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NS-Vergangenheit

Kriegskinder-Kongress beginnt mit jüdischem Widerspruch

Zum Auftakt des internationalen Kongresses über das Schicksal der Kriegskinder haben Juden den Veranstaltern "Gleichmacherei unter den Opfern" vorgeworfen.

Von MATTHIAS ARNING (FRANKFURT AM MAIN)

Gleich zu Beginn des dreitägigen internationalen Kongresses hielt Dieter Graumann von der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main seine Kritik nicht zurück. Angesichts des üppigen Programms habe er sich gefragt, "wo denn eigentlich die Holocaust-Kinder bleiben". Man habe die Juden "abgedrängt", er selbst, sagte Graumann, verspüre in diesem Zusammenhang "ein Unbehagen".

Für Juden sei es "töricht und verletzend", wenn man jetzt sage, "nun sei es auch mal Zeit für die Erinnerung an andere Opfer." Der Holocaust bleibe singulär. "Wir wollen keinen Wettbewerb der Opfer haben", hob Graumann hervor, "aber Gleichmacherei darf nicht sein."

Im Vorfeld des Kongresses an der Frankfurter Goethe-Universität, den Bund und Land Hessen finanziell gut ausstatteten, haben die Veranstalter, die Universität selbst in Zusammenarbeit mit dem Institut für Jugendbuchforschung und dem Sigmund-Freud-Institut, Vorhaltungen wie die Graumanns befürchtet. Deswegen hieß es, man wolle eine Konkurrenz der Opfer von Holocaust und Krieg nicht fördern. Es sei aber an der Zeit, sich auch des Schicksals der Kriegskinder und ihrer fortwährenden Traumatisierungen anzunehmen. Schließlich sei dieses Thema angesichts der ungeheuren Dimension der Judenvernichtung nach 1945 nie angesprochen worden. Erst die eindringlichen Schilderungen der Bombennächte in Deutschland etwa durch den Historiker Jörg Friedrich richteten den Fokus auf die Kriegskinder.

"Eine gewisse Redlichkeit" wollte Graumann den Veranstaltern auch gar nicht absprechen. Doch "was wir derzeit erleben, ist die Umdeutung der deutschen Geschichte", die das Leid der Kriegskinder stark hervorhebe. Graumann mag in diesem Zusammenhang an seinen Vorredner Franz Zimmermann gedacht haben. Der unbeholfen wirkende Frankfurter Stadtrat rief am Ende seiner Rede dazu auf, alles dafür zu tun, "dass solche Barbarei an unseren Kindern nicht wieder passiert."

Zuvor erinnerte FDP-Politiker Zimmermann an die historische Bedeutung des Veranstaltungsortes, des IG-Farben-Hauses. Graumann kündigte dazu eine Initiative des Zentralrats der Juden an, der die Bezeichnung "IG-Farben-Haus" für dieses Gebäude erhalten wolle. Andere Überlegungen, etwa die Bezeichnung nach dem Architekten Poelzig, seien abwegig.

Die Perspektive der Kinder auf den Krieg eröffnete schließlich Emmy Werner, 1929 im Rheingau geboren und heute Professorin an der kalifornischen Berkeley-Universität. Sie lenkte den Blick auf die Gleichzeitigkeit der Erfahrungen von Gewalt: Während der deutsche Schüler sich in seinem Tagebuch am 1. September 1939 über schulfrei zum Mobilmachungstag freute, schilderte ein polnisches Mädchen in ihren Erinnerungen die Sorge, die sie beim Einmarsch der Deutschen empfand.

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