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HINTERGRUND

Das Kriegsende in den wichtigsten hessischen Städten

Innerhalb von zwei Wochen haben die alliierten Truppen im Jahr 1945 das Gebiet des späteren Hessen besetzt. Ein Überblick über wichtigsten militärischen Aktionen.

Frankfurt/Main (dpa/lhe). Innerhalb von zwei Wochen haben die alliierten Truppen im Jahr 1945 das Gebiet des späteren Hessen besetzt. Im Einzelnen liefen die militärischen Aktionen so ab:

Darmstadt

Nach der Überquerung des Rheins rechneten die Amerikaner mit heftigem Widerstand in Darmstadt. 200 Panzer und 12 Batterien standen am 25.März bereit, um die nach mehreren Luftangriffen stark zerstörte Stadt zur Aufgabe zu zwingen. Wider Erwarten ergab sie sich kampflos. Wem die Ehre gebührt, sinnloses Blutvergießen verhindert zu haben, darüber entbrannte Jahre später ein heftiger Streit.

Als Held wurde Metzgermeister Hans Lenhard gefeiert, der den amerikanischen Truppen mit dem Rad entgegen fuhr und später mit dem stellvertretenden Bürgermeister Karl Huck die Übergabe vorbereitet hat. Dem widersprach der frühere Kampfkommandant Paul von den Hoff, der mit rund 150 Mann vor der Stadt in Stellung lag und sich ergab.

Nicht zuletzt beanspruchte Thea Friedrich die Rettungstat für sich, weil sie mutig die weiße Fahne auf dem "Langen Ludwig", dem Obelisk in der Stadtmitte, hisste.

Offenbach

Die letzten Bomben fielen am 9. März auf Offenbach. Einer Aufforderung zur Räumung des Stadtgebietes am 24. März kommen nur wenige Menschen nach. Aber die Spitzen der NSDAP und der Verwaltung verlassen nach der Vernichtung etlicher Akten die Stadt. Am 25. März sprengten zurückweichende deutsche Truppen die Main- Brücke.

In der nächsten Nacht wurde die Feuerwehrbereitschaft vergeblich aufgefordert, "Offenbach bis zum letzten Mann zu verteidigen". Von Süden kommend setzen amerikanische Truppen am 26. März ihren Vormarsch im Kreis Offenbach fort und besetzen gegen Mittag kampflos die Stadt. Zum kommissarischen Oberbürgermeister ernennen die Amerikaner Fritz Reinicke, kommissarischer Landrat wird Karl Uebel.

467 Menschen kamen in Offenbach bei Bombardierungen um, darunter 53 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene. Mehr als ein Drittel der Stadt ist zerstört.

Frankfurt am Main

Die US-Truppen erreichten am 26. März die südmainischen Teile von Hessens größter Stadt. Ernsthafter militärischer Widerstand war nur durch eine Waffen-SS- Einheit zu befürchten, die sich bei Bad Vilbel festgesetzt hatte.

Am 27. März 1945 traf ein gezielter Beschuss die Standortkommandantur an der Taunusanlage. Die amerikanischen Truppen rückten über die nur teilweise zerstörte Wilhelmsbrücke (heute Friedensbrücke) auf den Hauptbahnhof vor.

Am 29. März werden auch die nördlichen Stadtteile besetzt. NS-Oberbürgermeister Krebs hatte sich nach Bad Homburg abgesetzt, auch Gauleiter Sprenger floh und nahm sich kurz vor Kriegsende das Leben, wie der Historiker Lutz Becht vom Institut für Stadtgeschichte berichtet.

Am 29. März 1945 - es ist Gründonnerstag - wurde der parteilose frühere Journalist Wilhelm Hollbach zum Amtierenden Bürgermeister ernannt.

Wiesbaden

Der Einmarsch der US-Truppen am 28. März in Wiesbaden verlieft unspektakulär. Der Grund: Es gab keinen militärischen Widerstand. Die Wehrmacht hatte ihre wenigen Truppen abgezogen, und der Volkssturm - bewaffnet mit zwei Dutzend alten Gewehren und ebenso vielen Panzerfäusten - hatte sich kurz zuvor aufgelöst, berichtet das Stadtarchiv. In den frühen Morgenstunden verließen die letzten Wehrmachtseinheiten die Stadt, um 5.45 Uhr wurde auf einem Hochbunker die weiße Fahne gehisst.

Im Laufe des Tages marschierten US-Truppen aus verschiedenen Seiten in die Stadt. Sie besetzten zuerst den Flughafen in Erbenheim - er ist bis heute US-Militärflugplatz. Als erstes Hauptquartier wählten die Amerikaner das ehemalige Grand-Hotel "Rose" - inzwischen Sitz der hessischen Staatskanzlei.

Gießen

Beim Einmarsch der Alliierten am 28. März 1945 in Gießen gab es vereinzelt Widerstand, eine Lahnbrücke wurde teilweise gesprengt. "Die Amerikaner sind aber insgesamt ohne größeren Widerstand einmarschiert, es war relativ kampflos", sagt die Leiterin des Universitätsarchivs Gießen, Eva-Marie Felschow.

Die Truppen seien von Westen vorgestoßen, von Wetzlar aus seien sie die Lahn hoch nach Gießen gekommen. In einer Filmdokumentation der Amerikaner über ihren Einmarsch in Gießen sind Männer mit weißen Tüchern zu sehen, die die US-Soldaten erwarten.

Fulda

Die US-Streitkräfte erreichten Fulda kurz vor Ostern. Bis zum Karfreitag, dem 30. März 1945, sprengten sie alle Brücken der Fulda. Weil die Wehrmacht sich nicht kampflos ergeben wollte, begannen sie am Ostersamstag ihren Angriff. Die US-Panzer feuerten von den Anhöhen, über Fulda kreisten Aufklärer.

Erst am Ostermontag gab der Kampfkommandant der Wehrmacht den Widerstand auf. Als Deutsche noch immer auf ihre Gegner schossen, drohten die Amerikaner mit einer völligen Zerstörung der Stadt. NSDAP-Oberbürgermeister Franz Danzebrink lief daraufhin mit einem weißen Taschentuch in der Hand zu den letzten deutschen Soldaten und brachte sie zur Aufgabe.

Kassel

Das durch 40 Luftangriffe vollkommen zerstörte Kassel wurde als letzte hessische Großstadt zur "Festung" erklärt. "Kassel wird bis zum letzten Mann verteidigt", lautete die Parole. Als die 80. US-Infanteriedivision in den ersten Apriltagen in einer Umfassbewegung von Süden auf Kassel vorrückte, sprengten deutsche Soldaten die Fuldabrücken.

Der deutsche Kommandant Kassels, General Johannes Erxleben, wollte seine Pflicht erfüllen und von seinem Gefechtsstand im Weinbergbunker die Trümmerstadt "bis zum letzten" verteidigen. Er entschied sich aber am 4. April gegen sinnloses Blutvergießen und kapitulierte. 1325 Wehrmachtssoldaten gingen in Gefangenschaft.

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