung: Von Küstenstandorten zwischen Melitopol, Berdjansk oder sogar Mariupol aus ließe sich etwa die prestigeträchtige Krim-Brücke bei Kertsch mit Langstreckenwaffen erreichen. Dasselbe würde für russische Stellungen an der Krim-Küste zum Asowschen Meer und gegebenenfalls auch für Sewastopol gelten, wo die russische Schwarzmeerflotte stationiert ist.

Gegenoffensive der Ukraine: Angriffe an der Küste zum Asowschen Meer?

Für diese Ausgangslage wolle die ukrainische Armee die russischen Angreifer in den kommenden Wochen bis zum Asowschen Meer zurückdrängen und anschließend (in Kooperation mit den westlichen Partnern) mehr Präzisionswaffen für weite Distanzen ins Spiel bringen, glaubt Hodges: „So könnte die Ukraine möglicherweise sogar bis zum Sommer die Krim befreien.“

So könnte die Ukraine möglicherweise sogar bis zum Sommer die Krim befreien.

Ben Hodges, Ex-US-General bei Maybrit Illner im ZDF

Dass sich die Gegenoffensive insbesondere im Süden konzentrieren wird, nimmt auch der erfahrene Politiker Jean Asselborn an. Der luxemburgische Außenminister war ebenfalls bei „Maybrit Illner“ zu Gast. „Ich glaube, dass die Ukrainer mit dieser Offensive versuchen, an das Schwarze Meer zu kommen. Wenn sie am Schwarzen Meer sind, haben sie natürlich ganz andere Möglichkeiten, was die Krim angeht“, sagte der 74-Jährige in der Sendung.

Krim im Fokus: Wäre Krieg bei ihrem Verlust für russische Armee verloren?

Asselborn und Hodges vertraten im ZDF jeweils die These, dass ein Verlust der Krim und eine Niederlage im Krieg gleichbedeutend mit einem Ende des Kreml-Regimes von Wladimir Putin sein werden. „Die Essenz des Regimes Putins ist der Krieg. Wenn Putin den Krieg verliert, ist er weg. Solange er da ist, wird der Krieg weitergeführt werden“, sagte Asselborn. Hodges meinte: „Russland ist schwach, die Armee ist in Stücke geschlagen worden, die Militärindustrie liegt am Boden.“

Auf dem Weg zur Rückeroberung der Krim sieht Hodges dennoch eine hohe Hürde. Und zwar die Antwort auf die Frage, ob die ukrainischen Streitkräfte tatsächlich Langstreckenraketen bekommen.

Für Rückeroberung der Krim: Bekommt die Ukraine auch Langstreckenraketen?

„Das ist das größte Problem: Dass mein Präsident und auch der Bundeskanzler, aber auch der britische Premierminister immer kurz davor Halt gemacht haben, klar zu sagen, dass wir wollen, dass die Ukraine gewinnt“, sagte er: „Weil sie das Ergebnis nicht definiert haben, führt das dazu, dass wir nur Schritt für Schritt Dinge anbieten. Der Schlüssel liegt darin, zu definieren, was das gewünschte Ergebnis ist. Und das Ergebnis sollte natürlich sein, dass die Ukraine gewinnt.“ (pm)

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